Fatal! Als BND und Bundeswehr vor der Klimakrise warnten – und kaum jemand hinhörte: Die übersehene Sicherheitsstudie
Am 12. Februar 2025 veröffentlichten das Auswärtige Amt, das Bundesministerium der Verteidigung und der Bundesnachrichtendienst eine Studie, die Deutschland eigentlich wochenlang hätte beschäftigen müssen.

Die Nationale Interdisziplinäre Klima-Risikoeinschätzung (NiKE) kommt zu dem alarmierenden Schluss:
Beteiligt waren Experten des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), des Think Tanks adelphi, der Bundeswehruniversität München sowie des Bundesnachrichtendienstes.
Die Botschaft der Studie ist eindeutig: Wer Sicherheit denkt, muss Klima mitdenken.
Eine Warnung aus dem Herzen des Sicherheitsapparates
Bemerkenswert ist vor allem, aus welchen Institutionen diese Warnung kommt. Es sind nicht allein Klimaforscher oder Umweltorganisationen, sondern das Auswärtige Amt, das Verteidigungsministerium und der Bundesnachrichtendienst – also zentrale Akteure der deutschen Sicherheitsarchitektur.
Sie steht damit in einer Reihe mit klassischen Bedrohungen wie geopolitischen Spannungen, Cyberangriffen oder internationalem Terrorismus.
Gerade diese Einordnung zeigt, wie stark sich das Verständnis von Sicherheit verändert – weg von einer rein militärischen Logik hin zu einem umfassenden Risikoansatz, der Klima, Stabilität und globale Entwicklungen gemeinsam betrachtet.
Extremwetter wird zur Dauerbelastung
Die Studie beschreibt ein Deutschland, das sich bereits heute messbar verändert.
Hitzewellen, längere Trockenperioden, Waldbrände und Starkregenereignisse nehmen in Häufigkeit und Intensität zu.
Auch Ereignisse vergleichbarer Größenordnung wie die Flut im Ahrtal 2021 könnten künftig wahrscheinlicher werden. Selbst Regionen, die bislang als vergleichsweise sicher galten, müssen sich zunehmend auf neue klimatische Risiken einstellen.
Zwischen 2000 und 2021 verursachten Extremwetterereignisse in Deutschland Schäden in der Größenordnung von rund 145 Milliarden Euro – eine Summe, die sowohl direkte als auch indirekte volkswirtschaftliche Folgen umfasst.
Die Autoren der Studie betrachten dabei nicht nur materielle Schäden.
Die Klimakrise endet nicht an Deutschlands Grenzen
Besonders betroffen werden nach Einschätzung der Studie Teile Südeuropas sein.
Dürre, Wasserknappheit und zunehmende Hitzewellen bedrohen dort Landwirtschaft, Tourismus und Gesundheitswesen.
Gleichzeitig nehmen weltweit Konflikte um Wasser, Nahrung und nutzbare Lebensräume zu. Die Klimakrise wirkt dabei häufig als Verstärker bereits bestehender Krisen.
Die Autoren warnen davor, Klima-, Sicherheits- und Geopolitik künftig getrennt voneinander zu betrachten.
Warum wurde darüber kaum gesprochen?
Genau an diesem Punkt beginnt die eigentliche gesellschaftliche Frage:
Wie soll die Bevölkerung die tiefgreifenden Veränderungen mittragen, die zur Bewältigung der Klimakrise notwendig sind, wenn die Risiken kaum öffentlich diskutiert werden?
Wie sollen Bürgerinnen und Bürger verstehen, warum Klimaschutz, Energiewende oder Anpassungsmaßnahmen notwendig sind, wenn selbst eine der umfassendsten Sicherheitsanalysen der Bundesrepublik kaum Aufmerksamkeit erhält?
Natürlich ersetzt Aufklärung keine politische Entscheidung. Aber demokratische Veränderungen benötigen informierte Bürgerinnen und Bürger.
Wer von der Gesellschaft Resilienz, Anpassung und Mitwirkung erwartet, muss auch dafür sorgen, dass die zugrunde liegenden Risiken verständlich kommuniziert werden.
Wer die grüne Revolution verschläft, verliert mehr als Märkte
China nimmt bei vielen grünen Schlüsseltechnologien bereits eine führende Rolle ein und könnte von der weltweiten Energiewende erheblich profitieren.
Die NiKE-Studie macht deutlich, dass es dabei nicht nur um Klimaschutz geht, sondern um wirtschaftliche Stärke, geopolitischen Einfluss und nationale Sicherheit.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob die Transformation stattfindet, sondern wer am Ende von ihr profitiert.
Ohne effektiven #Klimaschutz ist die Existenzgrundlage aller Menschen, ihr Wohlstand, unsere innere Stabilität in #Deutschland & #Europa bedroht. Die globale #Sicherheit steht auf dem Spiel. @ABaerbock zur heutigen Veröffentlichung der #KlimaRisikoNiKE https://t.co/PX4d6ivmFg pic.twitter.com/tVO8wcgmTI
— Auswärtiges Amt (@AuswaertigesAmt) February 12, 2025
Mehr als ein Umweltproblem
Vielleicht ist deshalb die wichtigste Erkenntnis der Studie nicht allein die Beschreibung zukünftiger Risiken, sondern die Frage, warum ein Bericht, der von Teilen des deutschen Sicherheitsapparates mitgetragen wird und die Klimakrise als eine der größten Bedrohungen für Deutschland einstuft, bislang kaum Teil der öffentlichen Debatte geworden ist.
Denn wenn die Klimakrise tatsächlich eine Sicherheitsfrage ist, reicht es nicht, darüber nur in Fachkreisen zu sprechen. Dann gehört diese Diskussion in die Mitte der Gesellschaft – und setzt voraus, dass die zugrunde liegenden Informationen auch entsprechend vermittelt und eingeordnet werden.
Made in Germany – bald nur noch eine Erinnerung?
Vom Exportweltmeister zum Zuschauer? Beim Wettlauf um die Technologien der Zukunft und dem damit verbundenen Wohlstand der kommenden Jahrzehnte steht auch das industrielle Modell Deutschlands unter Anpassungsdruck.
„Made in Germany“ – ein Begriff, der über Jahrzehnte für industrielle Stärke und internationale Wettbewerbsfähigkeit stand – wird damit selbst Teil einer größeren Transformationsfrage.
Nicht nur die Frage, wie sich dieses Modell verändert, ist entscheidend, sondern auch, wie gut die gesellschaftlichen Grundlagen für das Verständnis dieser Veränderungen ausgeprägt sind.
Zwischen technologischer Umwälzung, geopolitischem Wettbewerb und Klimatransformation entsteht damit eine zentrale Herausforderung: eine Entwicklung, die analytisch klar beschrieben ist, aber in ihrer gesellschaftlichen Dimension noch nicht vollständig angekommen ist.
Quelle
Auswärtiges Amt – „Klimaschutz als Sicherheitspolitik: Erste nationale interdisziplinäre Klima-Risikoeinschätzung (NiKE) veröffentlicht“
Nationale Interdisziplinäre Klima-Risikoeinschätzung (NiKE) – Offizielle Projektseite des Metis Instituts der Bundeswehruniversität München
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