Plötzlich 36 Grad – im September! Wetterforscher stutzt: „So nah am Rekord war es fast nie"

Eigentlich beginnt der Herbst – doch das Wettermodell spielt mit 36 Grad. Der September-Rekord liegt bei 36,5. Was ist da los? Und warum schwitzt nur der Süden?
Eigentlich sollte jetzt Schluss sein mit der großen Hitze. Meteorologisch hat am 1. September der Herbst begonnen, die Tage werden kürzer, die Nächte kühler – und trotzdem passiert gerade etwas, das viele Wetterfans die Augen reiben lässt.
Das europäische Spitzenmodell liebäugelt für das erste September-Wochenende ausgerechnet mit einem Wert, der eigentlich mitten in den Hochsommer gehört: 36 Grad.
Zur Erinnerung: Der deutsche Rekord für einen Septembertag liegt bei 36,5 Grad. Wir reden hier also nicht über irgendeine warme Nummer – wir reden über die Schwelle zur absoluten Extremklasse. Und genau deshalb schauen jetzt alle gebannt auf die Karten.
„Nur ein halbes Grad vom Rekord" – warum diese Zahl so brisant ist
36,5 Grad – diesen Spitzenwert gab es in über 100 Jahren Wetteraufzeichnung nur zweimal. Einmal Anfang September 1911, einmal Mitte September 1947. Danach: Funkstille auf diesem Niveau. Dass ein Modell überhaupt so nah an diese magische Marke heranrechnet, ist für sich genommen schon eine kleine Sensation.
Klar ist aber auch: So ein Extremwert ist immer der obere Rand dessen, was die Modelle für möglich halten – die absolute Ausreißer-Variante. Realistischer sind für viele Regionen 30 bis 34 Grad. Doch selbst das wäre für Anfang September mehr als bemerkenswert. Der Sommer, den viele schon abgeschrieben hatten, holt tief Luft für den nächsten Schlag.
Der Süden schwitzt, der Norden friert – das ganze Jahr schon
Wer diesen Sommer verfolgt hat, kennt das Muster längst: Während sich der Süden eine Hitze-Party nach der anderen gönnt, sitzt der Norden unter grauen Wolken, im Regen und bei gefühltem Jackenwetter. Mal 33 Grad in Freiburg, gleichzeitig 19 Grad an der Nordseeküste – das war fast schon der Normalzustand.

Und jetzt, zum September-Start, wiederholt sich das Spiel eins zu eins. Im Süden und Südwesten klettert das Thermometer Richtung 30-Grad-Marke und darüber, während es im Norden kühl, wechselhaft und nass bleibt. Warum kommt dieses eine Land einfach nicht zusammen?
Das Geheimnis liegt über dem Atlantik
Die Antwort steckt in der Großwetterlage – und die läuft seit Wochen wie ein Uhrwerk. Über dem Atlantik und in Richtung Skandinavien tummeln sich immer wieder kräftige Tiefdruckgebiete. Sie pumpen feuchte, kühle Meeresluft in den Norden Deutschlands und sorgen dort für Wolken, Schauer und gedämpfte Temperaturen.

Der Süden dagegen liegt beständig im warmen Griff des Azorenhochs, dessen Rücken sich immer wieder schützend über Bayern und den Südwesten legt. Diese Hochdruckglocke lässt die Sonne knallen, trocknet die Luft aus – und dreht die Temperaturen nach oben. Genau diese Südwestlage ist der Schlüssel: Sie schaufelt warme Luft aus dem Süden zu uns und teilt Deutschland in zwei Wetter-Welten.
Geht die Hitze im Herbst jetzt nahtlos weiter?
Die große Frage, die vielen unter den Nägeln brennt: War's das mit dem Sommer – oder kommt jetzt der große Nachschlag? Die Modelle geben eine erstaunlich klare Richtung vor. Von einem echten Temperatursturz ist vorerst nichts zu sehen, im Gegenteil.
Selbst über den kleinen Wärmeschub am ersten Wochenende hinaus bleiben die Werte vielerorts auf sommerlichem Niveau, häufig um 25 Grad, im Süden auch deutlich mehr. Ein goldener Spätsommer mit einem letzten kräftigen Wärmeschub ist damit alles andere als ausgeschlossen. Wer die Badehose schon im Keller verstaut hat, könnte sich zu früh gefreut – oder geärgert – haben.
Was das jetzt für uns in Deutschland bedeutet
Für den Süden heißt das: Sonnencreme raus, kurze Hose an, Freibad-Saison verlängert. Wer in Bayern, Baden-Württemberg oder am Oberrhein wohnt, darf sich auf ein Wochenende freuen, das sich anfühlt wie mitten im Juli. Im Norden dagegen bleibt der Regenschirm griffbereit – hier gewinnt vorerst der Herbst.
Ob die magischen 36 Grad am Ende wirklich auf dem Thermometer stehen, entscheidet sich erst kurzfristig – ein einziges Grad kann hier über einen historischen Rekord entscheiden. Sicher ist nur: Dieser September startet mit einem echten Wetter-Krimi. Und der spannendste Akt kommt möglicherweise erst noch.