Wunschzettel am Pomeranzenbaum und ein Spanferkelröster für die Krippe

Nicht die fierberhafte Suche nach Geschenken bestimmt das Leben in dieser südspanischen Stadt im Advent. Vielmehr besteht die Vorweihnachtszeit hier aus einer langen Folge von Festessen.

Funkelnde Festbeleuchtung vor Sevillas Rathaus. Foto: Adobe Stock
Funkelnde Festbeleuchtung vor Sevillas Rathaus. Foto: Adobe Stock

Es beginnt ganz harmlos mit ein paar Tapas: Käse aus der Mancha in Olivenöl, Kartoffelsalat mit Thunfisch, Tintenfisch mit Paprika und Aubergine. Dann folgt Arroz Caldoso, Reis in Brühe mit Hummer.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt - der Fleischgang ist noch nicht serviert, das Dessert nur eine Ahnung - wird klar, dass der Advent in Sevilla nicht im Wortsinn als Fastenzeit interpretiert wird. Im Gegenteil.

Die Vorfreude aufs Fest entlädt sich hier in einer raschen Folge von Weihnachtsessen mit Familie, Freunden und Kollegen. Strömen die Menschen anderswo in die Innenstädte, um Geschenke zu kaufen, drängen sie sich hier auf dem Weg zum Essen.

Geschenke gibt's erst am Dreikönigstag

Ohnehin spüren die Menschen in Spanien im Dezember beim Gedanken an Geschenke noch keine Nervosität. Denn die werden erst am Dreikönigstag überreicht.

Doch Vorbereitungen sind auch hier zu erledigen. So suchen die Sevillaner auf dem Markt neben der Kathedrale nach Ergänzungen für ihre Krippen.

Wirtshaustisch und Metzgerei für die Krippe

Hier gibt es Jesuskinder aller Haut- und Haarfarben zu kaufen. Aber auch jede Menge Details: Ein Spanferkelröster könnte die Krippe verschönern, ein Herrengrüppchen am Wirtshaustisch oder eine Metzgerei mit Wurst und Schinken.

Inspiration geben auch die Krippenlandschaften, die in jeder größeren Kirche der Stadt und im Rathaus aufgebaut sind.

In diesen Tagen hängen Schulkinder ihre Wunschzettel in die Pomeranzenbäume im Garten des Königspalasts Alcázar. Die Wunschzettel hängen zwischen reifen Orangen, von denen ab und zu eine zu Boden fällt und platzt.

Zu Recht ist die andalusische Metropole berühmt für ihre Weihnachtslichter. Foto: Adobe Stock
Zu Recht ist die andalusische Metropole berühmt für ihre Weihnachtslichter. Foto: Adobe Stock

Probieren sollte man diese Früchte nicht: Es sind Bitterorangen, die nach der Ernte im Januar vor allem nach England exportiert und zu Marmelade verarbeitet werden.

Glyzinien, Jasmin, hohe Palmen und Pfauen bilden im Alcázar eine unwiderstehliche Adventskulisse. Dank des milden Klimas gedeihen auch Palmen, Würgefeigen und zarte Magnolien bestens.

Den Alcázar schmücken blühende Christsterne

In der Vorweihnachtszeit ist der Alcázar, bis heute offizielle Residenz der spanischen Königsfamilie, nur wenig besucht. Eine Million Menschen flanieren im Jahr durch die Gemächer; an den kurzen sonnigen Tagen des Dezembers sind es nur einige Dutzend.

Dafür ist der Palast, in dem Columbus ein Büro für die Planung seiner zweiten Amerika-Reise besaß, nun mit rot blühenden Christsternen geschmückt.

Festessen begleiten auch das Weihnachtsfest. An Heiligabend werden nach den Tapas iberischer Schinken, Meeresfrüchte, Pute und Lendensteaks aufgefahren. Am ersten Feiertag gibt es zu den Resten „Sopa de Picadillo" - eine Hühnersuppe, die den Magen beruhigt. Serrano-Schinken verleiht ihr Aroma, Brotstücke Substanz.