Salzwasserriesen auf Reisen: Wie Leistenkrokodile tausende Kilometer über den Indischen Ozean schwammen
Leistenkrokodile haben einst tausende Kilometer offenen Ozeans überwunden. Eine neue Genanalyse zeichnet nun ihre Wanderung nach und klärt die Identität der Seychellen-Krokodile. Deren Abstammung hatte der Forschung lange Zeit Rätsel aufgegeben.

Als europäische Seefahrer die Seychellen im 18. Jahrhundert erreichten, waren Krokodile ein vertrauter Anblick an den Küsten der Inseln. Aus zeitgenössischen Berichten geht hervor, dass die Tiere häufig anzutreffen waren. Mit der dauerhaften Besiedlung ab 1770 änderte sich das jedoch dramatisch. Innerhalb von rund 50 Jahren wurden die Krokodile systematisch verfolgt und schließlich vollständig ausgerottet.
Über die zoologische Identität der Seychellen-Krokodile herrschte lange Unsicherheit. Erhalten geblieben sind nur wenige Schädelreste in europäischen Museen. Je nach Untersuchung wurden sie dem Nilkrokodil oder dem Leistenkrokodil zugeordnet. Die wenigen Merkmale ließen jedoch keine verlässliche Bestimmung zu, und erst mit modernen genetischen Methoden konnte die Abstammung geklärt werden.
Meister maritimer Anpassung
Ein internationales Forschungsteam analysierte genetische Daten historischer Museumsexemplare sowie heutiger Krokodile aus dem gesamten Verbreitungsgebiet. Darunter befand sich auch die DNA des vor etwa 200 Jahren ausgestorbenen Seychellen-Krokodils. Auf diese Weise ist die bisher umfassendste Stammesgeschichte der Gattung Crocodylus entstanden.
– Frank Glaw, Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns
Das wichtigste Ergebnis der in Royal Society Open Science veröffentlichten Studie: Die Seychellen-Tiere gehörten eindeutig zum Leistenkrokodil (Crocodylus porosus) und bildeten dessen westlichste bekannte Population.

Leistenkrokodile sind unter allen heute lebenden Krokodilen am besten an das Leben im Meer angepasst. Spezielle Salzdrüsen erlauben es ihnen, überschüssiges Salz auszuscheiden, wodurch die Tiere lange Zeit im Salzwasser überleben und weite Strecken im offenen Ozean zurücklegen konnten.
Enge genetische Verbindungen
Die Genanalysen zeigen, dass die Bestände der Art lange vernetzt waren. Klare geografische Trennlinien fehlen weitestgehend.
– Stefanie Agne, Universität Potsdam, Erstautorin
Vor der Ausrottung der Art auf den Seychellen reichte das Verbreitungsgebiet in Ost-West-Richtung über rund 12.000 Kilometer, vom Pazifik bis in den westlichen Indischen Ozean.

Indem sie zeigt, dass die Seychellen-Krokodile vom damals weit verbreiteten Leistenkrokodil abstammen, löst die Studie einerseits ein historisches Rätsel. Beim Artenschutz stellt sie außerdem starre Unterarten-Konzepte infrage und zeigt, dass Bestände immer auch genetisch vernetzt sind. Zugleich erinnert sie daran, wie schnell auch weit verbreitete Arten verschwinden können – so wie einst die Krokodile der Seychellen.
Quellenhinweis:
Agne, S., Arnold, P., Belle, B., Straube, N., Hofreiter, M., Glaw, F. (2026): Mitogenomic Crocodylia phylogeny and population structure of Crocodylus porosus including the extinct Seychelles crocodile. Royal Society Open Science, 13, 251546.