„Diesmal glaube ich es selbst!" Wetterexperte über Mega-El-Niño – stärkster seit 100 Jahren erwartet
Ich warne bei El-Niño-Schlagzeilen sonst regelmäßig zur Vorsicht. Diesmal nicht. Was sich im Pazifik zusammenbraut, ist der stärkste Klima-Hammer seit Jahrzehnten – und er trifft auch unseren Sommer mit voller Wucht.

Seit Jahren regen sich bei mir die Nackenhaare, wenn ich irgendwo „Super-El-Niño!" in einer Überschrift lese. Meistens ist das Rauschen im Blätterwald weit dramatischer als das, was am Ende wirklich passiert. Diesmal allerdings schaue ich selbst mit offenem Mund auf die Daten.
Denn was das europäische Wettermodell ECMWF gerade ausspuckt, ist keine Wetterkapriole mehr – das ist ein Klima-Schalter, der auf „an" gekippt wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich im Sommer oder Herbst 2026 ein waschechter Super-El-Niño im tropischen Pazifik aufbaut, ist zuletzt massiv gestiegen. Und manche Modelle rechnen sogar damit, dass dieser der stärkste seit rund hundert Jahren werden könnte.
Was passiert da eigentlich im Pazifik?
Vereinfacht gesagt: Normalerweise schieben Passatwinde warmes Meerwasser vom amerikanischen Kontinent weg Richtung Asien. Erlahmen diese Winde – oder drehen sogar um, wie aktuell – schwappt die aufgestaute Wärme zurück Richtung Südamerika.
Genau das beobachten wir seit Wochen: gigantische Mengen ungewöhnlich warmen Wassers bewegen sich unter der Meeresoberfläche ostwärts. Das ist der Treibsatz für das, was kommt. Und weil wir aus einer schwachen La-Niña-Phase heraus in dieses Muster rutschen, holt das Klima-System jetzt quasi Versäumtes mit voller Wucht nach.
Das bedeutet er für Deutschland
Jetzt wird's konkret für uns. Ein Super-El-Niño erhitzt zunächst vor allem den Pazifik-Raum, schickt aber innerhalb weniger Monate seine Wellen bis zu uns. Rechnen Sie mit einem Sommer, in dem die Hitze-Peaks neue Marken knacken – und gleichzeitig mit abrupten Unwetter-Lagen, weil mehr Energie in der Atmosphäre steckt.
Der Herbst dürfte deutlich gedreht ausfallen: milder, nasser, stürmischer. Und der Winter 2026/27? Den schreibe ich ungern vorher fest, aber El-Niño-Winter fallen in Mitteleuropa fast immer milder und wechselhafter aus als normale Jahre. Der Skiurlauber wird fluchen, die Heizkosten atmen auf.
Warum dieser Hammer anders ist
Das Entscheidende ist nicht der El-Niño allein. Es ist die Kombination. Wir starten bereits auf einem historisch nie dagewesenen Temperaturniveau – die 1,5-Grad-Schwelle ist global längst gerissen.
Wenn sich darauf jetzt ein Super-El-Niño setzt, wird er nicht nur „heiß", er wird auf einem ohnehin überhitzten Planeten wirken. Die Wahrscheinlichkeit, dass 2026 oder 2027 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen wird, ist nach heutiger Datenlage quasi eingepreist.
Mein Rat: Ruhe bewahren – aber hinschauen
Keine Panik, bitte. Ein Super-El-Niño ist kein Weltuntergang, er ist ein natürliches Klimamuster, das der Mensch mit seiner Emissions-Last nur kräftig aufpumpt. Aber er ist auch kein Grund, sich zurückzulehnen. Wer jetzt einen Sommerurlaub im Mittelmeerraum plant, sollte Hitze-Pausen einkalkulieren.
Wer die alte Klimaanlage im Keller stehen hat, bringt sie jetzt zum Fachmann. Und wer weiter ruhig schläft, weil er denkt, das Ganze spiele sich schon irgendwo weit weg ab – der wird sich im August und September noch wundern. Ich bleibe für Sie dran.
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