Ostfriesische Ostern: Kennen Sie diesen feurigen Frühlingsbrauch?
Die ersten Frühlingstage an der Nordsee sind frisch und reizvoll. Auf dieser autofreien Insel mit weißem, nahezu endlosen Strand wird es jetzt besonders angenehm - wenn das Wetter mitspielt.

Hochbetrieb regelt sich auf dieser Insel von selbst. Deshalb käme selbst in der Hochsaison auf Juist niemand auf die Idee, sich früh am Tag mit Handtüchern einen Platz am Strand zu reservieren. Das ist schlicht nicht nötig. Die bunten Strandkörbe, von denen jetzt die ersten für sonnige Ostertage aufgestellt werden, sind am riesigen Strand Juists schon nach kurzer Wanderung kaum noch zu erkennen.
Barfußlaufen an frühen Frühlingstagen
Wenn alles gut geht, steht an den ersten magischen Frühlingstagen sogar der Wind still. Dann gilt: Schuhe abstreifen, die Füße ins kalte Wasser halten und die Barfußsaison einläuten.
Weil sich das Wetter schnell ändert, sind Rückfälle in längst abgehakte Spätwintertage trotzdem noch möglich. Dann versinkt der Strand plötzlich im Nebel, und die Angler am Spülsaum erkennt man erst, wenn man sie schon fast umrennt.
Osterfriesische Osterfeuer vertreiben den Winter
Doch häufig bringt das Osterfest helles Frühlingswetter. Am Abend des Karsamstags werden große Osterfeuer entzündet, eines am Hafen, das andere im Loog, der westlichen Siedlung auf Juist. Mit ihnen wird der Winter - repräsentiert durch eine Strohfigur - offiziell vertrieben. Und weil mit dem Ende der kalten Jahreszeit die Grillsaison beginnt, wird dabei auch gleich angegrillt.
Anderntags zieren in Pensionen und Hotels Ostereier den Frühstückstisch, Kirchenglocken bimmeln, die Sonne scheint eine halbe Inselumrundung geradezu herauszufordern. Zu Fuß geht es am Watt entlang, bis das Loog erreicht ist.
Dort ist das Inselmuseum zu finden. Es versammelt Exponate zu Seerettung, Küstenschutz, Strandräuberei – noch in den siebziger Jahren wurde ein bei stürmischer See gestrandetes Schiff binnen einer Nacht von Insulanern und Gästen buchstäblich ausgeschlachtet - und erzählt die Geschichte des Badebetriebs auf den Ostfriesischen Inseln.
Watt, Salzwiesen und ein See
Hinter dem Loog beginnt die Ruhezone des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer, wo Passanten zum Schutz von Tieren und Pflanzen auf den Wegen bleiben müssen. Links liegt jenseits der Salzwiesen das Watt, rechts hinter Dünen der Hammersee, eine Erinnerung an die Sturmflut von 1651, die die Insel an dieser Stelle – wo sich das Dorf befunden hatte - teilte.

Zurück blieb eine Rinne, die an beiden Seiten durch künstlich angelegte Dünen abgesichert wurde. Zwischen ihnen blieb Wasser stehen, das eine Sturmflut angespült hatte. Regen und Grundwasser süßten es, und so verfügt Juist heute über einen See zwischen Watt und Meer.
Dank der ungewöhnlichen Form der Insel – bei 17 Kilometern Länge misst sie in der Breite nur rund 500 Meter – lässt sich das ganze hübsche Stück Ostfriesland von einer Aussichtsdüne auf einmal überblicken.