DAC - eine Option zur CO2-Entnahme aus der Atmosphäre

Unter dem Überbegriff Geoengineering untersuchen Wissenschaft und Industrie geeignete Methoden, um aus bestimmten Produktionsverfahren emittiertes Kohlendioxid (CO2) vor oder nach dem Eintritt in die Atmosphäre einzufangen und zu speichern.

DAC-Anlage auf Island
DAC-Anlage auf Island

Neben CCS (Carbon Capture and Storage) hat die fossile Industrie noch eine weitere "Wunderwaffe" in ihrem Portfolio, um von der eigentlichen Kernfrage, nämlich des raschestmöglichen Ausstiegs aus den Fossilen abzulenken.

Wäre es nicht wirklich eine technologische Sensation, wenn man riesige Staubsauger hätte, die „man“ irgendwie mit der Atmosphäre in Verbindung brächte? Dort würden sie dann auf wundersame Weise die Treibhausgase und ganz speziell das CO2 absaugen und auf die Erde zurückzubringen. Danach könnte man das abgesaugte Material speichern oder anderweitig nutzen. Eine verrückte Utopie von durchgeknallten Wissenschaftlern oder ein Geniestreich?

Direct Air Capture (DAC)

So verrückt es auch klingen mag: DAC gehört bereits zu den Optionen an Wundertüten der Ölkonzerne - und zwar nicht, um wie bei CCS Emissionen zu vermeiden, sondern diese zu reduzieren.

Die eher wissenschaftlich unbedarfte. Riege der Politikerinnen und Politiker heißt solche Ideen natürlich herzlich willkommen, denn sie bedeuten ja eine Möglichkeit der Fortsetzung des fossilen Zeitalters.

Der Vorteil von DOC ist ein direkter Eingriff in das bereits emitierte CO2-Kontingent in der Atmosphäre. Dessen durch DAC-Anlage ausgelöste, unmittelbare Reduzierung entspricht einer Negativemission. Bei genügend „abgesaugtem“ CO2 Gehalt aus der Atmosphäre sorgt man in der Theorie des Verfahrens mittel- und langfristig für einen allmählichen Rückgang der durchschnittlichen Oberflächentemperatur auf der Erde. Theoretisch.

DAC in der Praxis

Derzeit gibt es weltweit 30 DAC-Anlagen. Hinzu kommt in naher Zukunft ein Projekt des US Ölkonzerns Occidental Petroleum in Texas. Dort soll in Kürze die weltweit größte DAC-Anlage unter dem Projektnamen Stratos in Betrieb gehen. Das Ziel ist es, mit der Anlage circa 500.000 Tonnen CO2 aus der Atmosphäre zurückzuholen. Die von Stratos angeplante Menge fängt nur rund 0,2 Prozent der Emissionen von Occidental Petroleum ein.

Noch wird das Projekt offiziell vorangetrieben, aber mit der erratischen Politik der US-Regierung könnte es als „unnütz“ abgestempelt und eingestellt werden.

Im Vergleich zu anderen bestehenden DAC-Anlagen ist die genannte Menge enorm. Der bisherige Rekord lag bei einer Anlage auf Island, mit der 36.000 Tonnen CO2 aus der Atmosphäre entnommen werden konnten.

Einige potentielle Investoren von DAC-Anlagen erwarten, dass sich die gefilterte Menge in den nächsten Jahren vervielfachen ließe. Ohne das in Zweifel zu stellen, muss man einfach erkennen, dass es viele Anlagen von der Größe des Stratos-Projektes bräuchte, um spürbare Effekte zu erzielen.

Die Stratos-Anlage umfasst eine Fläche von 26 ha, was in etwa der Fläche des Wannsee entspricht. Bei der Betrachtung potentiell neuer Anlagen sind auch der Ressourcenverbrauch und die beim Bau anfallenden Emissionen zu berücksichtigen.

Ich habe die Informationen zur Stratos-Anlage und zu deren Investor am Ende dieses Artikels verlinkt. Die Videoaufnahmen geben einen guten Eindruck über die enorme Dimension der Anlage.

