Adieu Tristesse: An der Côte d’Azur beginnt jetzt die womöglich schönste Zeit des Jahres
Ein Himmel wie Seide, gelb blühende Mimosen und der Beginn des Karnevals in Nizza am 11. Februar machen den Vorfrühling an der französischen Riviera zu einem ersten Höhepunkt des Jahres.

Vor 100 Jahren galt es als absurd, im Sommer an die französische Riviera zu fahren. Man reiste im Winter her, um den Widrigkeiten des mittel- oder osteuropäischen Regen- und Schnee-Einerleis zu entfliehen.
„Vor dem Bahnhof in Cannes schliefen ein Dutzend Kutscher in ihren Droschken. Gegenüber auf der Promenade kehrten das Casino, die eleganten Läden und die großen Hotels der sommerlichen See blinde, eiserne Masken zu. Es war unvorstellbar, dass es einmal eine „Saison“ gegeben haben sollte...“
So beschrieb der Schriftsteller F. Scott Fitzgerald im Roman „Zärtlich ist die Nacht“ die damals alljährlich im Frühling beginnende Tristesse an der französischen Riviera.In Nizza war das kaum anders als in Cannes.
Mimosenblüte, Blumenparaden und Karneval
Obwohl die Saisondaten sich seitdem ins Gegenteil verkehrt haben, gilt noch immer: Es ist wenig los im Frühling. Anfang Februar kommen die ersten Gäste zur gelben Mimosenblüte. Zum Karneval in Nizza, der in diesem Jahr am 11. Februar beginnt, wird es lebhafter. Mit Blumenparaden am 18., 21., 25. und 28. Februar dauert der Karneval bis zum 1. März.
Bis Mai herrscht dann relative Ruhe, bevor mit dem Film-Festival in Cannes der Rummel ernsthaft beginnt. Was dereinst Maler und Schriftsteller hierhertrieb, kann man dann schon nicht mehr genießen: Luft wie Seide, strahlend helle Sonne, wie sie weiter nördlich erst im Sommer zu sehen ist, und freie Platzwahl im Café.
Frühlingslicht in Europas einstiger Winterhauptstadt
Nizza, einst die Winterhauptstadt Europas, liegt so ruhig in der Frühlingssonne, wie das einer Stadt mit rund 400.000 Einwohnern möglich ist. Auf der Promenade des Anglais flanieren Paare, Skater sausen vorbei, am Strand sitzen ein paar Sonnenhungrige. Besonders Wagemutige springen ins Meer. Einheimische nehmen zum Mittagessen zwar draußen Platz, wappnen sich gegen die 18 Grad der letzten Wintertage aber mit Rollkragenpullovern und Steppjacken.
Im Stadtteil Cimiez ist der Glanz der Belle Époque erhalten – vor allem früh im Jahr, wenn der Blick über die Dächer von Nizza noch nicht durch Autokolonnen im Tal getrübt wird. Die Villen und das 1897 für Queen Victoria erbaute Winterpalais Régina hinterm Bouleplatz stammen aus der Zeit, als sich hier im Winter Europas Adel traf.
Später wurde der Palais Régina vom königlichen Einfamilienhaus zur Apartmentanlage umgebaut, in der sich 1947 auch der Maler Henri Matisse niederließ.
Besuch beim Maler Henri Matisse
Ganz in der Nähe thront ein Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, in dem man dem Maler heute näher ist als im Régina: das Matisse-Museum. Matisse und später seine Erben schenkten dem Museum einen großen Teil seines Werks, damit die Villa, in der 300 Jahre zuvor ein Konsul aus Nizza residiert hatte, erhalten werden konnte.
Fast alle der Skulpturen Matisses, 180 Zeichnungen und Skizzen sowie 130 Gravuren und 30 Ölgemälde gehören zur Sammlung, die eindrucksvoll beweist, wie sehr ihn die mediterrane Umgebung inspirierte.