Waldbrandrauch aus dem All: Wie Satelliten Europas Luft überwachen

Ende Juli maß der Copernicus-Dienst CAMS in Bordeaux Feinstaubwerte, die den EU-Tagesgrenzwert ums Zwölffache übertrafen. Möglich wird das durch ein mehrstufiges System aus Satelliten und Rechenmodellen, das Europas Waldbrände inzwischen fast in Echtzeit aus dem All verfolgt.

Waldbrandausdehnung basierend auf Satellitenbilddaten NASA FIRMS. Aktive Brände: rot-orange; Verbrante Bereiche: braun. Karte: Sabin Klein.
Waldbrandausdehnung basierend auf Satellitenbilddaten NASA FIRMS. Aktive Brände: rot-orange; Verbrante Bereiche: braun. Karte: Sabin Klein.

Am 30. Juli maß der Copernicus-Dienst für Atmosphärenüberwachung (CAMS) in Bordeaux einen Feinstaubwert von rund 300 Mikrogramm PM2,5 pro Kubikmeter Luft – mehr als das Zwölffache des in der EU als Tagesgrenzwert geltenden Werts von 25 µg/m³.

Möglich wird eine solche Messung durch ein mehrstufiges System aus Satelliten und Rechenmodellen, das kaum einen Waldbrand in Europa noch unbeobachtet lässt.

Hitze aus dem All: die erste Ortung

Den Anfang macht die Wärmeortung. Das europäische Waldbrand-Beobachtungssystem EFFIS wertet dafür Daten der NASA-Satelliten Terra und Aqua (Sensor MODIS, 1 Kilometer Auflösung) sowie des Satelliten Suomi NPP (Sensor VIIRS, 375 Meter Auflösung) aus, bereitgestellt über das NASA-Portal FIRMS.

Erkennt ein Bildpunkt eine gegenüber der Umgebung deutlich erhöhte Temperatur, gilt er als möglicher Brandherd. Ein Algorithmus filtert Fehlalarme etwa durch Industrieanlagen heraus. Die Daten werden bis zu sechsmal täglich aktualisiert und stehen bereits zwei bis drei Stunden nach der Aufnahme zur Verfügung.

Sentinel-5P macht den Rauch sichtbar

Für den Rauch selbst kommt ein zweiter Satellit ins Spiel: Sentinel-5P der europäischen Weltraumorganisation ESA. Sein Instrument TROPOMI misst mit einer Auflösung von bis zu 7 mal 3,5 km Aerosole sowie Spurengase wie Kohlenmonoxid, Stickstoffdioxid und Schwefeldioxid.

Damit deckt es dank einer Schwadbreite von 2.600 km täglich die gesamte Erde ab. Diese Messungen fließen anschließend direkt in die Vorhersagen von CAMS ein.

CAMS macht die Daten nutzbar

Die Satellitendaten allein sagen noch nichts darüber aus, wie sich der Rauch ausbreitet oder wie stark er die Luft belastet. Diese Übersetzung übernimmt CAMS: Der Dienst speist Sentinel-3-Beobachtungen und die Strahlungsleistung der Feuer (Fire Radiative Power) zusammen mit elf europäischen Luftqualitätsmodellen in seine Vorhersagen ein.

Ende Juli zeigte sich so, wie stark Rauch aus Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und Algerien die Luft über weiten Teilen Westeuropas belastete – in Madrid lagen die PM2,5-Werte übers Wochenende bei 80 bis 100 µg/m³.

Stadt/RegionPM2,5-Spitzenwert ( µg/m³) EU-Tagesgrenzwert (µg/m³)
Bordeaux (Frankreich) ~300 25
Madrid (Spanien) 80–100 25

Quelle: CAMS (Copernicus Atmosphere Monitoring Service), Stand 30.07.2026.

PM2,5: Als PM2,5 werden Feinstaubpartikel mit einem Durchmesser von höchstens 2,5 Mikrometern bezeichnet. Sie sind so klein, dass sie tief in die Lunge und teils ins Blut gelangen können, weshalb sie als besonders gesundheitsschädlich gelten.

Allein in Frankreich mussten laut CAMS rund 400.000 Menschen zeitweise vor den Flammen Schutz suchen – ein Ausmaß, das die Bedeutung solcher Frühwarndaten unterstreicht.

Ein neues Werkzeug für alle

Seit Ende Juli lässt sich diese Datenflut auch selbst erkunden: CAMS hat mit „Fire Emissions Watch" ein frei zugängliches Online-Tool gestartet, das Emissionsdaten von Waldbränden weltweit bis zurück ins Jahr 2003 zeigt – von den Bränden 2003 in Europa bis zu den kanadischen Waldbränden 2023.

Fire Emissions Watch macht diese Informationen mit wenigen Klicks zugänglich

– CAMS-Direktorin Laurence Rouil zum Start.

Wer wissen will, wie viel Rauch ein aktueller Brand tatsächlich in die Atmosphäre schickt, muss dafür künftig nicht mehr auf offizielle Berichte warten.