Meteorologe Habermehl: „Die Polarluft sorgt bis zum 27. Juli für kühle Tage“, doch dann kommt der Hitzesommer zurück

Erst Polarluft und Pullover-Wetter, dann der Umschwung: Ab Ende Juli dreht das Wetter komplett. Der Hitzesommer kommt zurück, und die Modelle berechnen bereits Extremwerte. Jetzt heißt es vorbereiten.

Wer in diesen Tagen morgens vor die Tür tritt, greift eher zur Jacke als zur Sonnenbrille. Polarluft hat sich über Deutschland breitgemacht, die Temperaturen liegen vielerorts deutlich unter dem, was man Ende Juli erwarten würde. Nachts wird es stellenweise richtig frisch, tagsüber reicht es kaum für einen ordentlichen Sommertag.

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Und dabei bleibt es erst mal. „Die Polarluft sorgt bis zum 27. Juli für kühle Tage", sagt Diplom-Meteorologe Habermehl. Wer also auf Freibad-Wetter gehofft hat, muss sich noch ein paar Tage gedulden.

Der 27. Juli ist der Wendepunkt – danach dreht alles

Genau dieses Datum sollte man sich merken. Denn ab dem 27. Juli kippt die Großwetterlage. Der Nachschub an kühler Luft aus dem Norden versiegt, das Steuerungssystem über dem Atlantik stellt sich um, und plötzlich hat Deutschland freie Bahn nach Südwesten.

Was dann kommt, ist keine sanfte Erwärmung mit ein, zwei Grad mehr pro Tag. Es geht rasant nach oben. Innerhalb weniger Tage könnten wir von Pullover-Wetter auf Hochsommer umschalten.

Der Heat Dome aus Südwesteuropa wartet schon

Der Grund liegt weit im Südwesten. Über Spanien und Portugal hat sich eine mächtige Hitzeglocke aufgebaut, ein sogenannter Heat Dome. Die Luft wird darin nach unten gepresst, erwärmt sich zusätzlich und staut sich unter einem festsitzenden Deckel. Dort werden Werte weit jenseits der 40 Grad erreicht.

Bislang hielt die Polarluft dieses Gebilde auf Distanz. Sobald diese Sperre wegfällt, hat der Heat Dome freie Fahrt Richtung Mitteleuropa. Und genau das berechnen die Modelle jetzt.

Anfang August wird es richtig heftig

Für die ersten Augusttage tauchen in den Berechnungen Karten auf, die man sich zweimal anschauen muss. 30 bis 35 Grad flächendeckend, im Südwesten und entlang des Rheins stellenweise Richtung 38 bis 40 Grad. Einzelne Läufe gehen sogar noch weiter.

Aktuell ist es kühler als normalerweise zu dieser Jahreszeit. Das sollte man noch ausnutzen.
Aktuell ist es kühler als normalerweise zu dieser Jahreszeit. Das sollte man noch ausnutzen.

Und es rechnet nicht nur ein Modell so. Auch das europäische Modell ist inzwischen umgeschwenkt und zeigt dieselbe Richtung. Wenn sich die großen Rechenzentren derart einig sind, sollte man genauer hinschauen.

Jetzt lüften, was das Zeug hält

Und hier kommt der praktische Teil: Die kühlen Tage bis zum 27. Juli sind ein Geschenk, das man nutzen sollte. Wohnung durchlüften, am besten nachts und früh am Morgen, wenn die Luft am kältesten ist. Rollläden und Vorhänge tagsüber runter, Möbel und Wände kühlen jetzt richtig aus und speichern diese Kühle über Tage.

Wer einen Ventilator im Keller hat, holt ihn jetzt hoch und nicht erst, wenn er im Baumarkt ausverkauft ist. Auch der Garten will vorbereitet sein, tief gießen statt oberflächlich, damit die Pflanzen die Hitze durchstehen.

Was gesichert ist – und was noch offen bleibt

Ehrlich bleiben gehört dazu: Die kühle Phase bis zum 27. Juli ist so gut wie sicher. Der Umschwung danach ist ebenfalls sehr wahrscheinlich, da sind sich die Modelle einig. Die Extremwerte für Anfang August dagegen liegen noch weit draußen im Prognosezeitraum.

Das sind Trendaussagen, keine belastbaren Vorhersagen, und solche Spitzen werden erfahrungsgemäß in den nächsten Läufen oft wieder abgeschwächt. Sicher ist aber: Der Sommer ist noch lange nicht fertig mit uns. Die nächsten Tage sind die Ruhe vor dem Sturm.