Die Frequenz der Hitzeereignisse

Die vergangenen Wochen brachten Portugal, Spanien und Frankreich die dort schon fast üblichen großen Hitzewellen. Allerdings kam die Hitze früher und dauerte länger. Die meteorologische Fachwelt schlägt Alarm.

Die Hitze sorgt in ganz Europa für ausgetrocknete Böden
Die Hitze sorgt in ganz Europa für ausgetrocknete Böden

Wir in Deutschland, Österreich unter der Schweiz haben die Hitzeglocke, den so genannten „heat blob“ bis heute nur in leicht abgeschwächter Form erlebt: statt 40-42oC Außentemperatur lagen wir bisher nur bei 37-39oC. In gleichem Umfang wurde Großbritannien getroffen und historische Temperaturrekorde purzelten im Tagestakt.

Politische Diskussionen v. Ventilatoren

Erstaunlicherweise lag die Diskussion in der Gesellschaft in den vergangenen Wochen auf der kurzfristigen Notwendigkeit, entweder Klimageräte oder Ventilatoren anzuschaffen, um damit die Auswirkungen der großen Hitze in den Häusern und Büros abzumildern.

Wo blieb der Aufschrei nach einer politischen Neuorientierung im Kampf gegen die Klimaveränderungen?

Es hat den Anschein, als ob sich unser Land mit den Folgen der Klimaveränderungen abgefunden- und diese als unausweichlich akzeptiert hat.

Dies würde erklären, warum wir uns lediglich mit der „Therapie“ beschäftigen, also der Abmilderung der Hitze - und nicht mit den dahinterliegenden Ursachen.

Reaktionen aus Großbritannien

Während die parlamentarischen Wochen der großen Hitze in Deutschland ohne das Thema Klima verliefen, veranstaltete Großbritannien eine große Konferenz, die sich ganz der notwendigen Transformationen im Kampf gegen die Erderwärmung widmete.

Gerade rechtzeitig zur rekordverdächtigen Hitzewelle fand in London vom 20.-26. Juni die internationale London Climate Action Week (LCAW) statt. Verschiedene Gremien aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und NGOs trafen sich in einer passenderweise schwülen Halle im Finanzviertel der britischen Hauptstadt.

Einer der Treffpunkte war ein altes Herrenhaus, das lange vor der Bewältigung der Auswirkungen der nicht enden wollenden Verbrennung fossiler Brennstoffe gebaut wurde. Das Ziel der Anwesenden war die lokale, aber auch die globale Unterstützung für die Schaffung von "mächtigen Maßnahmen", um die Welt von ihrer Abhängigkeit von Öl, Kohle und Gas zu befreien.

Hitzeereignisse: eines der prognostizierten Risiken des Klimawandels

Auf allen Veranstaltungen wurde betont, dass der „heat blob“ nicht nur mit ungewöhnlichem Wetter zu erklären sei. Klimawissenschaftler haben seit Jahrzehnten prognostiziert, dass der menschengemachte Klimawandel derartige Hitzewellen länger, heißer, häufiger und gefährlicher macht. Was die Teilnehmenden in dieser Woche in Teilen der Tagungsräume und auf Londons Straßen erlebt haben, war eine Live-Demonstration der Klimakrise - in Echtzeit.

Elektrifizierung - schwierig, aber notwendig

Die dringend notwendige Elektrifizierung mit regenerativen Energieträgern wurde an die Spitze der diesjährigen politischen Agenda der Konferenz gesetzt. Ein zusätzlicher Hintergrund neben der Bewältigung der Klimakrise war auch der Krieg im Nahen Osten und dessen Auswirkungen auf Preise - und Versorgungswege für fossile Energieträger.

Allerdings waren sich Teilnehmenden darin einig, dass die Transformation von „fossil“ zu „erneuerbar“ viel zu langsam verläuft. Eine Reduzierung der Nachfrage nach fossilen Brennstoffen könne alleine nicht ausreichen, um die Treibhausgasemissionen entscheidend zu senken.

Bis die Menschen mehrheitlich von Benzin- und Dieselautos zu Elektrofahrzeugen und von Gas- und Ölheizungen zu Wärmepumpen gewechselt haben, schreitet die derzeitige Dynamik der Erderwärmung weiter voran und führe zu den prognostizierten Folgen.

