China beschleunigt die Energiewende
Am 22. April gab China eine Reihe von Leitlinien zur Energieeinsparung und Reduzierung der CO2-Emissionen bekannt. Darin werden die lokalen Regierungen aufgefordert, "den Verbrauch fossiler Brennstoffe streng zu kontrollieren", wie es in einem Text der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua heißt.

Hu Min, Direktor und Mitbegründer des in Peking ansässigen Institute for Global Decarbonization Progress (iGDP), also des Instituts für globalen Fortschritt bei der Dekarbonisierung, sagte in Kommentaren gegenüber Carbon Brief, dass das Dokument ein klares Signal für den Wunsch der politischen Führer Chinas sei, den Kohleverbrauch des Landes zu reduzieren.
Dies ist für den Dekarbonisierungspfad unbedingt notwendig, denn der Kohleanteil bei der Stromproduktion liegt nach einer Anaylse von LowCarbonPower bei 54,6 Prozent.
Das Leitlinien-Dokument beschreibt einen "Weg, die Dinge voranzutreiben", bis spezifischere und deutlichere Richtlinien dazu veröffentlicht werden. Chinesische Regierungsbeamte stellten fest, dass die Vorgehensweise von großer Bedeutung für den Aufbau eines breiteren und stärkeren Konsenses zur Energiewende in der gesamten Gesellschaft sei. Dies berichtete die Informationsplattform Tanpaifang.
Erhöhte Aufsicht
Am nächsten Tag kündigte die Regierung neue Bewertungskriterien an, um die Provinzen für ihre Bemühungen zur Erreichung der Klimaziele Chinas zu beurteilen. Diese konzentrieren sich vor allen Dingen auf die Erhöhung des Verbrauchs von sauberer Energie und der Begrenzung der Verwendung von Kohle und Öl, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete.
Die in den Kriterien enthalten 14 Indikatoren unterstreichen Chinas Schlüsselprioritäten und fördern breitere Bemühungen zur Reduzierung von fossilen Treibhausgasen. Diese Informationen erschienen bei der Energienachrichtenagentur China Energy Net.
Sie würden auf einem in China bereits bestehendem Inspektionssystem basieren, um ein viel stärkeres Rechenschafts- und Compliance-System" zu schaffen, sagte Qin Qi, China-Analyst beim Zentrum für Forschung zu Energie und Luftreinheit, gegenüber Carbon Brief.
Seltene Signale
Beide Dokumente wurden von den höchsten Ebenen des politischen Systems der Nation herausgegeben, was extrem selten sei und "die strategische Bedeutung" der Klimaziele Chinas widerspiegelt, sagte Wu Hongjie, stellvertretender Generalsekretär des China Carbon Neutrality 50 Forums, gegenüber der digitalen Medienagentur Jiemian News.
Wetterrisiken steigen an
Starke und rekordverdächtige Niederschläge haben Zentral- und Südchina getroffen. Besonders hatten die Provinzen Hunan, Guizhou und Jiangxi in der letzten Aprilwoche unter dem Extremregen zu leiden.
Am 26. und 27. April fiel in einem Teil der Provinz Guangxi bis zu 14 cm Regen pro Stunde und pro Quadratmeter, wie die staatliche Zeitung Global Times berichtete.
Der chinesische Vizepremier Liu Guozhong traf sich in der gleichen Woche mit der Generalsekretärin der Weltorganisation für Meteorologie, Celeste Saulo, um die Zusammenarbeit bei der globalen "meteorologischen Steuerung" zu besprechen. Die Diskussion betraf Frühwarnsysteme und Katastrophenhilfe.
Mehr Unheil befürchtet das Land durch den möglicherweise schon im Mai beginnenden El Niño.
Beamte des chinesischen National Climate Center (NCC) vermuten, dass sich ein El Niño-Wettermuster "wahrscheinlich um den Mai herum eingestellt" und sich "im Sommer und Herbst intensivieren wird", wie die China Daily berichtete.
Die staatliche Zeitung zitierte auch den obersten NCC-Wetteranalysten Chen Lijuan. Dieser betonte, dass es wohl verfrüht sei, zu dem Schluss zu kommen, dass dieser El Niño am stärksten seit 140 Jahren ausfallen könnte, oder dass es zu rekordverdächtiger Hitze käme. Allerdings macht er deutlich, dass die Risiken eines solchen Wetterphänomens "deutlich zunehmen würden".
Die Situation der Erneuerbaren in China
Chinas Kapazität für saubere Energienetze überstieg im März 2026 eine Kapazität von 2.400 Gigawatt (GW). Dies berichtete der staatliche Sender CGTN in einer Reportage.
Die Energienachrichtenagentur International Energy Net zitierte Regierungsbeamte dahingehend, dass Chinas operative Kapazität für "grünen Wasserstoff" bei 250.000 Tonnen läge, wobei weitere 900.000 Tonnen im Bau sind.
Solar wächst etwas langsamer
Eine Datenveröffentlichung zeigte, dass China in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 etwas mehr als 41 GW an neuer Solarkapazität hinzugefügt hat. Im Vergleich dazu lag der Zuwachst gegenüber im Zeitraum Januar-März 2025 bei etwa 60 GW. Dabei spielt offensichtlich die weltweit stark steigende Nachfrage nach chinesischer Technologie bei der Lieferung von Technik für alle erneuerbaren Energiesystem eine Rolle, also Export vor Ausbau im eigenen Land.
In einer separaten Pressekonferenz bestätigten chinesische Beamte gegenüber Bloomberg, dass sich ein Versprechen im 15. Fünfjahresplan, die nicht-fossile Energie in 10 Jahren zu verdoppeln, auf die Energiekapazität und nicht auf die Erzeugung oder den Verbrauch bezog. Der Referenzzeitraum liegt in den Jahren von 2025 bis 2035.
Die Wirtschaftsnachrichtenagentur Economic Daily sagte, dass das Verdoppelungsziel "eines der ehrgeizigsten Ziele in Chinas Geschichte der Energiewende" sei. Eine derartige Beschleunigung der Energiewende würde es dem Land ermöglichen, sowohl seine Abhängigkeit vom internationalen Energiemarkt zu verringern als auch die höchsten Ebenen im globalen Wettlauf beim Ausbau kohlenstoffarmer Industrien zu entwickeln.
All diese einzelnen Segmente und Berichte unterstreichen, dass China sich als Motor für den Wechsel von fossilen Energieträgern zu regenerativen Energien sieht.
Dies beinhaltet auch das Thema Kernkraft, das für China eine der sauberen Energiequellen darstellt.
China sieht sich dabei als Pionier für Kernfusionsreaktoren als auch für SMR-Kernkraftwerke, also kleinen, modularen Reaktoren auf Basis der aktuellen Technologien der Kernspaltung.
Beide Technologien haben entweder - wie im Falle von Kernfusion- noch keine technologische Machbarkeit oder -wie im Falle von SMR- noch keine wirtschaftliche Machbarkeit.
So setzt China weiterhin auf den Zubau von derzeit 35 Druckwasserreaktoren mit einer Kapazität von ca. 39 GW, um diese zu den bestehenden 60 Reaktoren mit einer Kapazität von 58,77 GW hinzuzufügen.
Diese stellen heute in China 4,6 Prozent der Stromerzeugung dar.
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