Plastiksteuer ab 2027: Warum Verpackungen teurer werden könnten – und wer dafür bezahlt

Die Bundesregierung plant eine neue Abgabe auf Kunststoff in Verpackungen. Hersteller sollen zahlen – doch die Kosten dürften bei Verbrauchern landen. Neben dem Preis könnte sich auch die Verpackung einiger Produkte ändern.

Der erste Gesetzesentwurf zur Plastiksteuer sieht vor, das Hersteller 550 Euro je Tonne Kunststoff an den Staat abgeben – Kosten, die voraussichtlich die Verbraucher tragen werden. Bild: Shayna Douglas/Unsplash
Der erste Gesetzesentwurf zur Plastiksteuer sieht vor, das Hersteller 550 Euro je Tonne Kunststoff an den Staat abgeben – Kosten, die voraussichtlich die Verbraucher tragen werden. Bild: Shayna Douglas/Unsplash

Die Bundesregierung plant eine Verbrauchssteuer auf Kunststoff in Verpackungen. Nach dem vorliegenden Gesetzesentwurf zum Kunststoffverpackungsteuergesetz soll sie ab dem 1. Juli 2027 550 Euro je Tonne Kunststoff betragen. Das Vorhaben soll die bisher vom Bund bezahlte EU-Plastikabgabe auf die Verursacher umlegen.

Für 2027 rechnet die Regierung mit Einnahmen von rund 670 Millionen Euro. Ab 2028 sollen jährlich etwa 1,5 Milliarden Euro zusammenkommen. Zahlen muss die zunächst die Wirtschaft: Hersteller, Importeure und andere Unternehmen der Lieferkette sollen die Plastikmengen selbst erfassen und steuerlich melden.

Für Verbraucher dürfte die neue Belastung spürbar werden. Die Bundesregierung rechnet sogar damit, dass Unternehmen die Kosten weitergeben werden. Ein Joghurtbecher würde laut Umweltministerium mit rund 0,28 Cent belastet, eine große PET-Flasche mit etwa 1,93 Cent. Auch etwaige Bürokratiekosten könnten in die Produktpreise einfließen.

Was die Steuer auslösen könnte

Die Plastiksteuer umfasst nicht nur klassische Kunststoffverpackungen. Nach Angaben von Neue Verpackung könnten auch Papier, Pappe, Metall oder Textilien betroffen sein – sofern ihr Kunststoffanteil mindestens fünf Prozent des Gewichts ausmacht. Eine Ausnahme für Mehrwegverpackungen ist nicht vorgesehen.

Künftig sollen etwa 1,5 Milliarden Euro jährlich zusammenkommen – das Geld soll die derzeit vom Bund getragene EU-Plastikabgabe mitfinanzieren. Bild: Steve A Johnson/Unsplash
Künftig sollen etwa 1,5 Milliarden Euro jährlich zusammenkommen – das Geld soll die derzeit vom Bund getragene EU-Plastikabgabe mitfinanzieren. Bild: Steve A Johnson/Unsplash

Auch recycelter Kunststoff soll zunächst besteuert werden. Zwar ist geplant, dass die Beträge dafür später, sobald ein entsprechendes Nachweissystem existiert, erstattet werden. Wann ein solches System jedoch kommen wird, ist erst einmal offen. Bis dahin könnten Hersteller die Preise auch bei recycelten Verpackungen aufschlagen.

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) kritisiert das Vorhaben scharf. „Die Plastiksteuer ist ein Bürokratieprojekt mit ökologischem Etikett“, sagt Matthias Belitz, Leiter des Bereichs Nachhaltigkeit, Energie und Klimaschutz im VCI. „Sie macht Verpackungen teuer und sorgt für Einnahmen beim Staat.“ Für Recycling oder Kreislaufwirtschaft sei sie sogar kontraproduktiv und daher der falsche Ansatz. „Wer Recycling stärken will, muss Recycling belohnen – nicht Bürokratie aufbauen“, so Belitz.

Umweltverbände begrüßen die Plastiksteuer

Der VCI hält zudem die Bürokratiebelastung von 44 Millionen Euro für zu niedrig angesetzt. Schließlich müssten Unternehmen zusätzliche Anmeldungen abgeben, Kunststoffmengen dokumentieren und mit Kontrollen rechnen. Für die Zollverwaltung sind laut Verband fast 800 neue Stellen vorgesehen. Zudem könne die Steuer falsche Anreize setzen, weil allein die Kunststoffmenge ausschlaggebend sei, und nicht die Recyclingfähigkeit.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) bewertet die Abgabe hingegen positiv. Die Organisation sieht darin einen finanziellen Anreiz, Einwegverpackungen zu vermeiden, das Mehrwegmodell attraktiver zu machen und Recycling auszubauen. DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz sagt: „Es ist wichtig und richtig, dass klimaschädliche und nicht recycelte Einweg-Plastikverpackungen endlich einen Preis bekommen sollen.“

Metz fordert jedoch auch eine stärkere ökologische Ausrichtung. Die Plastiksteuer solle Hersteller belohnen, die Recyclingmaterial oder gut recycelbare Verpackungen einsetzen. Um das Ausweichen auf andere Einwegmaterialien zu verhindern, müsse die Abgabe zudem breiter greifen.

Im EU-Vergleich wäre der deutsche Satz von 550 Euro je Tonne relativ hoch angesetzt. Spanien verlangt 450 Euro, Italien plant eine Abgabe ab 2027. Seit dem Jahr 2021 berechnet die EU selbst 800 Euro je Tonne nicht recycelter Kunststoffverpackungsabfälle, nämlich als Beitrag der Mitgliedstaaten zum EU-Haushalt. Deutschland trägt diese Kosten aktuell aus dem Bundeshaushalt.