Spiegel im Weltraum zur Energiegewinnung rund um die Uhr: Das Projekt, das Sie blenden könnte
Das künftige Projekt von Reflect Orbital könnte ein Risiko für unsere Gesundheit darstellen und zudem potenziell erhebliche Auswirkungen auf unseren Nachthimmel haben.

Ein US-Start-up plant den Einsatz von „Spiegelsatelliten“, die Sonnenlicht reflektieren und auf einen bestimmten Punkt auf der Erdoberfläche bündeln können – ein ehrgeiziges Projekt, das nicht ohne potenzielle Risiken für die menschliche Gesundheit ist.
Zehntausende Reflektoren!
Die Solarenergie verbreitet sich weltweit rasant, und ihre Effizienz verbessert sich kontinuierlich. Allerdings scheint die Sonne auf dem größten Teil der Erde nicht 24 Stunden am Tag, obwohl ihre Strahlen potenziell nicht nur zur Energiegewinnung, sondern auch für andere Zwecke genutzt werden könnten.
Vor diesem Hintergrund kam ein US-Start-up auf eine ungewöhnliche, aber innovative Idee: Satelliten einzusetzen, die als Spiegel fungieren, um Sonnenlicht zu reflektieren und es auf einen bestimmten Bereich der Erdoberfläche zu lenken. Reflect Orbital erhielt kürzlich von der FCC, der US-Telekommunikationsaufsichtsbehörde, die Genehmigung, seinen ersten Testsatelliten mit einem 18 Quadratmeter großen Spiegel in die Umlaufbahn zu bringen.
[ UNITED STATES | SPACE ]
— Little Think Tank (@L_ThinkTank) July 17, 2026
U.S. startup Reflect Orbital plans to launch Eärendil-1, an experimental satellite equipped with an 18-meter mirror capable of reflecting sunlight toward Earth at night. The stated goal is to provide illumination
Das oberste Ziel des in Kalifornien ansässigen Start-ups ist es, eine Konstellation aus 50.000 Satelliten zu errichten, um einen Lichtstrahl mit einem Durchmesser von fünf Kilometern zu erzeugen, der Solarparks rund um die Uhr mit Strom versorgen oder Baustellen nachts beleuchten könnte. Auch private Anwendungsmöglichkeiten werden in Betracht gezogen.
Auch wenn diese Technologie vielversprechend erscheint, ist sie nicht ohne Risiken. Innerhalb des beleuchteten Bereichs könnte die Helligkeit bis zum Vierfachen der Helligkeit des Vollmonds erreichen, und diese Satelliten könnten durch atmosphärische Streuung sogar die Gesamthelligkeit des Nachthimmels weltweit erhöhen. Andere, unmittelbarere Folgen könnten ebenfalls Risiken für die menschliche Gesundheit mit sich bringen.
Eine Gefahr für unser Sehvermögen?
Das Thema war kürzlich im Zusammenhang mit der Sonnenfinsternis vom 12. August in Europa in den Nachrichten: Der direkte Blick in die Sonne kann zu irreversiblen Augenschäden unterschiedlichen Schweregrades führen. Doch auch das von einem verspiegelten Satelliten reflektierte Sonnenlicht könnte potenziell gefährlich sein.
Im Februar 1993 brachte das russische Experiment „Znamya 2“ einen riesigen Spiegel in die Umlaufbahn, der das Sonnenlicht zurück zur Erde reflektieren sollte. Zu diesem Zeitpunkt waren die potenziell gefährlichen Auswirkungen einer starken Lichteinwirkung auf die Netzhaut in der wissenschaftlichen Literatur bereits umfassend dokumentiert.
Es lassen sich daher leicht Parallelen zwischen diesem vor mehr als 30 Jahren durchgeführten Experiment und dem „Reflect Orbital“-Projekt ziehen. Bei einer wesentlich größeren Anzahl von Spiegeln könnte das Risiko einer plötzlichen Blendung für Menschen am Boden oder in der Luft erheblich werden. Was würde beispielsweise passieren, wenn ein Flugzeugpilot durch die Blendung vorübergehend geblendet würde?
Das US-Start-up räumte selbst ein, dass bereits das einfache Durchschauen eines 30 Zentimeter großen Amateurteleskops zu irreversiblen Netzhautschäden führen könne – ein Eingeständnis, das verständlicherweise sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der wissenschaftlichen Gemeinschaft Besorgnis auslöste. Nach Ansicht einiger Forscher könnte dieses Risiko sogar bei kleineren Geräten bestehen.
Ein weiteres Problem besteht darin, dass es derzeit kein öffentliches Warnsystem gibt, das im Voraus darüber informiert, wann der Strahl über den Ort hinwegziehen wird. Die FCC kam zu diesem Zeitpunkt zu dem Schluss, dass Fragen im Zusammenhang mit der Augensicherheit und dem Schutz des Nachthimmels bei der Erteilung der Genehmigung nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fielen.
Artikelreferenz
Alexandre Scotti. (2026). Mirrors on satellites to power solar panels 24/7: they could damage your retina, yet the project has already been approved.