Wie toll ist doch der Wald – Teil 2 – Schutz vor Niederschlägen!

Wald. So vielfältig sind seine positiven Eigenschaften. Wenn ein Baum unser Freund ist, dann ist der Wald sicherlich ein ganzer Freundeskreis. Und echte Freunde stehen natürlich zusammen und schützen einander. So gibt der Wald uns beispielsweise einen Schutz vor Niederschlägen.

Blätter im Regen
Das Blätterdach eines Waldes hält leichten Regen komplett ab. Bei stärkerem Regen kommt auch nur ein Teil unten auf dem Waldboden an.

Nachdem in dem ersten Teil dieser kleinen Wald-Wertschätzungs-Serie allgemeine Hauptfunktionen und eine Auflistung der Wohlfahrtswirkungen des Waldes vorgestellt wurden und dazu etwas näher der Lärmschutz durch den Wald diskutiert wurde, soll in den folgenden bescheidenen Zeilen ein wenig näher auf den Schutz vor im Mittel zum Erdboden gerichtete Hydrometeorflüsse, sprich Niederschläge eingegangen werden.

Als erstes gilt natürlich eindringlich, dass die Schutzsuche bei einem Gewitter unter einem Baum keine gute Idee ist und das egal, ob es sich beim Baum um eine Eiche oder eine Buche handelt. Zu diesem Thema hatte der Verfasser aber im Sommer 2022 schon mal etwas geschrieben, was hier zu finden ist.

Regenschutz bei Niederschlägen

Aber abgesehen von Niederschlägen mit der Begleitung elektrischer Entladungen, sorgt der Wald bei leichten Niederschlägen für eine vollständige Abschirmung. D.h.: Die werte Waldfreundin oder der werte Waldfreund bleibt im Wald trotz Niederschlag trocken. Dabei ist der Umfang der Regenmenge, die durch die Bäume am Erreichen des Bodens gehindert wird, unterschiedlich. Man spricht auch von einer Baum-spezifischen Kronenbenetzungskapazität. Nadelbäume halten beispielsweise etwa 3 bis 4 mm Regen zurück. Bei Laubbäumen sind es mit knapp 1 mm Regen etwas weniger.

Wenn nun aber mehr Regen fällt, als die Baumkrone zurückhalten kann, dann kommt natürlich auch unten Wasser an. Doch auch dabei ist die Regenmenge ebenso durch das Rückhaltungsvermögen des Kronenraums vermindert. Dies nennt man Interzeption und versteht darunter, dass ein Teil des Niederschlags von den Blättern oder Nadeln und Zweigen aufgefangen wird und von dort dann in der Folge wieder verdunstet, also eben den Boden nicht erreicht. Aber auch hier muss man zwischen den verschiedenen Baumarten unterscheiden. So wird bei Fichten beispielsweise zwischen 20 und 30 % des über dem Wald fallenden Niederschlags zurückgehalten. Bzw. andersherum, nur 70 bis 80 % des Niederschlags erreicht letztlich auch den Boden. Buchen sind nicht ganz so gute Niederschlagsfänger. Sie halten nur etwa 10 % zurück.

Baumstämme im Regen
Bei Buchen rinnen 15% des Regen als sogenannter Satmmabfluss den Stamm entlang zum Erdboden.

Eine weitere Besonderheit ist, dass von dem Niederschlag, der den Boden erreicht, ein gewisser Anteil den Stamm herunterrinnt (Stammabfluss) und - sofern man sich nicht an den Stamm lehnt - von diesem Niederschlagsanteil auch nichts abbekommt. Bei Buchen sind das immerhin 15% des Niederschlags, bei Fichten diesmal deutlich weniger, nämlich 1%.

Regulierung des Wasserhaushalts

Abgesehen von dem Regenschutz des werten Waldfreundes bzw. der werten Waldfreundin, so übt der Wald bei Niederschlagsereignissen auch einen umfassenderen Einfluss aus. Nicht nur, dass der Wald aufgrund einiger unterschiedlicherer Prozesse die oft schädliche Bodenerosion verringert, nein, er sorgt auch bei Starkregenereignissen für eine äußerst nützliche Regulierung der Wassermassen. Wie schon eine bemerkenswerte Studie* im Jahre 1934 in der Schweiz zeigte, hat Waldboden eine hohe Schluckfähigkeit (ja, das heißt wirklich so) für große Wassermassen.

Wald bremst Hochwasserwellen ab

Ein Regenereignis von 100 mm (das sind 100 Liter pro Quadratmeter) wird laut der Studie von einem bewirtschafteten, naturnahen und stabilem Wald (einem sogenannten Plenterwald) , der aus einer Mischung aus Tannen, Fichten und Buchen besteht, innerhalb von nur 2 Minuten aufgenommen, während stark verdichtete Weideböden dafür 3 Stunden benötigen. Somit stellt sich beim Weideboden ein deutlich erhöhter und schnellerer Oberflächenabfluss ein und damit nimmt die Hochwassergefahr generell zu. Der Wald mäßigt dagegen – vor allem im Sommer – die Hochwasserwellen deutlich.

Neben den hier letztlich nur angerissenen Schutzwirkungen vor Niederschlägen ließen sich zahlreiche weitere positive Wirkungen anführen. Doch mit der Endlichkeit eines Artikels soll dies hier genügen.

Zusammenfassend kann man einfach konstatierten, dass der Wald uns auch bei einer Naturgefahr wie Starkregen freundlich gesinnt ist. Gleichwohl möchte man passend zur aktuellen Karnevalszeit ihm - wie es die Höhner so einprägsam gesungen haben - zurufen: „Echte Fründe ston zesamme, ston zesamme su wie eine Jott un Pott, … Fründe, Fründe, Fründe en dr Nut“.

In diesem Sinne: Stehen auch wir dem Wald bei und achten und wertschätzen ihn, er ist es mehr als wert.

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* Burger, H., Einfluß des Waldes auf den Stand der Gewässer II-V. Mitt. d. Schweiz. Anst. f.d. forstl. Vers.w. 18, S. 311-416, 1934.

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