Im Mittelmeer können bereits Hurrikane entstehen: Experten warnen, dass der Klimawandel zu einer Zunahme führen könnte
Meteorologen warnen davor, dass das Mittelmeer aufgrund des Klimawandels bereits in der Lage sein könnte, echte Hurrikane hervorzubringen. Wir werfen einen Blick auf einige der jüngsten Beispiele.

Jahrzehntelang schien die Vorstellung eines „Mittelmeer-Hurrikans“ fast unmöglich, und das Mittelmeer galt als zu klein und relativ kalt, um Wirbelstürme hervorzubringen, die mit tropischen vergleichbar wären; doch diese Auffassung hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt.
Der Sturm Daniel im Jahr 2023, Jolina im Jahr 2026 und insbesondere Ianos im Jahr 2020 haben gezeigt, dass im Mittelmeer bereits Wetterphänomene entstehen können, deren Eigenschaften denen eines Hurrikans sehr ähnlich sind. Einige Klimatologen bezeichnen sie als Medicanes, eine Wortschöpfung aus den Begriffen „Mediterranean“ und „Hurricane“.
Was genau ist ein Medicane?
Medicanes sind Wirbelstürme mit subtropischen oder tropischen Merkmalen, die sich im Mittelmeerraum bilden. Obwohl sie in der Regel nicht die Stärke großer Atlantik-Hurrikane erreichen, weisen sie doch einige ihrer Merkmale auf, wie zum Beispiel einen warmen Kern, eine geordnete spiralförmige Struktur, starke Regenfälle, heftige Winde und in manchen Fällen sogar ein relativ klar abgezeichnetes „Auge“.
️ From Storm #Samuel to Medicane?
— Meteored (@meteoredcom) March 17, 2026
Samuel has undergone a tropical transformation as it traverses the Mediterranean sea. It is now spinning in front of the Libyan coast, raising a hugh mass of dust, as seen in the satellite image.
️ https://t.co/5U7ikkTEno pic.twitter.com/R59JwJTurR
Jahrzehntelang galten sie als seltsame und kaum verstandene Phänomene. Tatsächlich wurden diese Stürme in einer der ersten wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema in den 1980er Jahren aufgrund ihrer überraschenden Ähnlichkeit mit tropischen Wirbelstürmen als eine Art „Spielerei der Natur“ beschrieben.
Das Mittelmeer hat sich in den letzten Jahrzehnten rapide erwärmt
Der Schlüssel zu diesem Phänomen liegt in der Meerestemperatur, da tropische Wirbelstürme enorme Mengen an Energie benötigen, um sich zu entwickeln. Diese Energie stammt aus der im Wasser gespeicherten Wärme, und je wärmer die Meeresoberfläche ist, desto stärker ist die Verdunstung und desto mehr Feuchtigkeit und Wärme gelangt in die Atmosphäre: Genau das geschieht derzeit im Mittelmeer.
Europäischen Klimadaten zufolge hat sich das Mittelmeer zwischen 1990 und 2020 um etwa 0,4 °C pro Jahrzehnt erwärmt. Bei einigen der jüngsten Medicane-Ereignisse wurden Meeresoberflächentemperaturen gemessen, die bis zu 2 °C über dem Durchschnitt lagen – eine Anomalie, die ausreicht, um weitaus heftigere Stürme zu entfachen.
Ianos, Daniel und Jolina/Samuel: Anzeichen für ein neues Klimaszenario
Wissenschaftler betrachten aktuelle Wetterphänomene wie Ianos, Daniel oder Jolina/Samuel als eindeutige Beispiele für die neuen klimatischen Rahmenbedingungen im Mittelmeerraum.
Ianos traf Griechenland im September 2020 und hinterließ extreme Niederschläge und orkanartige Winde. Der Wirbelsturm war so heftig, dass eine von Kostas Lagouvardos vom Nationalen Observatorium Athen im „Bulletin of the American Meteorological Society“ veröffentlichte Studie zu dem Schluss kam, dass Ianos in jeder Hinsicht ein Hurrikan der Kategorie 2 war.
Medicane Ianos on its landfall approach in Greece. pic.twitter.com/xeFHdrfop9
— Dakota Smith (@weatherdak) September 18, 2020
Der Sturm „Daniel“, der 2023 Griechenland und später Libyen heimsuchte, verursachte verheerende Regenfälle und führte zum Dammbruch in der libyschen Stadt Derna. Tausende Menschen kamen ums Leben oder wurden vermisst – eine der schlimmsten wetterbedingten Tragödien, die in der Region je verzeichnet wurden.
Unterdessen versetzte das Medicane „Samuel“ oder „Jolina“ im März 2026 Nordafrika erneut in Alarmbereitschaft, zeigte eine auf Satellitenbildern erkennbare, sehr gut organisierte Struktur und hatte erhebliche Auswirkungen auf mehrere Mittelmeerländer.
Quellenhinweis:
Lagouvardos, K., Karagiannidis, A., Dafis, S., Kalimeris, A., & Kotroni, V. (2022). Ianos—A Hurricane in the Mediterranean. Bulletin of the American Meteorological Society, 103(6), E1621-E1636. https://doi.org/10.1175/BAMS-D-20-0274.1
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