Elf Kilometer von Venezuela entfernt wurde der Sound der Karibik geboren

Die große Schwester der für ihre Strände geliebten Insel Tobago besitzt weniger weißen Sand, hat aber mit Regenwald und Karneval ihren ganz eigenen Reiz. Dazu hat sie der Menschheit Calypso und Soca beschert.

Trinidad besitzt auch Prachtstrände wie hier in der Maracas Bay. Foto: Richard Semik/Adobe Stock
Trinidad besitzt auch Prachtstrände wie hier in der Maracas Bay. Foto: Richard Semik/Adobe Stock

Als Geburtsort der Steelpan, von der sich mehrere zum unvergleichlichen Sound einer Steelband verbinden, und dazu des Calypso ist Trinidad ein Ort, für dessen Existenz man nicht dankbar genug sein kann. Zudem entwickelte sich hier und auf Tobago der Soca.

Mit mehr als 4800 Quadratkilometern Fläche im Vergleich zu Tobagos 300 ist Trinidad nicht nur die große Schwester im Zwei-Insel-Staat, sondern auch die größte Insel der Kleinen Antillen. Gerade mal elf Kilometer trennen sie vom Festland Venezuelas, mit dem sie vor Urzeiten verbunden war. Entsprechend kompliziert ist die Lage des Inselstaats. Denn er ist mit den USA eng verbunden, was der nahe Nachbar nicht erst seit dem Überfall der USA auf Venezuela mit Misstrauen betrachtet.

Artenvielfalt im Regenwald

Trinidad ist - noch - ein Natur-Tresor mit Regenwald und außergewöhnlicher Artenvielfalt. Zur reichen Fauna gehören 45 Schlangen- und 433 Vogelarten. Zu den Letzteren zählt ein sehr seltener Nachtvogel mit dem etwas unglücklichen Namen Fettschwalm oder Guáchara.

Seinen Namen soll Trinidad dem Kolibri verdanken, der in der Sprache der Ureinwohner Yerettê heißt. Dieser hübsche kleine Vogel ist ein wichtiger Bestandteil des ökologischen Gleichgewichts des Regenwalds. Doch setzt ihm die Verwendung von Pestiziden in der Landwirtschaft zu.

Vielvölkerinsel mit explosivem Karneval

Während die kleine Schwester Tobago friedlich und verschlafen ist, besitzt die Vielvölkerinsel Trinidad mit Port-of-Spain eine veritable Stadt. Zwar leben im Zentrum weniger als 50.000 Menschen, doch der Großraum kommt auf eine halbe Million.

Dass der seit 1962 unabhängige Staat durch Öl- und Gasvorkommen zu einem der wohlhabendsten Länder der Karibik geworden ist, ist der Hauptstadt Port-of-Spain nicht überall anzusehen. Die Reihe der „Magnificent Seven“, sieben stolzer Paläste aus englischen Kolonialtagen an der Westseite des Savannah Park, und die Villen von Botschaften und Konsulaten vor allem im Stadtteil St. Clair bilden die architektonischen Glanzpunkte.

Zugleich beweisen von Bandenkriminalität geplagte Viertel, dass Armut und Drogen ein Klima geschaffen haben, das außer einem explosiven Karneval auch Probleme hervorbringt.

In der Nacht zum Rosenmontag wird die Straßenparty J'Ouvert gefeiert, bei der sich die Hauptstadt in eine Partyzone verwandelt wird, bei der jeder mit bunten Farben besprüht wird. Weiterer Höhepunkt ist der Carnival Road March, ein Musikwettbewerb, der am Karnevalsdienstag ausgetragen wird.

Kaffeeplantage im Regenwald

Die Gäste aus Tobago erleben Trinidad im Schnelldurchlauf. Sie fahren zum „Asa Wright Nature Center“, einer Kombination aus Forschungseinrichtung und Hotel, wo sie auf der Terrasse des Herrenhauses einer alten Kaffeeplantage im Regenwald Kolibris und Tukane beobachten, brausen durch die Hauptstadt und betrachten vor Sonnenuntergang in den Caroni-Sümpfen die Heimkehr der Roten Ibisse zu ihren Schlafstätten. Wie rote Wolken ziehen sie über die Mangroven hinweg.