Warum Eisflächen derzeit lebensgefährlich sind: DLGR warnt vor Einbruchgefahr

Die winterlichen Wetterlagen täuschen leicht darüber hinweg, dass die Temperaturen oft noch über dem Gefrierpunkt liegen. Experten warnen dringend davor, Eisflächen bereits zu betreten. Tragfähig sei das Eis erst ab einer Dicke von 15 bis 20 Zentimetern.

DLRG-Retter bei einer Eisrettungsübung.
DLRG-Retter bei einer Eisrettungsübung. Bild: Daniel-André Reinelt/DLRG

Die frostigen Temperaturen der vergangenen Tage wirken auf viele Menschen einladend, auf den zugefrorenen Seen, Teichen und Flüssen spazieren zu gehen – oder sogar Schlittschuh zu fahren. Doch genau davor warnt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mit Nachdruck: Die Winteridylle kann lebensgefährlich sein.

„Verschiedenste Faktoren führen dazu, dass das Eis grundsätzlich gefroren aussieht, aber eben nicht zwingend dick genug sein muss.“

– Philipp Pijl, Bereichsleiter Wasserrettung und Bevölkerungsschutz, DLRG-Bundesverband

Nach Einschätzung der Wasserrettung ist das Eis auf den meisten Gewässern derzeit nicht tragfähig. Auch wenn die Oberfläche fest gefroren erscheint, reicht die Eisstärke in der Regel nicht aus, um Menschen sicher zu tragen. Die DLRG appelliert daher dringend, Eisflächen nicht leichtfertig zu betreten.

Gefährliche Temperaturschwankungen mit Plusgeraden

Besonders kritisch beurteilt die DLRG die aktuelle Wetterlage mit starken Temperaturwechseln. Nach frostigen Nächten steigen die Werte tagsüber teils über den Gefrierpunkt. „Die größte Gefahr ist, dass Schnee antaut und anschließend wieder gefriert“, so Pijl. Dabei entstehen mehrschichtige Eisplatten, die stabil wirken, in Wahrheit aber kaum Belastung aushalten. Der stetige Wechsel zwischen Frost und Tauwetter schwächt die Eisstruktur zusätzlich und erhöht das Einbruchrisiko deutlich.

Grundsätzlich sollten Eisflächen nur dann betreten werden, wenn sie offiziell freigegeben sind. Solche Freigaben erfolgen jedoch selten. Umso wichtiger sei laut DLRG die Eigenverantwortung jedes Einzelnen.

Neben der reinen Lufttemperatur beeinflussen zahlreiche weitere Aspekte die Stabilität der Eisdecke. So kann etwa Schnee auf dem Eis die Tragfähigkeit erheblich mindern, da sich darunter Lufteinschlüsse bilden. Zudem ist für Laien kaum erkennbar, ob ein Gewässer vollständig ausgekühlt ist oder ob unterirdische Zuflüsse wärmeres Wasser eintragen. „Am Rand kann das Eis tragen, ein Stück weiter draußen ist es plötzlich nur noch ein Zentimeter dick oder sogar offen“, warnt Philipp Pijl, Bereichsleiter Wasserrettung und Bevölkerungsschutz vom Bundesverband der DLRG.

Erst ab 15 bis 20 Zentimetern tragfähig

Wer sich dennoch auf das Eis wagt, sollte dies erst tun, wenn eine ausreichende Eisstärke erreicht ist. Empfohlen werden mindestens 15 Zentimeter bei stehenden Gewässern und 20 Zentimeter bei fließenden. Nach wenigen kalten Tagen sind diese Werte meist noch nicht erreicht.

Gerade auf Flüssen ist besondere Vorsicht geboten. Strömungen, wechselnde Wassertiefen und Zuflüsse machen das Eis dort besonders unberechenbar. „Dort ist die Gefahr besonders groß, unter das Eis zu geraten und nicht mehr herauszukommen“, so Pijl.

Warnzeichen sollten unbedingt ernst genommen werden. Dunkle Stellen, Wasser auf dem Eis oder hörbare Knack- und Knistergeräusche deuten auf instabile Bereiche hin. Verschneite Eisflächen gelten als besonders tückisch, da der Schnee gefährliche Schwachstellen verdecken kann.

Bei Einbruch: Ruhe bewahren

Kommt es dennoch zu einem Einbruch, ist Besonnenheit entscheidend. „Erstmal nicht in Panik geraten. Das ist das Schlimmste, was passieren kann und darauf achten, dass man nicht unters Eis kommt“, rät Pijl. Betroffene sollten versuchen, sich flach auf den Eisrand zu ziehen und in Bauchlage Richtung Ufer zu robben.

Wer Zeuge eines Eiseinbruchs wird, sollte umgehend den Notruf 112 wählen und weitere Helfer alarmieren. Eigene Rettungsversuche sind nur dann sinnvoll, wenn keine zusätzliche Gefahr besteht.

Sonst sind im schlimmsten Fall zwei Menschen im Wasser.

Besonders gefährdet sind außerdem Kinder und Männer. Kinder unterschätzen Risiken oft, Männer neigen dazu, Gefahren zu bagatellisieren. Menschen ohne Erfahrung mit zugefrorenen Gewässern seien sich der Risiken häufig ebenfalls nicht bewusst. Zur Vorbeugung empfiehlt Pijl, Kinder frühzeitig aufzuklären und richtiges Verhalten einzuüben.

Quellenhinweis:

DLRG: Eisregeln und Sicherheitstipps für Kinder.