Mai-Schocker: Erste Gemeinde ruft zum Wassersparen auf: In Jülich werden wegen Hitze und Verbrauch die Reserven knapp
Jetzt ist es soweit: Die erste Gemeinde in Deutschland muss Wasser sparen. In einer Pressemitteilung wird der Technische Leiter der Stadtwerke Jülich, Dr. Uwe Macharey, mit folgendem Aufruf zitiert: „Wir rufen die Bürger dazu auf, gemeinsam mit uns Verantwortung zu übernehmen und ihren Wasserverbrauch bewusst und nachhaltig zu gestalten, um die knappen Ressourcen zu schonen.“

Die anhaltend warm bis heißen und trockenen Tage sorgen nun erstmals im Jahr 2026 in Deutschland für einen offiziellen Appell zum Wassersparen. Die Stadtwerke Jülich warnen davor, dass die Trinkwasservorräte zunehmend unter Druck geraten. Grund dafür ist ein rasant gestiegener Verbrauch infolge der hohen Temperaturen.
Nach Angaben der Stadtwerke befindet sich die Wasserabnahme der Bürger inzwischen beinahe rund um die Uhr auf Höchstniveau.
Insbesondere Nachtstunden bereiten Sorgen, denn normalerweise füllen sich die Wasserspeicher in dieser Zeit wieder auf. Doch genau das Gegenteil passiert aktuell: die Entnahme hat sich nämlich inzwischen zu dieser Zeit mehr als verdoppelt. Die Folge: Die Reserven sinken kontinuierlich.
Pools und Rasensprenger sollen tabu bleiben
Die Stadtwerke appellieren deshalb an die Bürgerinnen und Bürger, ihren Verbrauch deutlich zu reduzieren. Vor allem auf das Bewässern von Rasenflächen und Tennisplätzen sowie das Befüllen privater Pools soll vorerst verzichtet werden. Auch im Haushalt solle Wasser möglichst sparsam eingesetzt werden.
Dr. Uwe Macharey erklärt, diese Maßnahmen seien notwendig, damit auch während der heißen Wetterlage weiterhin ausreichend Trinkwasser zur Verfügung stehe. Ziel sei es, mögliche Verbote bestimmter Wassernutzungen noch zu vermeiden.
Unglaublich- aber leider wahr
Die Versorgung erfolgt in Jülich sogar über drei eigene Tiefbrunnen, die Wasser aus rund 130 Metern Tiefe fördern.
Zusätzlich verfügt der Versorger über zwei große Reservoirs mit bis zu 5.000 Kubikmetern Speichervolumen.
Dennoch gehen die Vorräte aktuell spürbar zurück:
... und das, obwohl der Mai insgesamt nicht besonders trocken war: An der Station Jülich wurde im Mai 2026 bislang eine Niederschlagssumme von 70,6 mm gemessen, was rund 125,4 Prozent des klimatologischen Mittels (Referenz 1991–2020) entspricht.
Allerdings: Im April 2026 wurden an der Station Jülich lediglich 28,2 mm Niederschlag gemessen, was etwa 69,3 Prozent des langjährigen Mittels (Referenz 1991–2020) entspricht.
Dürremonitor zeigt keine Extremregion
Bemerkenswert ist dabei, dass Jülich laut dem UFZ-Dürremonitor derzeit nicht zu den trockensten Regionen Deutschlands gehört. Besonders große Defizite bei der Bodenfeuchte zeigen sich aktuell eher im Südwesten Deutschlands.
Der Dürremonitor des UFZ macht zudem deutlich, dass kurzfristige Regenfälle die Lage häufig nur oberflächlich entspannen. Gerade tiefere Bodenschichten reagieren nur sehr langsam auf Niederschläge.
Selbst kräftige Regenereignisse können deshalb die langfristige Trockenheit oft nur begrenzt lindern.
Nach Angaben des UFZ fiel die atmosphärische Wasserbilanz im Winter 2025/26 insgesamt zwar positiv aus, lag im Vergleich zum langjährigen Mittel jedoch weiterhin unterdurchschnittlich, sodass sich keine vollständige Erholung der Bodenwasserspeicher eingestellt hatte.
in Jülich wird schon das Wasser knapp nach 4 Tagen Sonne und vorher regen... WTF pic.twitter.com/uhpQ3s5GOs
— KryptoEule (@EuleKrypto) May 26, 2026
Gewitter statt flächendeckender Regen
Nach Berechnungen des ECMWF-Wettermodells wird es in den kommenden Tagen bis einschließlich Sonntag zwar wieder Niederschläge in Deutschland geben. Allerdings handelt es sich dabei nach aktuellem Stand nicht um flächendeckenden Landregen, sondern vor allem um Schauer, Gewitter und regionalen Starkregen.
Die höchsten Niederschlagsmengen sieht das Modell derzeit im Raum Münster mit über 27,4 Litern pro Quadratmeter.
Solche punktuellen Regenmengen können lokal zwar kurzfristig Entlastung bringen, lösen das grundlegende Problem sinkender Bodenfeuchte und hoher Wasserverbräuche jedoch kaum nachhaltig.
Der Fall Jülich zeigt damit bereits früh im Jahr, wie empfindlich selbst Regionen reagieren können, die bislang nicht als extreme Dürreschwerpunkte gelten.
Quellen
Stadtwerke Jülich (Pressestelle): Pressemitteilung „Stadtwerke Jülich rufen zum ressourcenschonenden Einsatz von Wasser auf“, veröffentlicht am 24.05.2026
UFZ-Dürremonitor Deutschland (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung): Tägliche Modellauswertung der Bodenfeuchte in Deutschland auf Basis des hydrologischen Modells mHM
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