Vorschau auf die Klimakonferenz COP 28 in Dubai! Was erwartet die Welt?

Vom 30. November bis 12. Dezember wird wieder einmal über den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen verhandelt – und das mitten in einem Ölstaat. Ein aktueller Situationsbericht fordert mehr Geschwindigkeit bei der Umsetzung von Maßnahmen gegen den Klimawandel.

COP 28
Die COP 28 - Ein Wendepunkt oder "weiter so"?

Die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas verursacht mehr als 90 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen, wie die britische Informationsplattform CarbonBrief informierte. Ein eher zweifelhaftes Vorzeichen für eine Fortsetzung der fossil geprägten Politik ist die Tatsache, dass die Klimakonferenz in Dubai stattfindet. Die Vereinigten Arabischen Emirate gehören zu den führenden Exportnationen von Öl und Gas in der Welt.

Was sind nun die Hauptziele der Konferenz?

Ausstieg aus den Fossilen

Klimawissenschaft und Nichtregierungsorganisation sind sich einig: Hauptziel der Konferenz sollte ein verbindlicher Ausstiegspfad für alle fossilen Energieträger sein, also für Kohle, Öl und Gas. Nach 27 vorangegangener Konferenzen dieser Art erscheint es eher unwahrscheinlich, dass sich die Staaten diesmal auf den fossilen Ausstieg einigen. Als Indiz dafür gilt auch ein Interessenkonflikt: Der Vorsitzende der Konferenz ist Sultan Al Jaber, der zugleich Chef der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) ist. ADNOC betont stets, seine Ölgeschäfte auszuweiten – trotz der Klimakrise. In einem lesenswerten Porträt im Guardian meint Al Jaber zu seiner Rolle: »I wasn’t the obvious choice«, also »Ich war nicht die naheliegende Wahl.«

CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS)

Im Mittelpunkt der Verhandlungen zum fossilen Ausstieg könnte in diesem Jahr die Phrase der »unabated fossil fuels« stehen, also der »unverminderten fossilen Brennstoffe«. Gemeint sind damit alle Emissionen fossiler Brennstoffe, die unvermindert in die Atmosphäre entweichen und nicht etwa unter Mithilfe von CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) wieder eingefangen werden. Mit dem Zusatz »unabated« sollen also etwa Kraftwerke, die mit CCS ausgestattet sind – und damit als »abated« gelten –, weiterlaufen dürfen. Von diesen Technologien werden wir in Zukunft noch häufiger hören. Einen Überblick gibt die französische Presseagentur AFP hier. Das Climate Change Centre Austria hat ein Factsheet zu CCS veröffentlicht.

Erneuerbare ausbauen

Für deutlich weniger Streit dürfte die Diskussion rund um den Ausbau der erneuerbaren Energien sorgen. Deren Kapazität soll bis 2030 weltweit auf 11.000 Gigawatt verdreifacht werden. Das fordert auch die Internationale Energieagentur. Verhandlungs- und Beobachterteams erwarten bei diesem Punkt eine Einigung, auch wenn deren Verbindlichkeit fraglich sein könnte. Ein entscheidendes Element muss der Ersatz fossiler Brennstoffe durch Erneuerbare sein. Deren Zubau darf sich nicht einfach auf eine gesteigerte Energienachfrage beziehen. Auch die EU setzt sich als Teil der “High Ambition Coalition” für dieses Erneuerbaren-Ziel ein, fordert aber gleichzeitig eine feste Zusage zum Ausstieg aus den fossilen Energien.

Loss & Damage Fond

Ein weiteres großes Thema wird der Loss & Damage-Fond sein, den die Staaten bereits auf der Pariser Klimakonferenz des Jahres 2015 zugesagt- und im vergangenen Jahr bestätigt hatten. Dabei geht es darum, jenen Staaten (vor allem im globalen Süden) Geld zuzusprechen, die überproportional von den Folgen der Klimakrise betroffen sind, jedoch vergleichsweise wenig zu ihr beigetragen haben. Kern ist die Finanzierung von jährlich notwendigen 100 Millarden US$.

Im vergangenen Jahr hat das Tauziehen um den Fonds die sonstigen Themen überschattet. Auch in diesem Jahr ist Unmut vorprogrammiert. So lehnen zum Beispiel die USA ab, dass der Fonds eine Art Kompensation für die von Industriestaaten verursachten Schäden bereitstellen soll. Damit will das Land keinesfalls für seine hohen Emissionen verantwortlich gemacht werden. Diese Position vertreten auch andere Staaten. Alle Details hat Carbon Brief zusammengefasst.

Auch für Europa wird der Loss & Damage-Fonds eine große Rolle spielen. So ist der neue EU-Klimakommissar und EU-Positionsverhandler zum Thema des Fonds, Wopke Hoekstra, durch EU-Hauptstädte gereist, um Regierungen zu verbindlichen finanziellen Zusagen zu dem Fonds zu bitten. Details dazu will er auf der COP 28 bekanntgeben, wie Politico berichtet.

Fazit

Rechtzeitig vor Beginn der Klimakonferenz in Dubai hat die britische Denkfabrik Systems Change Lab unter Mitwirkung vieler Akteure, darunter dem World Resources Institute (WRI), einen aktuellen Bericht veröffentlicht, der die Faktenlage der Welt in Bezug auf die Klimaveränderungen und ihre Auswirkungen sehr gut und grafisch deutlich hinterlegt zusammenfasst. Ich empfehle die 244 Seiten des Berichts allen, die sich im Vorfeld der Klimakonferenz mit den Hauptthemen der Konferierenden beschäftigen wollen.

Erneut haben die Politik- und Wirtschaftswelt alle Fakten zu den Klimaveränderungen und ihren Auswirkungen vor sich liegen. Was sie daraus machen werden, bleibt wie immer im Vorfeld dieser Konferenzen abzuwarten. Es ist wie immer eine Mischung aus Hoffnung des globalen Südens auf Hilfe, der reichen Industriestaaten auf möglichst wenig Veränderungen, die die Wirtschaft der Welt ausbremsen würden und der Klimawissenschaft und den Nichtregierungsorganisationen für klare, eindeutige Entscheidungen, um die Treibhausgasemissionen rasch und deutlich zu reduzieren.

Ich werde ab dem 30.11. in regelmäßigen Fortschrittsberichten zum Stand der Verhandlungen und der Entscheidungen der COP 28 berichten.