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Strichweise gelegentlich Regen --- Über das Wo und Wann des Niederschlags

„Nachts ist es kälter als draußen“. Vielleicht kommt einem dieser bekannte Flachwitzspruch in den Sinn, wenn man im Wetterbericht von ‚strichweise gelegentlich Regen‘ hört.

Gewitterwolke
Ob man hier von 'örtlichen Schauern' spricht hängt von der räumlichen Verbreitung der Niederschlagszellen ab.

Zugegeben, diese räumliche, zeitliche Beschreibung wird mittlerweile – im Gegensatz zu früher, als der Wetterbericht noch von älteren, sonoren Herren in Anzug und Krawatte oder Fliege präsentiert wurde, nur selten noch verwendet. Heute geht es zum Teil sogar mehr um die Superlative als um nüchterne Berichterstattung. Aber gut. Ich muss mir ja auch an die eigene Nase fassen, wenn ich hier in den Artikeln auch manchmal etwas sehr salopp formuliere. Aber trotzdem es ist leider ein Trend. Doch bevor hier eine Grundsatzdiskussion vom Zaun gebrochen wird, will ich dann doch rasch die Kurve zum eigentlichen Thema kriegen.

Nachdem im letzten Artikel die korrekte Verwendung der thermischen Adjektive wie ‚ungewöhnlich warm‘, 'mäßig kalt‘ und ‚sehr warm‘ thematisiert wurde, soll es heute um die Verwendung von räumlichen und zeitlichen Adjektiven, also Wiewörtern gehen.

Unsicherheiten in der Wettervorhersage

Diese beziehen sich auf bestimmte meteorologische Ereignisse, in erster Linie auf das Auftreten von Niederschlag, vornehmlich Regen. Dabei ist anzumerken, dass natürlich der Konjunktiv der beste Freund des Meteorologen bzw. der Meteorologin ist. Böse Zungen unter meinen Freunden behaupten sogar, dass ich selbst nur Meteorologe geworden bin, da ich schon als Kind meist den Konjunktiv verwendet habe. Aber abgesehen von meinem Werdegang, so ist das in der Regel darauf zurückzuführen, dass ehrlicherweise im Wetterbericht nur Aussagen hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines bestimmten Ereignisses getroffen werden können.

Bei Gewittern kann es beispielsweise gerne mal in dem einen Ort zu Starkregen samt Überflutungen kommen und im Nachbarort fällt dagegen noch nicht einmal ein Tropfen vom Himmel. Das im Voraus aber genau vorherzusagen ist, wie beim Blick in den Kochtopf zu bestimmen, wo die nächste Blase hochkommt. Es ist momentan schlicht unmöglich. Diesem Umstand Rechnung tragend, verwendet man eben in der Vorhersage traditionell gewisse Wiewörter, deren Verwendung aber nicht aus der Luft gegriffen ist, sondern ein bestimmtes räumliches und zeitliches Ausmaß beinhaltet.

Räumlich und zeitliche Adjektive in der Wettervorhersage

Eine Übersicht ist in der folgenden Tabelle wiedergegeben.

Tabelle der räumlich und zeitlichen Adjektive
Tabelle der für die in der Wettervorhersage gebräuchlichen räumlichen und zeitlichen Adjektive und deren zugeordneten Wahrsscheinlichkeiten.

‚Einzelne Schauer‘ treten lediglich auf 10% der in der Vorhersage betrachteten Fläche auf. Damit würde es in einer Großstadt nur in einem Stadtteil einen Schauer geben. ‚Örtliche Schauer‘ benetzen dagegen schon einen etwas größeren Teil des Vorhersagegebietes, genau genommen zwischen 10 bis 20 %. Das herrliche, etwas aus der Mode gekommene ‚strichweise Regen‘ meint, dass es in 20 bis 30% des Gebiets regnet. Und auf 70 bis 80% der Fläche trocken bleibt. Regnet es dagegen ‚verbreitet‘ so kann sich mindestens 50% des Gebietes über Segen bringenden Regen freuen.

Bei den zeitlichen Angaben verhält es sich ähnlich. Bei ‚kaum Schauer‘ ist es zu 90% der Zeit trocken. Bei ‚zeitweise Regen‘ ist immerhin an 30 bis 60% des Vorhersagezeitraums mit vom Himmel fallenden Tropfen zu rechen. Bei einer Tagesvorhersage wären das gerundet zwischen 7 Stunden und 14 ½ Stunden Regen.

Länger andauernder Regen‘ verheißt, dass zu fast mehr als 2/3 der Vorhersagezeit zu im Mittel in Richtung Erdboden gerichteten Hydrometeorflüssen, sprich Regen kommt.

Hochwasser
'einzlne gelegentliche Schauer' waren hier sicherlich nicht am Werk

Steht die Abwesenheit von Niederschlag, also das ‚Trocken‘ im Vordergrund, so meint man dagegen, dass wenn es ‚überwiegend trocken’ zu mehr als 80% der Zeit keinen Regen gibt. ‚Meist trocken‘‘ ist es bei einer Tagesvorhersage, wenn es mindestens etwas mehr als 21 ½ Stunden keinen Regen gibt.

Nun, in den letzten Wochen, konnte leider nur letzteres verwendet werden, wobei eigentlich war es ‚komplett und durchweg trocken‘. Doch diesem ist nun ein Ende gesetzt. Die Wetterlage stellt sich langsam ein wenig um, so dass - endlich möchte man meinen - wieder von ‚strichweise gelegentlich Regen‘ gesprochen werden kann, also dass es in 20 bis 30% des betrachten Gebietes zwischen 10 bis 30% der betrachteten Zeit Regen gibt. Oder man kann es einfach auch wie die Eurythmics ausdrückten: ‚Here Comes The Rain Again‘.