Wissenschaftler schließen die beängstigendste Prognose aus

Die Wissenschaft hat das seit Jahren verwendete extremste Klimaszenario ad acta gelegt, und diese Entscheidung stellt keineswegs die globale Erwärmung in Frage, sondern spiegelt vielmehr wider, wie die Energiewende die Zukunft bereits verändert.

Die neuesten Klimaprognosen verwerfen zwar das Worst-Case-Szenario, doch warnen Wissenschaftler auch davor, dass es immer schwieriger wird, die 1,5-Grad-Grenze einzuhalten.
Die neuesten Klimaprognosen verwerfen zwar das Worst-Case-Szenario, doch warnen Wissenschaftler auch davor, dass es immer schwieriger wird, die 1,5-Grad-Grenze einzuhalten.

Jahrelang war dies das Szenario, das in den alarmierendsten Studien zum Klimawandel beschrieben wurde – ein Szenario, in dem der Verbrauch fossiler Brennstoffe und die Treibhausgasemissionen weiter stark anstiegen.

Diese Zukunft ist nun jedoch aus den neuesten internationalen Klimaprognosen verschwunden. Wissenschaftler haben beschlossen, das bekannte RCP8.5-Szenario sowie dessen neueres Pendant, SSP5-8.5, aus der nächsten Generation von Klimamodellen zu streichen.

Diese Entscheidung hat insbesondere in politischen Kreisen heftige Debatten ausgelöst, doch Experten betonen, dass dies weder bedeute, dass die Auswirkungen des Klimawandels an Bedeutung verlieren, noch dass frühere Prognosen falsch gewesen seien.

Das Szenario, das die schlimmstmögliche Zukunft darstellte

Seit Jahrzehnten stützen sich Klimaforscher auf verschiedene Szenarien, um zu untersuchen, wie sich der Planet je nach den Entscheidungen der Menschen entwickeln könnte.

Diese Szenarien sind keine genauen Prognosen, sondern vielmehr mögliche Entwicklungswege. Einige gehen von einer raschen Emissionssenkung und einer beschleunigten Energiewende aus, während andere eine eher negative Zukunft zeichnen, in der die Volkswirtschaften weiterhin stark von Kohle, Öl und Erdgas abhängig sind.

RCP8.5 stellte das pessimistischste Szenario dar und ging von einem massiven Anstieg des Verbrauchs fossiler Brennstoffe im Laufe des 21. Jahrhunderts aus, ohne dass nennenswerte Anstrengungen zur Eindämmung der Emissionen unternommen wurden.

Unter diesen Annahmen hätten die CO₂-Konzentrationen in der Atmosphäre ein noch nie dagewesenes Niveau erreicht, und die globalen Temperaturen hätten bis zum Ende des Jahrhunderts um etwa 4,5 °C über das vorindustrielle Niveau ansteigen können.

Warum wurde das extremste Negativszenario gestrichen?

Die Entscheidung, dieses Szenario zu streichen, spiegelt eine Anpassung an die aktuellen Gegebenheiten wider. Als RCP8.5 ursprünglich entwickelt wurde, hielten es die Forscher für plausibel, dass das globale Wirtschaftswachstum weiterhin stark von fossilen Brennstoffen abhängig bleiben würde. Die technologischen und energiepolitischen Entwicklungen der letzten zwei Jahrzehnte haben diese Prognose jedoch erheblich verändert.

Dieser Wandel ist zum Teil auf das rasante Wachstum und die Ausweitung der erneuerbaren Energien sowie auf die Elektrifizierung des Verkehrs und Fortschritte in der Batterietechnologie zurückzuführen.

RCP8.5 ist vom Tisch, doch auch das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels wird immer schwieriger

Das Wegfallen des katastrophalsten Szenarios kann als Zeichen des Fortschritts und als Beleg dafür gewertet werden, dass die derzeitigen Bemühungen in die richtige Richtung gehen. Ein wesentlicher Grund zur Sorge bleibt jedoch bestehen: Der günstigste Entwicklungspfad hat sich nicht verwirklicht, und neue Prognosen deuten darauf hin, dass das Ziel, die globale Erwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen, immer schwerer zu erreichen ist.

Man sollte nicht vergessen, dass Klimaszenarien Informationen zu Demografie, Wirtschaft, Technologie, Energieverbrauch und Politik zusammenführen, um eine Bandbreite möglicher Zukunftsverläufe zu entwerfen. Forschungszentren auf der ganzen Welt speisen diese Szenarien dann in hochentwickelte Klimamodelle ein, die die Reaktionen der Atmosphäre, der Ozeane, der Eisschilde und der Ökosysteme simulieren.

Das Ergebnis ist keine einzelne Vorhersage, sondern eine Bandbreite möglicher Entwicklungen, die dabei helfen, Risiken einzuschätzen und Anpassungsstrategien zu entwickeln. Da sich Volkswirtschaften, Technologien und Energiepolitik im Laufe der Zeit weiterentwickeln, müssen auch die Szenarien selbst aktualisiert werden, ebenso wie die von der Wissenschaft verwendeten Klimaprognosen.

Quellenhinweis:

Van Vuuren, D. P., O'Neill, B. C., Tebaldi, C., Sanderson, B. M., Chini, L. P., Friedlingstein, P., Hasegawa, T., Riahi, K., Govindasamy, B., Bauer, N., Eyring, V., Fall, C. M. N., Frieler, K., Gidden, M. J., Gohar, L. K., Högner, A., Jones, A. D., Kikstra, J., King, A., ... Ziehn, T. (2026). The Scenario Model Intercomparison Project for CMIP7 (ScenarioMIP-CMIP7). Geoscientific Model Development, 19(7), 2627–2656. https://doi.org/10.5194/gmd-19-2627-2026

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