Bundesweiter Hitzeaktionstag am heutigen 11. Juni: WHO warnt vor zunehmender Hitze und steigenden Gesundheitsrisiken
Haben Sie schon vom Hitzeaktionstag gehört? Heute, am 11. Juni, machen Gesundheitsorganisationen, Kommunen und die WHO auf eine Gefahr aufmerksam, die in Deutschland jedes Jahr tausende Menschenleben fordert: extreme Hitze.

Während Hochwasser, Stürme oder Starkregen oft große Aufmerksamkeit erhalten, bleibt eine andere Folge des Klimawandels häufig weniger sichtbar: Hitze.
Dabei gilt sie inzwischen als das größte klimawandelbedingte Gesundheitsrisiko in Deutschland. Genau deshalb findet am 11. Juni der bundesweite Hitzeaktionstag statt.
Deutlicher kann die Analyse der Initiatoren des bundesweiten Hitzeaktionstags kaum ausfallen. Um diese Lücke zu schließen und den gesundheitlichen Hitzeschutz stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, wurde der Aktionstag ins Leben gerufen.
Hinter der Initiative steht ein breites Bündnis aus Gesundheits-, Sozial- und Klimaschutzorganisationen.
Dazu gehören der AWO Bundesverband, die Bundesärztekammer, die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der Deutsche Pflegerat, der GKV-Spitzenverband sowie die Klima-Allianz Deutschland. Seit 2026 gehört zudem die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) zum Kernteam.
WHO stellt neuen Leitfaden für Hitzeschutz vor
Passend zum Aktionstag hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO Europa) in Berlin einen neuen Leitfaden für Hitzeaktionspläne vorgestellt. Er soll Behörden weltweit dabei unterstützen, Menschen besser vor den gesundheitlichen Folgen extremer Hitze zu schützen.
Nach Angaben der WHO führen hohe Temperaturen jedes Jahr zu einer Zunahme hitzebedingter Erkrankungen und vorzeitiger Todesfälle.
Besonders häufig verschlechtern sich Herz-Kreislauf-Erkrankungen während längerer Hitzeperioden. Gefährdet sind vor allem ältere Menschen, chronisch Kranke, Säuglinge, Schwangere sowie Personen, die im Freien arbeiten.
In den vergangenen vier Jahren seien europaweit mehr als 200.000 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben. Hitze sei ein „stiller Killer“, der jedoch nicht unvermeidbar sei.
Mit dem neuen Leitfaden erhalten Behörden einen wissenschaftlich fundierten Rahmen, um Warnsysteme, Vorsorgemaßnahmen und Krisenpläne auszubauen.
Hitze wird zur Herausforderung für Städte und Gesundheitssysteme
Die zunehmende Urbanisierung verschärft das Problem zusätzlich. In dicht bebauten Städten entstehen sogenannte Wärmeinseln, in denen die Temperaturen oft deutlich höher liegen als im Umland. Versiegelte Flächen speichern Wärme, während Grünflächen und Wasserflächen fehlen, die für Abkühlung sorgen könnten.
Bundesumweltminister Carsten Schneider betonte deshalb, Hitzeschutz sei auch eine soziale Frage.
Menschen ohne Zugang zu kühlen Rückzugsorten seien besonders betroffen. Stadtbäume, Parks, renaturierte Flüsse und entsiegelte Flächen könnten dazu beitragen, die Temperaturbelastung spürbar zu reduzieren.
Auch Berlin sieht sich als Vorreiter beim Hitzeschutz. Gesundheitssenatorin Ina Czyborra verwies auf den landesweiten Hitzeaktionsplan der Hauptstadt. Dieser umfasst zahlreiche Maßnahmen von Informationskampagnen über Warnsysteme bis hin zur langfristigen Anpassung der Stadtentwicklung.
„Gemeinsam vorsorgen gegen Extremhitze“
Unter diesem Motto steht der Hitzeaktionstag 2026. Das begleitende Positionspapier fordert eine stärkere Vorbereitung Deutschlands auf häufigere und intensivere Hitzewellen.
Gefordert werden unter anderem verbindliche kommunale Hitzeaktionspläne, eine stärkere finanzielle Unterstützung von Städten und Gemeinden, hitzeresiliente Gebäude und Infrastruktur sowie die konsequente Einbindung von Gesundheits-, Pflege- und Sozialeinrichtungen in Hitzeschutzstrategien.
Darüber hinaus soll Hitze künftig stärker im Katastrophenschutz berücksichtigt werden. Denn extreme Hitze kann nicht nur die Gesundheit der Bevölkerung gefährden, sondern auch Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Rettungsdienste erheblich belasten.
#Hitzeaktionstag 2026! Die Krankenhauseinweisungen aufgrund von #Flüssigkeitsmangel in Nordrhein-Westfalen sind seit 2020 um mehr als 25 Prozent angestiegen. In 2020 wurden 25.133 Menschen deswegen stationär behandelt. https://t.co/D49yRMpRrd pic.twitter.com/RLbIYm3w0s
— AOK NordWest (@AOKNordWest) June 11, 2026
Vorbereitung statt Reaktion
Fachleute gehen davon aus, dass Hitzewellen durch den fortschreitenden Klimawandel künftig häufiger, länger und intensiver ausfallen werden. Temperaturen von deutlich über 40 Grad Celsius, die lange als Ausnahme galten, könnten auch in Deutschland häufiger auftreten.
Der Hitzeaktionstag verfolgt deshalb ein klares Ziel:
Die Gesellschaft soll lernen, Hitze nicht nur als sommerliche Begleiterscheinung zu betrachten, sondern als ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko.
Die neue WHO-Leitlinie und die Forderungen des Aktionsbündnisses zeigen, dass wirksamer Hitzeschutz weit mehr umfasst als Wetterwarnungen. Er beginnt bei der Stadtplanung, reicht über das Gesundheitswesen bis hin zum individuellen Verhalten jedes Einzelnen.
Je früher diese Maßnahmen umgesetzt werden, desto besser lassen sich die gesundheitlichen Folgen extremer Hitze begrenzen.
Quellen
WHO-Leitfaden „Heat-Health Action Plans“ (2. Ausgabe, 2026); Positionspapier 2026 „Krisenresilienz bei Extremhitze stärken“ des Bündnisses Hitzeaktionstag
Informationen und Hintergrundmaterialien des Hitzeaktionstags 2026.