So definierte die Konferenz das zusätzliche Ziel, neben der Erzeugung von Energie auch das Thema des Energieverbrauchs in den Fokus zu nehmen.

In den letzten zehn Jahren haben erneuerbare Energien die Art und Weise, wie Strom erzeugt wird, komplett verändert

sagte IRENA-Chef Francesco La Camera. Er ergänzte:

Das nächste Jahrzehnt muss die Art und Weise, wie Energie verbraucht wird, verändern

Die COP31 Co-Gastgeber Türkei und Australien planen, ein neues globales Elektrifizierungsziel zum Mittelpunkt der Aktionsagenda der nächsten Weltklimakonferenz zu machen. Fünf Monate vor der COP31 im türkischen Antalya haben die EU zusammen mit dem Vereinigten Königreich in dieser Woche eine Initiative gestartet, um den Fortschritt des Ziels zu koordinieren.

Dahinter liegt auch die Überwindung der Hürden, die den Prozess verlangsamen, wie die massive Lobbyarbeit der fossilen Industrie als auch die politische Ausrichtung der „Fossilstaaten“ unter der Führerschaft der USA und Saudi Arabiens.

Diese haben die vergangenen Weltklimakonferenzen geprägt und dazu geführt, dass die Welt bei gemeinsamen Maßnahmen im Kampf gegen die Klimaveränderungen bisher keine Einigkeit erzielte.

Das wichtigste und prägnanteste Beispiel dafür ist das Finanzwesen, also fehlende Finanzhilfen für die Staaten, die von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen sind.

Entscheidungen zur Bewältigung der Klmakrise sind unausweichlich
Entscheidungen zur Bewältigung der Klmakrise sind unausweichlich

Palau - ein Beispiel der Hindernisse

Für die Pazifikinsel Palau ist die Mathematik fehlender Finanzhilfen sehr hart. Präsident Surangel Whipps Jr. sagte auf der Konferenz in London, dass die vom steigenden Meeresspiegel bedrohte Insel nicht weiterhin wertvolles Geld für immer teurere Importe fossiler Brennstoffe verschwenden könne. Gleichzeitig geriete ohne "schnelle, planbare und leicht zugängliche" Investitionen, die Elektrifizierungsrevolution durch regenerative Energieträger ins Stocken, bevor sie die Menschen erreicht, die sie am meisten brauchen.

Und nun?

Marine Le Pen, die Vorsitzende der rechtpopulistischen Partei Rassemblement National (RN), will ihr Land mit Klimaanlagen überziehen, sollte sie im kommenden Jahr als Präsidentin gewählt werden. In der aktuellen Hitzewelle in Frankreich stößt ihr populistischer Ansatz auf große Zustimmung.

Am 24.6. plädierte sie für einen bereits früher lancierten "Klimatisierungsplan": Der Staat soll Schulen, Krankenhäuser und Pflegeheime mit Klimaanlagen ausrüsten und Hausbesitzer bei der Installierung solcher Geräte mit Prämien unterstützen.

Es sei "kriminell", Krankenhauszimmer ohne Kühlung zu betreiben.

Wenn ich zur Staatspräsidentin gewählt werde, setze ich einen massiven Klimatisierungsplan in die Tat um.

so Le Pen bei ihrer Forderung.

Sie betonte, dass Frankreich mit seiner Atomenergie über weitgehend CO2-neutrale Elektrizität für den Betrieb von Klimaanlagen verfüge.

Diese Diskussion zeigt, dass nicht nur die Menschen in Deutschland die Folgen des Klimawandels mit einer Therapie bekämpfen wollen, anstatt sich endlich den Ursachen zu widmen, die für die Erderwärmung verantwortlich sind.

Ventilatoren und Klimageräte gegen Hitzeereignisse sind bestenfalls ein „Pflaster“. Sie sind aber kein Lösungsansatz gegen das, was diese Ereignisse auslöst: die nicht enden wollenden Mengen an schädlichen Treibhausgasen aus fossiler Energieerzeugung.

Artikelreferenz

LCAW. London Climate Action Week - Zusammenfassung.