Ausgestorben? Von wegen! Wildkatze taucht nach Jahrhunderten wieder in Schleswig-Holstein auf

Erstmals seit Jahrhunderten ist die Europäische Wildkatze genetisch in Schleswig-Holstein nachgewiesen. Der Fund gilt als Meilenstein für den Naturschutz.

Sie ist wieder da! Wildkatze kehrt nach Jahrhunderten in den Norden zurück – Gen-Test beweist Sensation
Sie ist wieder da! Wildkatze kehrt nach Jahrhunderten in den Norden zurück – Gen-Test beweist Sensation

Die Nachricht klingt unscheinbar, ist aber von erheblicher Tragweite: Die Europäische Wildkatze ist offiziell nach Schleswig-Holstein zurückgekehrt.

Erstmals seit dem Mittelalter wurde ein Tier genetisch eindeutig nachgewiesen. Damit endet eine jahrhundertelange Leerstelle auf der Verbreitungskarte einer der scheuesten heimischen Wildtierarten.

Der Nachweis gelang nicht im Rahmen eines groß angelegten Forschungsprojekts, sondern durch einen Zufall mit dramatischem Ausgang. Im Herbst 2025 entdeckte ein Jäger im Kreis Herzogtum Lauenburg eine Katze, die sich in einem Knotengitterzaun verfangen hatte. Das Tier konnte nicht mehr entkommen. Der Mann schnitt den Zaun auf, rettete die Katze – und sammelte einige Haare, die am Draht zurückblieben.

Genetischer Beweis statt bloßer Vermutung

Diese Haare wurden vom Landesamt für Umwelt Schleswig-Holstein (LfU) an das Institut Senckenberg in Gelnhausen geschickt. Dort erfolgte die genetische Analyse, die keinen Zweifel ließ: Es handelte sich um eine Europäische Wildkatze. Damit ist erstmals ein hundertprozentig gesicherter Nachweis für Schleswig-Holstein erbracht.

Bereits im März 2025 hatte eine Wildkamera im selben Gebiet ein Tier mit typischen Merkmalen wie buschigem Schwanz und markanter Nackenzeichnung fotografiert. Doch erst die genetische Untersuchung liefert die Gewissheit, die für den Artenschutz entscheidend ist.

Ein Meilenstein für den Naturschutz

Für Fachleute ist der Fund mehr als eine zoologische Randnotiz. „Ein echter Meilenstein für die Art“, nennt das LfU den Nachweis.

Denn bislang galt die Elbe als natürliche Ausbreitungsgrenze der Wildkatze nach Norden.

Das genetisch belegte Vorkommen deutet darauf hin, dass diese Barriere zumindest punktuell überwunden wurde.

Ob es sich um ein einzelnes Tier handelt oder um den Vorboten einer dauerhaften Wiederbesiedlung, ist offen. Genau hier setzt nun die nächste Phase der Forschung an.

Lockstock-Monitoring im hohen Norden

Gemeinsam mit dem LfU, der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und weiteren Partnern startet der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erstmals ein sogenanntes Lockstock-Monitoring im Land:

  • Dabei werden Holzstöcke in potenziellen Lebensräumen aufgestellt und mit Baldrian besprüht.
  • Der Geruch wirkt auf Wildkatzen ähnlich wie ein Sexuallockstoff.
  • Reiben sich die Tiere an den rauen Oberflächen, bleiben Haare zurück, die genetisch ausgewertet werden können – ohne die Tiere zu stören.

Parallel laufen ähnliche Untersuchungen im angrenzenden Mecklenburg-Vorpommern. Ziel ist es, mögliche Wanderbewegungen und zusammenhängende Lebensräume zu identifizieren.

Lebensräume als entscheidender Faktor

Die Rückkehr der Wildkatze ist kein Selbstläufer. Die Art ist auf strukturreiche, störungsarme Wälder angewiesen. Viele dieser Lebensräume sind fragmentiert, durch Straßen zerschnitten oder durch Zäune gefährlich verengt. Knotengitterzäune gelten als besonders problematisch – für Wildkatzen wie für viele andere Tiere oft eine tödliche Falle.

Naturschutzverbände sehen den aktuellen Nachweis daher auch als Auftrag: Lebensräume müssen nicht nur vorhanden, sondern sicher und vernetzt sein, damit aus einem Einzelfund eine stabile Population werden kann.

Mehr als eine regionale Sensation

Dass eine im Mittelalter ausgerottete Art in den hohen Norden zurückkehrt, ist Ausdruck jahrzehntelanger Schutzarbeit – und ein seltener Hoffnungsschimmer im Artenschutz.

Ob die Wildkatze dauerhaft in Schleswig-Holstein heimisch wird, bleibt offen. Sicher ist nur: Ihre Rückkehr verändert den Blick auf die Möglichkeiten moderner Naturschutzpolitik.

Quelle

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesamt für Umwelt Schleswig-Holstein (LfU), Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung; Presse- und Hintergrundinformationen vom 15. Januar 2026.