Neue Studie: Jeder zweite Jugendliche fühlt sich einsam

Jeder zweite Jugendliche fühlt sich regelmäßig einsam. Eine neue Studie zeigt, dass dieses Gefühl so stark wie Schulstress auf den Kindern lastet. Und digitale Vernetzung nur bedingt hilft.

Die Ergebnisse einer neuen Studie von Vodafone sind besorgniserregend (Foto: Adobe Stock)

Sie sind ständig online, vernetzt und erreichbar. Und doch fühlt sich fast jeder zweite Jugendliche in Deutschland einsam. Ein trauriges Ergebnis, das nun eine aktuelle Untersuchung der Vodafone-Stiftung, die in Berlin vorgestellt wurde, ans Licht befördert hat. Demnach gaben rund 50 Prozent der 1046 befragten 14- bis 20-Jährigen an, dass Einsamkeit zu ihrem Alltag gehöre. Ein Geständnis, das aufhorchen lässt und für besorgte Mienen sorgt. Denn das Gefühl wird von den Jugendlichen als ähnlich belastend beschrieben wie Schulstress, Zukunftsängste oder mentale Erschöpfung. Einsamkeit ist damit kein Randphänomen, kein flüchtiger Stimmungsschatten, sondern ein ernstzunehmender Stressfaktor.

Junge Frauen leiden häufiger als Jungs

Was bei der aktuellen Studie vor allem ins Auge sticht, ist der deutlich Unterschied zwischen den Geschlechtern. Junge Frauen berichten häufiger von Einsamkeit als junge Männer. Die Gründe dafür sind vielschichtig: gesellschaftliche Erwartungen, sozialer Vergleichsdruck oder stärkere emotionale Selbstreflexion könnten eine Rolle spielen.

Kein Tabu-Thema: Einsamkeit muss sichtbar gemacht werden

Matthias Graf von Kielmansegg, Geschäftsführer der Stiftung, ordnet die Ergebnisse klar ein. Einsamkeit unter jungen Menschen sei kein persönliches Versagen, sondern Ausdruck eines strukturellen Wandels. Wenn selbst intensive digitale Kommunikation nicht automatisch zu mehr Verbundenheit führe, müsse man die Ursachen tiefer analysieren, betont er. Seine zentrale Forderung lautet deshalb: Das Thema darf kein Tabu sein. Einsamkeit müsse sichtbar gemacht, offen diskutiert und aktiv adressiert werden. Sowohl in Familien, Schulen und auch politischen Institutionen.

Soziale Medien sind Brücke und Barriere zugleich

Die Rolle sozialer Medien ist ambivalent. Etwa die Hälfte der Jugendlichen nutzt Plattformen gezielt, um sich weniger allein zu fühlen. Dabei vermitteln Chats, Storys und Likes nur kurzfristig Nähe und Zugehörigkeit. Stattdessen erhöhen die sozialen Medien den Druck auf die Jugendlichen. Denn wer ständig mit scheinbar perfekten Bildern und Vorstellungen konfrontiert wird, erlebt soziale Medien schnell als Verstärker von Isolation. Intensive Nutzung geht laut Studie bei vielen mit negativen Emotionen einher. Die digitale Welt ersetzt also nicht automatisch reale Bindung. Sie kann Brücke sein. Oder eben eine Barriere.

Persönliche Begegnungen wirken nachhaltiger

Genau aus diesem Grund ziehen viele Treffen mit Freundinnen und Freunden, gemeinsame Aktivitäten, echte Gespräche vor. Denn diesen werden als deutlich wirksamer gegen Einsamkeit empfunden als digitale Angebote. Apps oder Online-Programme gelten nur für die wenigsten als nachhaltige Strategie. Denn echte Nähe entsteht offenbar dort, wo Blickkontakt möglich ist, wo Körpersprache, gemeinsame Erlebnisse und spontane Reaktionen Raum bekommen.