Kosten von DAC

Die Kosten der angeblichen Wunderwaffe DAC sind enorm. Derzeit liegen sie pro Tonne gefiltertem CO2 im hohen dreistelligen Bereich. Damit ist das Verfahren nicht auf Rentabilität ausgerichtet, sondern dient lediglich als Vorzeigeprojekt, das mit Steuergeldern finanziert am Leben gehalten wird. Die Anlage in Texas kostet circa 1,3 Milliarden US-Dollar. Die Hälfte davon sind staatliche Subventionen aus dem Inflation Reduction Act der Biden-Regierung.

Wohin mit dem abgesaugten CO2?

Das größte Hindernis des Prozesses, um mit dem DAC-Verfahren CO2 aus der Atmosphäre abzusaugen, liegt in dem abgesaugten „Material“. Die meisten bestehenden DAC-Projekte filtern das CO2 nicht, um es anschließend im Boden zu speichern und es damit (wenigstens für einige Zeit) ganz aus der Atmosphäre zu bringen.

Fast alle Projektbetreiber verkaufen das CO2 für Weiternutzung im Rahmen von Industrieprozessen, die CO2 bei der Herstellung verwenden. Bestenfalls wird es bei diesen Prozessen langfristig gespeichert, zum Beispiel wenn es in Baustoffen gebunden ist.

Sehr viel negativer wäre es, wenn man das eingefangene CO2 zum Beispiel zu E-Fuels weiterverarbeitet, bei deren Verbrennung es wieder in die Atmosphäre gelangt. Oder wenn man es für die Gewinnung fossile Rohstoffe nutzt.

Auf seiner Webseite schreibt Occidental, dass der Konzern das von der Stratos-Anlage gebundene Gas für „enhanced oil recovery“ einsetzen will. Bei dieser Methode wird CO₂ in Öl-Reservoire injiziert, um den Rohstoff effizienter aus dem Boden zu bekommen.

Das gewonnene Öl nennt Occidental dann "Netto-Null-Öl". Der zur Hälfte staatlich finanzierte Betrieb der Stratos-Anlage wird auf diese Weise zu einem großen Greenwashing-Projekt.

Es erscheint in Anbetracht dieses Beispiels als unwahrscheinlich, dass eine DAC-Anlage dem Klimaschutz dient, wenn sie von einem Ölkonzern betrieben wird.

Daran lassen auch die Aussagen des Occidental-Chefs Vicki Hollub keine Zweifel. Die DAC-Technologie werde das Geschäft mit fossilen Energien aufrechterhalten, sagte er 2023 auf einer Konferenz der US-Energieindustrie.

Sie (…die DAC-Technologie) ist ein Freibrief für unsere Branche, noch weitere 60, 70 oder 80 Jahre zu bestehen, was meiner Meinung nach dringend notwendig ist.

DAC- das Deckmäntelchen der Ölindustrie

Die Methoden rund um das Auffangen und Speichern von CO₂ sind in den letzten Jahren zu einer wichtigen Verzögerungstaktik der fossilen Industrie geworden.

Bei der Weltklimakonferenz, die vor kurzem in Belém stattfand, waren 531 Lobbyisten der CCS und DAC-Branche vor Ort. Einige von ihnen waren sogar Teil der offiziellen Länderdelegationen und bekamen privilegierten Zugang zu den Verhandlungsrunden.

Es ist ein Tatsache, dass wir ein wenig an DAC und CCS brauchen, um eine Klimaneutralität zu schaffen. Deshalb sind die Technologien auch Teil vieler IPCC-Szenarien. Sinnvoll sind sie aber nur in kleinem Maßstab und um Emissionen auszugleichen, die sich schwer vermeiden lassen, etwa aus der Stahlproduktion oder der Zement bzw. Chemieindustrie.

CO₂ aus der Luft einzufangen, um damit Kohle, Öl und Gas schönzurechnen, ist vor allem eines: eine große und aufwendige Greenwashing-Lüge.

Auch die Idee zu diesem Artikel und viele der dargestellten Fakten stammen aus einem Beitrag vom Klimablog Treibhauspost aus Berlin und der Arbeit meiner Kollegen Julian Gupta und Manuel Kronenberg.

Links

Stratos-DAC-Anlage

Zur Nutzung von aufgefangenem CO2 bei der Ölproduktion

Daten zu Occidental Petroleum