China will Mars bis 2028 vollständig kartieren – und mit KI einen neuen Standard setzen
Peking plant, eine globale Referenzkarte des Roten Planeten zu erstellen. Das Projekt soll die Tianwen-3-Mission vorbereiten und den chinesischen Anteil an der weltweiten Marsforschung stärken. Damit nimmt die internationale Konkurrenz um Marsproben und wissenschaftliche Erkenntnisse noch einmal zu.

Peking will bis Ende 2028 eine geologische Karte der gesamten Marsoberfläche erstellen. Nach Angaben des Chefwissenschaftlers der Tianwen-3-Mission, Hou Zengqian, soll sie erstmals mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt werden – und dann als globaler Standard dienen, um die geologischen Zeitalter des Planeten zu bestimmen.
Das Vorhaben bereitet die Mission Tianwen-3 der Nationalen Raumfahrtbehörde Chinas (CNSA) vor. Die Karte soll Erkenntnisse des Rovers Zhu Rong einbeziehen, der 2021 auf dem Mars gelandet war und fast ein Jahr die Oberfläche untersucht hatte. Dabei hatte er Hinweise auf einen möglichen interkontinental großen Ozean vor rund 3,5 Milliarden Jahren sowie auf Überschwemmungen vor etwa 1,6 Milliarden Jahren gefunden.
Vom Rover zur Marskarte
Für das vorgesehene Landegebiet von Tianwen-3 soll nun eine möglichst genaue geologische Karte im Maßstab 1:50.000 entstehen. Eine ergänzende Atlasreihe soll außerdem als Vorlage für spätere Kartierungen dienen.
„Es wird auch ein Modell für die künftige geologische Kartierung des Mondes, der Venus und von Asteroiden liefern“, heißt es in dem von der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua verbreiteten Bericht. Damit wird wissenschaftliche Grundlagenarbeit mit einem längerfristigen Programm zur Erforschung von Himmelskörpern verbunden.

Tianwen-3 soll Ende 2028 starten und mindestens 500 Gramm Marsmaterial zur Erde bringen. Die Rückführung ist für etwa 2031 vorgesehen. Bei Erfolg wäre China das erste Land, dem eine Marsproben-Rückführung gelingt. Die Mission soll aus zwei Starts bestehen: Ein erstes Raumfahrzeug soll Lander und Aufstiegsfahrzeug transportieren, ein zweites dann Orbiter und Rückkehrmodul.
Verzögerungen beim US-Programm
Während China seine nächste Mission vorbereitet, hat das amerikanisch-europäische Probenrückholprogramm Probleme: Der Rover Perseverance arbeitet seit Februar 2021 auf dem Mars und hat mehrere Dutzend Gesteins- und Bodenproben gesammelt. Ursprünglich sollten sie in den 2030er-Jahren zur Erde gelangen.
Doch die Kosten stiegen drastisch. Die US-Raumfahrtbehörde NASA schätzte 2024, das Vorhaben könne bis zu 11 Milliarden US-Dollar kosten und frühestens im Jahr 2040 Proben liefern.
Im Januar strich der US-Kongress die Finanzierung des bisherigen Programms faktisch zusammen. Mittel fließen nun teilweise in eine neue Initiative für künftige Marsmissionen und kostengünstigere Technologien. Architektur und Zeitplan einer neuen Probenrückführung sind weiterhin offen.
Die USA haben einen jahrzehntelangen Vorsprung bei der Marsforschung. Mariner 4 lieferte im Jahr 1965 als erste Raumsonde Nahaufnahmen des Planeten, Viking 1 landete 1976. Seit Sojourner 1997 haben fünf US-Rover den Mars erkundet, Curiosity und Perseverance sind weiterhin aktiv.
China stieß mit Tianwen-1 2020 in diese Spitzengruppe vor. Der Rover Zhu Rong absolvierte seine geplante Hauptmission und arbeitete bis Mai 2022, bevor das Gerät nach einer Winterpause nicht mehr erwachte. Als Hauptursache werden Staubablagerungen auf den Solarpaneelen vermutet. Mit der Marskarte und Tianwen-3 verschiebt sich der Wettbewerb nun von einzelnen Missionen zunehmend auf die künftige systematische Vermessung und Auswertung des Planeten.