Hat eine Neutronenstern-Kollision einen neuen Magnetar hervorgebracht? Minutenlanges Röntgenleuchten gibt Rätsel auf

Ein rätselhaftes Röntgensignal nach einem nur 0,4 Sekunden dauernden Gammablitz deutet auf eine ungewöhnliche Neutronenstern-Verschmelzung hin. Der Grund dafür könnte sein, dass dabei ein neuer Magnetar entstanden ist.

In der künstlerischen Darstellung sieht man, wie zwei Neutronensterne miteinander verschmelzen. Bei einer solchen Verschmelzung könnte nun ein Magnetar entstanden sein. Bild: University of Warwick/Mark Garlick/ESO
In der künstlerischen Darstellung sieht man, wie zwei Neutronensterne miteinander verschmelzen. Bei einer solchen Verschmelzung könnte nun ein Magnetar entstanden sein. Bild: University of Warwick/Mark Garlick/ESO

Am 4. Juli 2025 registrierten mehrere Satelliten einen kurzen Gammablitz, der als GRB 250704B bezeichnet wurde. Nach weniger als einer halben Sekunde war das Signal wieder verschwunden. Doch das Röntgenteleskop Einstein Probe beobachtete an derselben Position noch rund neun Minuten lang intensive Strahlung.

Der erste Röntgenimpuls fiel zeitlich und räumlich mit dem stärksten Gammastrahlungspuls zusammen. Damit ließ sich die Röntgenquelle eindeutig mit dem Ausbruch verbinden. „Wenn der Überrest der Kollision ein Magnetar ist, könnte er länger weiter ausbrechen“, sagt die Astrophysikerin Eleonora Troja von der Universität Rom Tor Vergata, eine der Autorinnen der Studie.

Strahlung durch einen Magnetar?

Neutronensterne sind außerordentlich dichte Überreste von massereichen Sternen. Wenn zwei solcher kompakten Objekte zusammenstoßen, entstehen Gravitationswellen und elektromagnetische Strahlung.

Magnetare wiederum sind besonders schnell rotierende Neutronensterne mit gewaltigen Magnetfeldern. „Wenn sie ihre magnetische Energie an die Umgebung abgeben, können sie jede Explosion heller und langlebiger machen“, erklärt Troja.

Magnetare sind junge Neutronensterne mit einem extrem starken Magnetfeld, das eine Milliarde Mal stärker ist als das der Erde. Bild: ESO/L.Calçada
Magnetare sind junge Neutronensterne mit einem extrem starken Magnetfeld, das eine Milliarde Mal stärker ist als das der Erde. Bild: ESO/L.Calçada

Die beobachtete Röntgenstrahlung flackerte rasch und veränderte ihre Energieverteilung. Ein gewöhnliches Nachleuchten, das beim Aufheizen des Materials in der Umgebung entsteht, könne das nicht erklären, schätzen die Forschenden. „Als ich die Röntgendaten dieses neuen Ereignisses sah, wurde mir klar, dass etwas vor sich ging“, sagt Troja.

Lange Röntgenschweife unbekannt

Um den Ausbruch physikalisch einzuschätzen zu können, muss seine Entfernung bekannt sein. Der Doktorand Niccolò Passaleva, ebenfalls von der Universität Rom Tor Vergata, beschreibt die Beobachtung so: „Ich war mit dem Zug nach Hause unterwegs, und plötzlich eilte ich gegen die Zeit, um von meinem Laptop aus eines der größten Teleskope der Welt zu übernehmen.“ Damit meinte er das Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte in Chile.

Das Licht war mehr als sechs Milliarden Jahre unterwegs, so sein Fazit, der Zusammenstoß ereignete sich also lange vor der Entstehung von Sonne und Erde. Die Forscher beobachteten die Region 12 und 20 Tage nach dem Ereignis erneut, fanden jedoch keinen Sternzerfall. Die Radiobeobachtungen mit dem Very Large Array verfolgten das Nachleuchten.

Bisher wurden langanhaltende Signale bei schätzungsweise 10 bis 15 Prozent vergleichbarer Kollisionen gefunden. Satelliten wie Swift müssen sich erst zum Ausbruch ausrichten und verpassen dadurch den Beginn schwacher Röntgenemissionen.

Wäre nur der Gammabereich beobachtet worden, hätte man das Ereignis lediglich für ein 0,4 Sekunden langen Blitz gehalten. Die neuen Berechnungen legen deshalb nahe, dass lange Röntgenschweife bei Neutronenstern-Verschmelzungen durchaus verbreitet sein könnten, ohne jedoch bisher erkannt zu werden.

Magnetar bleibt Hypothese

Der Magnetar bleibt allerdings Spekulation. Denn auch ein frisch entstandenes Schwarzes Loch lässt sich nicht vollständig ausschließen, auch wenn die Anzeichen etwas weniger gut dazu passen. Gravitationswellen und eine Kilonova waren in dieser Entfernung zu schwach für heutige Instrumente.

„Weitere solcher Röntgenblitze könnten zeigen, wie häufig Neutronenstern-Verschmelzungen Magnetare hervorbringen“, hofft Passaleva.

Artikelreferenz

Li, A., Wang, C.-W., Passaleva, N., An, J., Zhang, B.-B., et al. (2026). Minutes-long soft X-ray prompt emission from a compact object merger. Science Bulletin.