Klimawandel: Dürren verschärfen religiöse Konflikte in Nigeria – Ressourcen zweitrangig
Dürren allein führen nicht zwangsläufig zu Gewalt. Doch in Gegenden Nigerias, in denen muslimische Hirten und christliche Bauern aufeinandertreffen, verstärkt der Klimawandel bestehende Spannungen, oft mit tödlichem Ausgang.

Der Klimawandel verstärkt in vielen Teilen der Welt bestehende Krisen. Eine neue Untersuchung des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) konnte nun am Beispiel Nigerias zeigen, dass Dürren bestehende religiöse Spannungen verschärfen und dadurch gewaltsame Auseinandersetzungen begünstigen.
Im Mittelpunkt der Studie standen Konflikte zwischen sesshaften Bauern und nomadischen Viehhirten, die überwiegend der muslimischen Volksgruppe der Fulani angehören.
Solche Auseinandersetzungen haben in Nigeria seit Ende der 1990er Jahre drastisch zugenommen. Nach Angaben der Forscher kamen dabei mehr als 15.000 Menschen ums Leben. Nur der Konflikt zwischen der Terrorgruppe Boko Haram und den nigerianischen Streitkräften forderte in den vergangenen Jahrzehnten noch mehr Opfer.
Gewalt nicht automatisch durch Dürre
Für ihre Untersuchung werteten die Wissenschaftler Daten aus rund 300 Regionen Nigerias für den Zeitraum von 1997 bis 2020 aus. Mithilfe eines standardisierten Dürreindex analysierten sie klimatische Veränderungen. Die religiöse Zusammensetzung der Bevölkerung wurde anhand der Verbreitung von Kirchen und Moscheen erfasst. Ergänzend befragte das Forschungsteam rund 1600 Menschen im Bundesstaat Kaduna, einer besonders konfliktbelasteten Region im Zentrum des Landes.

Dabei kam heraus, dass Dürren zwar den Wettbewerb um Wasser und nutzbare Flächen verschärfen. Dennoch führen Trockenperioden nicht automatisch zu Gewalt. In Regionen Nordnigerias, in denen sowohl Hirten als auch sesshafte Gemeinschaften überwiegend muslimisch sind, steigt das Konfliktrisiko trotz Dürre nicht signifikant an.
Anders sieht es in den religiös gemischten Gebieten des sogenannten Middle Belt aus, der Übergangszone zwischen Nord- und Südnigeria. Dort treffen muslimische Hirten häufig auf christliche Bauern. In diesen Regionen erhöhen Dürren die Wahrscheinlichkeit gewaltsamer Konflikte deutlich.
Religionen vertiefen Ressourcenkonflikte
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass erst beide Faktoren zusammen – ökologische Belastung und religiöse Gegensätze – größere Konflikte entstehen lassen. Wo bereits Misstrauen zwischen den Gemeinschaften herrscht, wirken knapper werdende Ressourcen wie ein zusätzlicher Auslöser.
Die Befragung in Kaduna bestätigt den Zusammenhang. Christliche Teilnehmer nannten häufiger religiöse Motive als Ursache der Gewalt und äußerten deutlich stärkeres Misstrauen gegenüber den Fulani.
Muslimische Befragte sahen dagegen vor allem Umweltprobleme und den Wettbewerb um Land und Wasser als Auslöser. Die unterschiedlichen Wahrnehmungen erschweren eine friedliche Konfliktlösung zusätzlich.
Die Forscher denken, dass ihre Ergebnisse nicht nur für Nigeria relevant sind. Ähnliche Entwicklungen könnten auch in anderen Teilen Afrikas auftreten, insbesondere in der von zunehmender Trockenheit betroffenen Sahelzone, der Übergangszone zwischen Sahara und der südlich anschließenden Savanne. Dort führen Klimawandel, Bevölkerungswachstum und soziale Spannungen ebenfalls zu wachsendem Druck auf natürliche Ressourcen.
Um eine weitere Eskalation zu verhindern, empfehlen die Wissenschaftler Investitionen in Wasser- und Landmanagement. Alternative Einkommensmöglichkeiten für betroffene Bevölkerungsgruppen sowie Frühwarnsysteme für Klimakrisen wären demnach ebenfalls hilfreich.
Ebenso wichtig seien Programme zur Vertrauensbildung und Konfliktvermittlung in religiös gemischten Regionen. Denn nur wenn ökologische und gesellschaftliche Ursachen gemeinsam angegangen werden, lasse sich verhindern, dass aus Umweltkrisen gewaltsame Konflikte entstehen.
Artikelreferenz
Koopmans, R., Meierrieks, D., & Tuki, D. (2026). The Role of Droughts and Religious Cleavages in Pastoralist Conflict in Nigeria.