Réaumur – die fast vergessene Temperaturskala!

Warm oder kalt. An dieser Frage scheiden sich oft die Geister, bzw. das Wärmeempfinden in zahlreichen Partnerschaften. Um ein wenig Objektivität in die Sache rein zu bringen wurden Temperaturskalen erschaffen. Eine davon, die heutzutage eher nicht so gebräuchlich ist, ist die Réaumur Skala.

Themometer
Heutzutage wird zur Temperaturmessung die Celsius-Skala, in angelsächsischen Ländern die Fahenheit-Skala verwendet. im 19. Jahrhundert war dagegen auch noch die Réaumur-Skala verbreitet.

Doch der Reihe nach. Will man kommunizieren, ob ein Körper warm oder kalt ist benötigt man eine objektive Referenz, die reproduzierbar ist. Das heißt, dass für eine bestimmte, in dem Körper enthaltene Wärmeenergie (dies ist das, was die Temperatur beschreibt) man immer – bei gleichen Umgebungsbedingungen den gleichen Wert bekommen sollte. Und dies sollen die verschiedenen Temperaturskalen bereitstellen.

Vom Wesen der Temperaturskalen

Um eine Temperaturskala festzulegen, brauchte man nun Referenztemperaturen. Das heißt Temperaturen, bzw. Wärmezustände, die man beliebig immer wiederherstellen kann und die die sogenannten Fixpunkte der Skala darstellen. Praktisch bedeutet dies, dass man beispielsweise Wasser nimmt und festlegt, dass das Wasser bei dieser Fixpunkttemperatur kocht (Anm.: der Luftdruck spielt dabei auch eine Rolle) und die Fixpunkttemperatur herrscht, wenn Wasser kocht und die Fixpunkttemperatur herrscht. Die Differenz zwischen diesen beiden Wärmezuständen teilt man noch in beliebig viele Teile (Grade) ein und fertig ist die Temperaturskala.

In den Anfängen der Temperaturmessung war man sich über die Referenztemperaturen gar nicht so einig und es entwickelten sich verschiedene Skalen, die auf verschiedene Wärmezustände verschiedener Stoffe basierten oder verschieden viele Grade zwischen zwei Fixpunkten festlegten. Die kuriosesten basierten dabei auf den Wärmezustand des Blutes bestimmter frisch geschlachteter Tiere oder auf den schmelzender Butter.

Nun uns geläufig ist die Celsius-Skala, die die Differenz zwischen dem Siedepunkt und dem Gefrierpunkt von Wasser in 100 Teile als Grad einteilt. Daneben ist vor allem in den Angelsächsischen Ländern noch die Fahrenheitskala verbreitet (über beide soll aber an anderer Stelle etwas geschrieben werden).

Eine im 19. Jahrhundert in vielen Ländern Europas bzw. bis nach Russland verbreitete Skala ist nun die Réaumur-Skala über die in den folgenden Zeilen etwas mehr geschrieben werden soll:

Die Réaumur-Temperatur-Skala

Die Réaumur-Skala basiert, wie die Celsius-Skala, auf dem Unterschied zwischen dem Gefrierpunkt und dem Siedepunkt von Wasser bei Normaldruck. Nur wird die Differenz nicht in 100 Grade unterteilt, sondern in 80 Grade. Mit der Einheit der Réaumur-Skala, daß das Réaumur-Grad (Zeichen: °Re oder auch °Ré) ist, liegt nun der Gefrierpunkt von Wasser bei 0 °Re und der Siedepunkt bei 80 °Re.

René-Antoine Ferchault de Réaumur
René-Antoine Ferchault de Réaumur (1683-1757), der Erfinder der nach ihm benannten Temperaturskala

Entwickelt wurde diese Temperaturskala im Jahre 1730 von dem französischen Naturforscher und Mitglied der Academie Paris René-Antoine Ferchault de Réaumur (1683-1757). Réaumur, der unter anderem auch das Réaumursche Porzellan erfand und wertvolle Beiträge zur Entomologie (Insektenkunde) erarbeitet, nutzte als Thermometerflüssigkeit – im Gegensatz zum von Daniel Gabriel Fahrenheit eingeführtem Quecksilber - Ethanol, also gewöhnlichen Alkohol.

Allerdings zeigen sich dabei einige Probleme. Wenn auch die gesamte Ausdehnung größer ist als bei Quecksilber (was vorteilhaft ist), so weist zum einen Ethanol keine gleichmäßige Längenausdehnung mit steigender Temperatur auf. Damit ist genau genommen die als gleich groß gedachte Temperaturdifferenz eines Grades Réaumur bei unterschiedlichen Temperaturbereichen verscheiden groß. Doch das ist nur ein geringes Problem und fällt bei der Messung nicht allzu stark ins Gewicht. Was jedoch größere Nachteile brachte, war dass Ethanol bereits bei Temperaturen um 62°Re (78°C) siedet und somit eine Nutzung bei hohen Temperaturen, wie auch eigentlich die Festlegung des oberen Fixpunktes nicht möglich ist.

Erst nachdem 1772 der Schweizer André de Luc (1772-1817) für das Thermometer zur Bestimmung der Temperaturen – wie von Fahrenheit erstmals 1717 eingesetzt – Quecksilber verwendete, konnten die Fixpunkte der Réaumur-Skale genau bestimmt werden. Allerdings bleib es bei der Bezeichnung Grad Réaumur.

Zur Umrechnung in Grad Celsius dient die folgende Gleichung:

Temperatur in °C = 5/4 Temperatur in °R.

Die Réaumur-Skala war – wie geschrieben bis ins 19. Jahrhundert recht verbreitet, bevor dann aber im Jahr 1901 die amtliche Temperaturmessung von Grad Réaumur auf Grad Celsius umgestellt wurde.

Heutzutage findet man die Skala lediglich noch auf einigen antiquarischen Thermometern, bzw. wird anscheinend die Réaumur’sche Temperaturskala noch von einigen edleren Chocolatiers in Belgien und Frankreich, bei der Alpkäse-Herstellung in der Schweiz und Norditalien und zur Klassifizierung von Läuterzucker benutzt.