Trinkwasser sparen und abkochen – das steckt hinter den Aufrufen mehrerer Gemeinden

Immer mehr Kreise und Städte rufen zum Wassersparen auf. In manchen Regionen wird auch vor Keimen im Trinkwasser gewarnt. Es wird dringend empfohlen, das Wasser abzukochen – besonders Säuglinge, ältere Menschen und immungeschwächte Personen seien gefährdet.

Im Trinkwasser einiger Landkreise wurden coliforme Bakterien nachgewiesen, die besonders für Säuglinge, ältere und immungeschwächte Personen gefährlich werden können. Bild: João Paulo Carnevalli de Oliveira/Unsplash
Im Trinkwasser einiger Landkreise wurden coliforme Bakterien nachgewiesen, die besonders für Säuglinge, ältere und immungeschwächte Personen gefährlich werden können. Bild: João Paulo Carnevalli de Oliveira/Unsplash

Hohe Temperaturen und trockene Böden haben regional zu steigenden Verbräuchen geführt. Wasserversorger melden steigende Tagesmengen, teilweise über der Aufbereitungsleistung einzelner Werke hinaus. Gleichzeitig fallen vielerorts die Grundwasserstände.

In immer mehr Regionen werden Bürgerinnen und Bürger darum zum Wassersparen aufgerufen. Einzelne Aufrufe sind nicht ungewöhnlich, doch flächendeckende Warnungen dieser Art sind eher selten. Zugleich häufen sich Warnungen vor möglichen Keimen im Trinkwasser.

So bittet etwa die brandenburgische Gemeinde Kleinmachnow, noch bis zum 30. Juni auf Gartenbewässerung und Poolfüllungen zu verzichten. In einer Mitteilung heißt es, dass die Versorgung für Alltagstätigkeiten wie Trinken oder Duschen zwar gesichert bleibe, doch die Anlagen stark belastet sind. Auch andere Landkreise berichten von angespannten Situationen.

Abkochgebote wegen Keimen im Trinkwasser

Vereinzelt gibt es auch Gesundheitswarnungen: So wurde etwa in Buckow im Landkreis Märkisch-Oderland im Trinkwassernetz eine geringe Menge coliformer Bakterien festgestellt. Darum empfehlen die Behörden, Wasser vor dem Verzehr mindestens drei Minuten sprudelnd abzukochen oder auf Flaschenwasser auszuweichen.

Die Bakterien sind nicht grundsätzlich schädlich, können aber zu Magen-Darm-Beschwerden, Bauchkrämpfen oder Übelkeit führen. Besonders gefährdet seien laut Mitteilung Säuglinge, ältere Menschen und immungeschwächte Personen. Laut Landkreis Märkisch-Oderland werden mögliche Ursachen geprüft, etwa Störungen im Leitungsnetz oder technische Beeinträchtigungen.

Einige Landkreise haben Allgemeinverfügungen erlassen, die das Bewässern privater und öffentlicher Grünflachen zu bestimmten Tageszeiten verbieten. Bild: Lumière Rezaie/Unsplash
Einige Landkreise haben Allgemeinverfügungen erlassen, die das Bewässern privater und öffentlicher Grünflachen zu bestimmten Tageszeiten verbieten. Bild: Lumière Rezaie/Unsplash

Wann ist Abkochen notwendig? Für alles Wasser, das in den Mund gelangt, etwa zum Trinken, fürs Kochen oder Abwaschen von Nahrungsmitteln, für Mund- und Zahnpflege, Eiswürfel, Einnahme von Medikamenten, Geschirrspülen von Hand. Die Verwendung eines Wasserkochers wird empfohlen.

Das Wasser muss nicht abgekocht werden für die Körperpflege, etwa beim Händewaschen, Duschen, Baden, Toilettenspülen, auch nicht für Haushaltsgeräte wie Waschmaschine oder Spülmaschine.

Auch Teile Bayerns sind betroffen: Im Landkreis Günzburg sowie in Pfaffenhofen wurde ein vorsorgliches Abkochgebot ausgesprochen, nachdem bei Proben Keime entdeckt worden waren. Die Ursache ist noch unklar, weitere Untersuchungen laufen.

Regionale Verbote und strenge Auflagen

Neben Empfehlungen setzen einige Kommunen auf verbindliche Regeln. In Teilen Niedersachsens gelten zeitweise Verbote für Beregnung und Wasserentnahme, meist in den heißen Mittags- und Nachmittagsstunden von 10 bis 18 Uhr. Dadurch sollten Verluste durch Verdunstung reduziert und das Wasser für die Versorgung gesichert werden.

Auch Städte wie Salzgitter oder der Landkreis Goslar haben umfassende Allgemeinverfügungen für öffentliche und private Flächen erlassen, die Gartenbewässerung und die Nutzung von Brunnenwasser zeitweise einschränken. Verstöße können mit hohen Bußgeldern von bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

Andere Regionen setzen vor allem auf freiwillige Einsicht. Landkreise wie Diepholz, Peine oder das Emsland verweisen auf sinkende Grundwasserstände und bitten um maßvollen Verbrauch. Auch Braunschweig empfiehlt, Gärten möglichst außerhalb der größten Hitze zu bewässern und sparsame Systeme zu nutzen.

Wer wissen will, welche Bestimmungen für die eigene Gemeinde oder Stadt gelten, muss sich auf den entsprechenden Webseiten oder in regionalen (Online-)Medien informieren.