Meteorologe Habermehl erschrocken: „Musste zweimal hinsehen" – was zum 1. Mai droht

Hoch „Uli" pumpt derzeit eisige Polarluft direkt aus der Arktis nach Deutschland – doch das ist erst der Anfang. Pünktlich zum langen Mai-Wochenende drohen Tiefstwerte, die selbst erfahrene Wetterforscher staunen lassen.
Die Wetterküche brodelt – und das Drehbuch für die kommenden Tage wird alle sechs Stunden neu geschrieben. Aktuell thront ein Hochdruckriese namens „Uli" über Island, mit einem Kerndruck von deutlich über 1040 Hektopascal. Ein echtes Schwergewicht.
Im Uhrzeigersinn schaufelt er eisige Luftmassen direkt aus der Spitzbergen-Region über die Nordsee nach Mitteleuropa. Die Nächte sind schon jetzt empfindlich kalt, in weiten Teilen Deutschlands muss verbreitet mit leichtem Frost gerechnet werden. Und das ist erst die Ouvertüre.
Geht „Uli" vor dem Feiertag die Puste aus?
Die große Frage: Hält „Uli" bis zum 1. Mai durch? Oder kippt die Wetterlage noch komplett? Die Rechenmodelle springen wie Pingpong-Bälle hin und her. Eine Variante zeigt ein mächtiges Omega-Hoch über Mitteleuropa mit frühsommerlichen 24 Grad und Sonne satt. Die andere, aktuell mit wachsenden Chancen: Ein sogenannter Kaltlufttropfen schnürt sich zwischen Skandinavien und Osteuropa ab und nimmt direkten Kurs auf Deutschland. Tritt das ein, wird aus dem Maifeiertag ein echter Zitter-Feiertag.

Dieser Fiesling ist der Schlüssel
Ein Kaltlufttropfen ist meteorologisch ein kleines Biest: ein abgekapseltes Höhentief voller Polarluft, das sich losgelöst von der großen Strömung durch Europa treibt – und genau deshalb so schwer zu berechnen ist. Ein paar hundert Kilometer weiter westlich oder östlich entscheiden über Frühsommer oder Frostschock. Ich muss ganz ehrlich sein: Als ich den GFS-Lauf heute Morgen gesehen habe, musste ich zweimal hinsehen.
Die Zahlen, die jeder Hobbygärtner fürchtet
Dann drohen am frühen Morgen des 1. Mai verbreitet Tiefstwerte um minus 4 Grad – gemessen in zwei Metern Höhe. Direkt am Erdboden, wo die Pflanzen stehen, stürzen die Werte sogar auf minus 6 bis minus 7 Grad. Ein richtiger Frostschock, wie er Anfang Mai statistisch nur alle paar Jahre vorkommt. Nicht rekordverdächtig, aber knackig genug, um massiv Schaden anzurichten.
Warum es diesmal richtig weh tut
Durch den Klimawandel ist der Vegetationsbeginn in den letzten Jahrzehnten deutlich nach vorne gerutscht. Die Apfelblüte startet heute rund elf Tage früher als noch vor 30 Jahren.
Die Natur steht voll im Saft – und genau das wird ihr zum Verhängnis. Wenn jetzt minus 7 Grad am Boden zuschlagen, reden wir nicht über eine unangenehme Frühlingsnacht, sondern über Totalschäden bei Obstblüten, Weinreben und frisch gesetztem Gemüse. Tomaten, Gurken, Paprika? Chancenlos. Die Obstbauern in Franken, an der Bergstraße und am Bodensee werden in diesen Nächten kaum ein Auge zutun.
Mein Rat: Decken und Vlies griffbereit halten
Wer sein Gemüse schon vorgezogen hat, lässt die Pflänzchen bitte noch drinnen oder stellt sie griffbereit unter Dach. Decken, Vlies und auch alte Bettlaken gehören jetzt in die erste Reihe.
Die klassischen Eisheiligen mit Mamertus, Pankraz & Co. kommen eigentlich erst zwischen dem 11. und 15. Mai – doch in diesem Jahr könnten sie ihren Auftritt deutlich vorverlegen. Ob das Kälte-Szenario tatsächlich eintritt, entscheidet sich in den nächsten 48 bis 72 Stunden. Ich bleibe für Sie dran.
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