Extremprognose: Wird El Niño 2026 zum „Godzilla“? NOAA-Daten zeigen Übergang, Unsicherheit und keine Extrembestätigung!
Die Gazetten überschlagen sich bei ihren Headlines bezüglich eines möglichen „Godzilla-El-Niño“-dem stärksten seit 140 Jahren. Wegen dieser medialen Inszenierung ist eine erneute datenbasierte Einordnung erforderlich. Was ist Hysterie, Panikmache und was ist einfach nur probabilistisch und soll, bzw. muss als Wissen über die Medien gestreut werden?

Die Aussage, ein mögliches Ereignis könne „das stärkste seit etwa 140 Jahren“ sein, basiert nicht auf einer kurzfristigen Prognose, sondern auf dem Vergleich mit der verfügbaren instrumentellen und rekonstruierten Klimageschichte.
D. h. er beruht auf der gesamten verfügbaren ENSO-Datenbasis, einschließlich SST-Datensätzen (Sea Surface Temperature-Datensätze, langfristige Messreihen der Meeresoberflächentemperatur) und ENSO-Rekonstruktionen (nachträgliche wissenschaftliche Abschätzungen früherer ENSO-Zustände aus Messdaten und Klima-Proxys).
Gleichzeitig zeigt die aktuelle Prognose der NOAA ein deutlich probabilistisches und unsicheres Bild, das eine vorsichtige Interpretation der Daten notwendig macht.
Folglich ist die „das stärkste El-Niño seit etwa 140 Jahren“ Schlussfolgerung ist legitim- dennoch:
Wissenschaftlich betrachtet ist es vondaher möglich, diesen Zeitraum als Referenzrahmen zu nutzen, um potenzielle Extremwerte im Modellkontext einzuordnen.
Warum dennoch Vorsicht bei der Interpretation geboten ist
Die aktuelle Datenlage des Climate Prediction Center der NOAA zeigt ein deutlich probabilistisches Bild.
Der ENSO-Zustand ist gegenwärtig neutral, mit einer RONI-Anomalie von etwa −0,7 °C im Zeitraum Januar bis März 2026.
Auch die Meeresoberflächentemperaturen im zentralen äquatorialen Pazifik (Niño 3.4) liegen aktuell bei etwa −0,3 °C Anomalie und damit nahe bis leicht unter dem klimatologischen Mittelwert, was den neutralen bis leicht kühl-anomalen Zustand des tropischen Pazifiks bestätigt.
Die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung eines El Niño im Sommer 2026 liegt bei rund 60 bis 62 Prozent.

Konkret zeigt die aktuelle Einschätzung des Climate Prediction Center:
- ENSO-neutral conditions are present
- ENSO-neutral conditions favored through April–June 2026 (80 % chance)
- El Niño likely to emerge in May–July 2026 (61 % chance)
- El Niño expected to persist through at least the end of 2026
Diese Zahlen zeigen: Ein Übergang ist plausibel, aber keineswegs garantiert oder bereits abgeschlossen.
NOAA konstatiert: typische Übergangsphase im Pazifik
Die NOAA beschreibt die derzeitige Situation als typische Übergangsphase. Während sich unter der Meeresoberfläche bereits wärmere Wassermassen aufgebaut haben, ist die Atmosphäre noch nicht vollständig auf ein mögliches El-Niño-Ereignis eingestellt.
Zur Stärke: Keine eindeutige Aussage
Besonders wichtig ist die Einschätzung zur möglichen Intensität.
Im Zeitraum November 2026 bis Januar 2027 zeigen die NOAA-Ensembleprognosen nahezu gleich hohe Wahrscheinlichkeiten (jeweils etwa 25 %) für einen starken, sehr starken oder moderaten El-Niño-Zustand. Zusätzlich ergibt sich eine Wahrscheinlichkeit von ungefähr 10 %, dass trotz der Entwicklungstendenz weiterhin ENSO-neutrale Bedingungen bestehen bleiben.
Der Zeitraum November bis Januar ist für ENSO-Prognosen besonders relevant, da El Niño- und La Niña-Ereignisse typischerweise in dieser Winterphase der Nordhemisphäre ihre maximale Intensität erreichen und die atmosphärisch-ozeanische Kopplung dort am stabilsten ausgeprägt ist.
Entsprechend beziehen sich Intensitätsszenarien in den Modellen auf genau dieses „Peak-Fenster“, in dem Unsicherheiten zur Stärke am sinnvollsten vergleichbar dargestellt werden können.
Wichtig ist dabei, dass diese Werte die Streuung der Modelllösungen innerhalb des Prognoseensembles beschreiben und keine fest determinierte Aufteilung der zukünftigen realen Entwicklung darstellen.
RONI-Warum neue Messmethoden verwendet werden
RONI ist ein von der NOAA eingeführter ENSO-Index, der offiziell ab 2026 den klassischen ONI (Oceanic Niño Index: Index zur Messung der Abweichung der Meeresoberflächentemperatur in der Niño-3.4-Region vom klimatologischen Mittelwert) im operativen Monitoring ergänzt bzw. ersetzt und eine robustere, weniger klimatologisch verzerrte Bewertung von El Niño und La Niña ermöglicht.
Der Index berücksichtigt die durchschnittliche Erwärmung der Tropen und isoliert so besser die tatsächlich relevante Temperaturabweichung im Pazifik.
Dies verbessert insbesondere die Vergleichbarkeit historischer Ereignisse und die Aussagekraft in Bezug auf Niederschlags- und Zirkulationsmuster.
#ENSO-neutral conditions are present and are favored through April-June 2026 (80% chance). In May-July 2026, El Niño is likely to emerge (61% chance) and persist through at least the end of 2026. (1/2) https://t.co/5zlzaZ0D9Z pic.twitter.com/t9XSRB7xFZ
— NWS Climate Prediction Center (@NWSCPC) April 9, 2026
Der wissenschaftliche Kern: Wahrscheinlichkeit statt Determinismus! Medien-Fail nicht unmöglich!
ENSO-Prognosen basieren grundsätzlich auf Ensemble-Modellen, die eine Vielzahl möglicher Entwicklungen simulieren. Diese liefern keine deterministischen Vorhersagen, sondern Wahrscheinlichkeitsräume.
Wenn einzelne Modellpfade oder Extremszenarien aus diesem Spektrum herausgegriffen werden, kann daraus leicht ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Prognoseunsicherheit entstehen.
Glaubwürdigkeitsverlust und Ablehnungen von wissenschaftliche Erkenntnissen innerhalb der Gesellschaft können die Folge solcher Schlagzeilen sein. Die Autorin plädiert von daher für mehr faktenbezogene Sachlichkeit als 'clickstarke' Headlines.
Quelle
National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), Climate Prediction Center (CPC): Public Information Statement 26-05 sowie ENSO Diagnostic Discussion und probabilistische ENSO-Prognosen, April 2026.
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