Studie enthüllt: Ozonschutz-Chemikalien verteilen weltweit gefährliches Gift – selbst die Pole sind betroffen

Neue Forschung zeigt: Chemikalien, die die Ozonschicht retten sollten, verbreiten ein langlebiges Gift global. Selbst Regen, Flüsse und arktisches Eis sind inzwischen kontaminiert.

Trifluoroessigsäure (TFA) – langlebiger Schadstoff aus FCKW-Ersatzstoffen. Die Chemikalie reichert sich in Umwelt und Wasser an und stellt ein langfristiges Risiko für Mensch und Natur dar
Trifluoroessigsäure (TFA) – langlebiger Schadstoff aus FCKW-Ersatzstoffen. Die Chemikalie reichert sich in Umwelt und Wasser an und stellt ein langfristiges Risiko für Mensch und Natur dar

Chemikalien, die einst die Ozonschicht schützen sollten, haben nun eine unerwartete Schattenseite: Sie erzeugen einen langlebigen Schadstoff, der weltweit in Regen, Wasser, Böden und Eis gelangt.

Die jüngste Studie der Lancaster University liefert erstmals eine globale Übersicht über die Ausbreitung des Stoffes Trifluoroessigsäure (TFA), der zu den sogenannten „Forever Chemicals“ gehört und sich nur extrem langsam abbaut.

Ein globales Problem

Zwischen 2000 und 2022 haben Forscher berechnet, dass rund 335.500 Tonnen TFA aus dem Zerfall von Ersatzchemikalien für FCKW in die Umwelt gelangt sind. Besonders alarmierend: Selbst die entlegensten Regionen wie die Arktis sind betroffen. Damit zeigt sich, dass diese Substanzen nicht nur lokal, sondern global wirken – eine echte Herausforderung für Umwelt und Gesundheit.

Warum TFA so gefährlich ist

Trifluoroessigsäure gehört zur Familie der PFAS-Chemikalien. Diese sind dafür bekannt, extrem beständig zu sein und sich kaum biologisch abzubauen.

TFA reichert sich in Gewässern an, kann in Pflanzen, Tieren und Menschen nachgewiesen werden und stellt damit ein langfristiges ökologisches Risiko dar.

Die Chemikalien im Detail

Die Forscher untersuchten FCKW-Ersatzstoffe wie HCFCs, HFCs und moderne HFOs, die weltweit in Kühlsystemen, Klimaanlagen und sogar als Anästhetika eingesetzt werden. Obwohl diese Stoffe das Ozon schützen, zerfallen sie in der Atmosphäre teilweise zu TFA.

Besonders problematisch ist ihre lange Lebensdauer: Selbst Jahrzehnte nach ihrer Freisetzung gelangen sie weiterhin in die Umwelt.

Alarmierende Trends

Die Studie zeigt, dass die TFA-Belastung noch lange nicht ihren Höhepunkt erreicht hat. Prognosen zufolge könnte die jährliche TFA-Produktion durch FCKW-Ersatzstoffe zwischen 2025 und 2100 weiter steigen.

Neue Kältemittel wie HFO-1234yf, die in Autos und Klimaanlagen verwendet werden, erhöhen das Risiko zusätzlicher TFA-Freisetzungen, da diese ebenfalls in der Atmosphäre zerfallen.

Arktisches Eis als Alarmzeichen

Besonders deutlich wird das globale Ausmaß des Problems in der Arktis. Eisbohrkerne zeigen, dass nahezu das gesamte dort nachgewiesene TFA aus dem Zerfall von Ersatzstoffen stammt. Selbst Tausende Kilometer entfernt von den Emissionsquellen werden die Chemikalien über die Luft transportiert und setzen sich in Eis, Schnee und Regen ab.

Folgen für Umwelt und Gesundheit

TFA ist schädlich für Wasserorganismen und kann sich im Ökosystem anreichern.

Die Europäische Chemikalienagentur stuft den Stoff als gefährlich für aquatische Lebensformen ein.

In Deutschland wird TFA zudem als potenziell reproduktionstoxisch diskutiert. Während aktuelle Umweltkonzentrationen als unter den Schwellenwerten für direkte Gesundheitsschäden gelten, wächst die Sorge vor einer stetigen Anreicherung und langfristigen Belastung.

Ein globales Problem erfordert globale Lösungen

Die Ergebnisse der Lancaster University verdeutlichen, dass die TFA-Problematik nicht lokal gelöst werden kann. Internationale Abkommen wie das Montreal-Protokoll helfen zwar beim schrittweisen Abbau von FCKW, doch die Entstehung von TFA durch Ersatzstoffe ist ein ungelöstes Problem.

Wissenschaftler fordern daher ein umfassendes Monitoring weltweit sowie die Erforschung alternativer, umweltfreundlicher Chemikalien, um zukünftige Belastungen zu verhindern.

Quelle

Lucy Hart, Ryan Hossaini, Oliver Wild, Andrea Mazzeo, Crispin Halsall, Xuewei Hou, Zihao Wang, Martyn P. Chipperfield, Jgor Arduini, Paul B. Krummel, Chris R. Lunder, Jens Mühle, Simon O’Doherty, Sunyoung Park, Stefan Reimann, Kieran M. Stanley, Ray F. Weiss, Dickon Young. Growth in Production and Environmental Deposition of Trifluoroacetic Acid Due To Long‐Lived CFC Replacements and Anesthetics. Geophysical Research Letters, 2026; 53