Experte sicher: „Wer denkt, der Winter fällt aus, wird böse überrascht“ – Rekord-El-Niño stellt alles auf den Kopf
Hochsommer im Herbst, und im Pazifik brodelt ein Rekord-El-Niño. Ich erkläre Ihnen, warum uns ein Achterbahn-Winter droht: Schnee, Glätte, dann wieder mild und stürmisch.

Das gibt es wirklich nicht alle Jahre: Ende September dreht der Sommer noch einmal voll auf. Am Wochenende und zum Wochenstart klettern die Temperaturen im Süden und Südwesten auf 27 bis 30 Grad, rund um den Oberrhein halte ich sogar 31 oder 32 Grad für möglich. Normal wären um diese Jahreszeit gerade mal um die 20 Grad.
Ein Hitzetag so spät im Jahr hat echten Seltenheitswert, das erlebt man nicht oft. Entsprechend häufig werde ich gerade gefragt: Steckt da etwa schon der gewaltige El Niño dahinter, von dem im Moment alle reden?
El Niño ist nicht schuld am Spätsommer
Die ehrliche Antwort lautet: nein, zumindest nicht direkt. Der aktuelle Wärmeschub ist eine klassische Südwestlage. Ein kräftiges Hoch liegt über Mitteleuropa, draußen auf dem Atlantik wirbelt ein Sturmtief, und genau dazwischen wird warme Luft aus Südwesteuropa zu uns gepumpt.
El Niño spielt sich im Pazifik ab, also weit weg, und auf unser Herbstwetter hat er nur einen schwachen Einfluss. Beim großen Bild sieht es allerdings anders aus: Die Erde heizt sich ohnehin auf, und El Niño legt noch eine Extra-Schippe Wärme obendrauf. Das spüren wir am Ende eben doch, zum Beispiel über die aufgeheizten Meere.
Rekord-Alarm im Pazifik
Was sich da gerade im tropischen Pazifik zusammenbraut, ist wirklich außergewöhnlich. Das Oberflächenwasser war Mitte September zeitweise um mehr als drei Grad wärmer als normal. Die Modelle sind sich einig, dass das Ganze bis zum Jahresende noch stärker wird.
Wir sprechen hier von einem echten Super-El-Niño, womöglich dem stärksten seit Beginn der Messungen. Er könnte sogar die legendären Ereignisse von 1997/98 und 2015/16 übertreffen. Den Höhepunkt erwarte ich im Spätherbst und Frühwinter, auswirken dürfte er sich bis ins Frühjahr 2027 hinein.
So tickt ein El-Niño-Winter bei uns
In Europa ist das Signal deutlich schwächer als in Amerika, ein paar Muster tauchen aber immer wieder auf. Der Frühwinter läuft häufig mild und windig ab, mit stürmischen Westwetterlagen. Später kann der Polarwirbel ins Straucheln geraten, und dann schwappt plötzlich Kaltluft zu uns. Ein gutes Beispiel ist der El-Niño-Winter 2023/24: Anfang Dezember versank München im Schneechaos, der Flughafen machte dicht, die Bahn stand still.

Mitte Januar folgte dann noch ein heftiges Glatteis-Chaos, dazwischen gab es aber Wochen mit 10 bis 15 Grad und kräftigen Sturmböen. Unterm Strich war es einer der mildesten Winter überhaupt. Genau das ist für mich das typische Muster: insgesamt zu mild, aber mittendrin ein paar richtig knackige Chaostage.
Schnee, Glätte und dann wieder Frühling im Januar
Für den kommenden Winter heißt das: Achterbahnfahrt! Wenn kalte Luft aus dem Norden auf feuchte und milde Atlantikluft trifft, wird es besonders heikel. Genau an dieser Grenze gibt es die heftigsten Schneefälle oder auch gefrierenden Regen. Wenige Tage später kann schon wieder Tauwetter einsetzen, begleitet von Sturmböen mit 80 bis 100 km/h.
Einen Dauerwinter mit wochenlanger Schneedecke im Flachland halte ich für eher unwahrscheinlich. Einzelne Tage oder auch mal eine ganze Woche mit richtigem Winterchaos sind aber absolut drin. Und die Weihnachtsfeiertage? Die dürften nach heutigem Stand eher grün als weiß werden.
Jetzt Sommer genießen, im Winter gewappnet sein
Klar ist aber auch: Solche Langfrist-Trends sind Tendenzen und keine Garantie. Für die nächsten Tage heißt es erst einmal, das Sommer-Comeback zu genießen! Denken Sie aber an eine Jacke, denn morgens liegen die Werte oft nur bei 8 bis 12 Grad. Auch der Oktober startet ungewöhnlich warm, erst danach deutet sich eine Umstellung an.
Trotzdem rate ich Ihnen, nicht zu lange mit den Winterreifen zu warten und die Schneeschaufel schon mal griffbereit zu stellen. Denn eines sage ich ganz klar: Wer im November denkt, der Winter fällt dieses Jahr aus, wird im Dezember womöglich böse überrascht.