Chinas neue Mondkarte schreibt die Geschichte des Mondes um – warum das für die Mondforschung wichtig ist
China hat eine neue geologische Mondkarte vorgestellt. Sie berücksichtigt neueste Forschungsergebnisse und verbessert damit die Chronologie der Mondgeschichte – während die USA und China zugleich um wissenschaftliche Standards konkurrieren.

Chinesische Wissenschaftler haben eine aktualisierte geologische Karte des gesamten Mondes im Maßstab 1:5 Millionen vorgestellt. Das Institut für Geologie der Chinesischen Akademie der Geowissenschaften (IGCAGS) veröffentlichte die neue Fassung am 6. August.
Die Karte ist eine Weiterentwicklung der Ausgabe von 2024 und berücksichtigt neueste Forschungsergebnisse sowie Daten aus den chinesischen Mondmissionen Chang’e 5 und Chang’e 6. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Rekonstruktion der geologischen Entwicklung des Erdtrabanten über Milliarden Jahre hinweg.
Mondperioden neu bewertet
Dabei werden insbesondere die Altersgrenzen wichtiger geologischer Perioden neu bewertet. Dazu zählen das Aitkenium, das Nektarium und das Imbrium. Für den ältesten Abschnitt wird international häufig die Bezeichnung Pränektarium verwendet.

Diese Perioden beschreiben Entwicklungen über Millionen bis Milliarden Jahre hinweg, vergleichbar mit den Epochen der Erdgeschichte. Ihre Grenzen orientieren sich unter anderem an großen Einschlagereignissen oder der Entstehung von Becken – wie die Namensgeber Mare Nectaris und Mare Imbrium vermuten lassen – sowie der Bildung bestimmter Gesteine.
Weil der Mond keine vergleichbare Plattentektonik wie die Erde besitzt, sind viele Spuren seiner Vergangenheit bis heute erhalten. So sind etwa ältere Regionen stärker von Kratern überprägt, während jüngere Lavaflächen ältere Landschaften teilweise überdecken.
Auch das KREEP-Terrain wurde mithilfe neuer Spektraldaten bewertet. KREEP steht für Kalium (K), Seltene Erden (Rare Earth Elements) und Phosphor (P) – Elemente, die sich während der frühen Abkühlung des Mondes in bestimmten Restschmelzen anreicherten.

Die Entstehung von KREEP hängt wahrscheinlich mit dem frühen Magmaozean des Mondes zusammen. Als dieser abkühlte und Minerale auskristallisierten, blieben bestimmte Elemente in den verbleibenden Schmelzen zurück.
Die neuen Auswertungen deuten darauf hin, dass KREEP-Material insbesondere im Bereich des Oceanus Procellarum weiter verbreitet ist als bisher angenommen. Das könnte darauf hinweisen, wie sich die frühe Mondkruste entwickelte und die Prozesse im Inneren des Mondes abliefen.
„Die geologische Geschichte des Mondes wurde tatsächlich neu geschrieben – genauer gesagt: verfeinert und systematisiert“, sagte IGCAGS-Direktor Yang Zhiming laut Xinhua. Eine wichtige Grundlage dafür sind die Proben der chinesischen Missionen Chang’e 5 und Chang’e 6.

Chang’e 5 brachte 2020 Gesteinsmaterial zur Erde und lieferte Hinweise darauf, dass der Mond noch vor rund zwei Milliarden Jahren vulkanisch aktiv war. Chang’e 6 brachte 2024 erstmals Proben von der erdabgewandten Mondseite zur Erde.
Wissenschaft und Wettbewerb
China und die USA konkurrieren heute um wissenschaftliche und technische Erfolge bei der Monderkundung. Gleichzeitig versuchen beide Staaten, globale Standards für die künftige Nutzung und Erforschung des Mondes zu etablieren.
Das zeigt sich unter anderem bei der Mondzeit. Wegen der schwächeren Gravitation laufen Uhren auf dem Mond geringfügig schneller als auf der Erde, weshalb für zukünftige Missionen ein eigener Zeitstandard entwickelt werden soll. Doch China und die USA verfolgen unterschiedliche Vorstellungen bei der lunaren Zeitmessung.
Die Karte ist trotz des Maßstabs von 1:5 Millionen und einer Größe von etwa 280 × 120 Zentimetern nicht die größte geologische Mondkarte überhaupt. Bereits die globale US-Karte aus der Apollo-Ära verwendete denselben Maßstab.
Ihr wissenschaftlicher Wert liegt vielmehr in der Aktualisierung. Die Karte integriert neue Daten von Chang’e 5 und Chang’e 6, überarbeitet die geologische Zeitskala und berücksichtigt erstmals direkte Proben von der erdabgewandten Mondseite.