Klimabedrohung für Bestäuber: Warum schmelzende Gletscher zu einer Zunahme von Krankheiten bei Bienen führen
Das Abschmelzen der Gletscher verändert nicht nur die Landschaften, sondern auch die Blumen, die von Bienen besucht werden, und könnte die Ausbreitung von Viren und Parasiten begünstigen, wodurch diese Bestäuber bedroht werden, die für unsere Ökosysteme und die landwirtschaftliche Entwicklung unverzichtbar sind.

Der rasche Rückgang der Gletscher verändert nicht nur die Landschaft und verringert die Süßwasserreserven. Er verändert auch still und leise die Beziehungen zwischen Pflanzen, Insekten und Mikroorganismen. Forschungsergebnisse warnen davor, dass diese Veränderungen die Ausbreitung von Krankheiten unter Honigbienen und Wildbienen begünstigen könnten.
Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Oikos“ veröffentlicht, und die Untersuchungen fanden in den Schweizer Alpen statt. Die Forscher analysierten die Bienenpopulationen rund um den Mont-Miné-Gletscher im Hérens-Tal.
Wenn ein Gletscher schmilzt und sich zurückzieht, legt er Gestein und Boden frei, die nach und nach von verschiedenen Pflanzenarten besiedelt werden. Zuerst tauchen die sogenannten Pionierpflanzen auf, und im Laufe der Jahre wird die Vegetation üppiger und vielfältiger.
Eine infizierte Biene überträgt ein Virus oder einen Parasiten, und das nächste Insekt, das die Blüte besucht, kann sich damit anstecken
Diese Veränderung wirkt sich auf die Verfügbarkeit und die Verteilung der von Bestäubern genutzten Blüten aus. Normalerweise besuchen Honigbienen und Wildbienen eher unterschiedliche Pflanzenarten. Diese natürliche Trennung verringert das Risiko einer Krankheitsübertragung zwischen ihnen.

Da sich Pflanzengemeinschaften jedoch verändern und manche Nahrungsquellen für Bienen verschwinden, können verschiedene Bienenarten dazu gezwungen sein, sich von denselben Blüten zu ernähren. Diese Begegnungsorte können zu unfreiwilligen Zentren der Krankheitsübertragung werden.
Über zwei Sommer hinweg fingen die Forscher 335 Bienen aus 36 Arten ein. Davon waren 230 Wildbienen und 105 Honigbienen. Die Exemplare wurden auf drei Viren und zwei Parasiten untersucht.
Die Ergebnisse zeigten, dass Honigbienen alle fünf untersuchten Krankheitserreger in sich trugen, während bei Wildbienen nur zwei davon nachgewiesen wurden. Darunter befand sich das Deformed-Wing-Virus, eine Krankheit, die vor allem mit bearbeiteten Bienenstöcken in Verbindung gebracht wird, sowie die Varroa-Milbe, einer ihrer Hauptüberträger.
In den eisfreien Gebieten stellten die Forscher eine deutliche Trennung zwischen den Erregergemeinschaften der beiden Gruppen fest. In den älteren Gebieten hingegen, in denen die Vegetation bereits stärkere Veränderungen durchlaufen hatte, nahm das Vorkommen des Deformed-Wing-Virus bei den Bienen deutlich zu.

Genetische Analysen ergaben zudem einen wichtigen Unterschied: Wildbienen trugen die DWV-A-Variante in sich, während Honigbienen mit DWV-B infiziert waren. Dies deutet darauf hin, dass es in dem untersuchten Gebiet derzeit keine weitreichende Übertragung zwischen den beiden Gruppen gibt. Dennoch warnten die Wissenschaftler, dass die fortschreitende Veränderung der Vegetation den Kontakt zwischen den beiden Gruppen verstärken und das Übertragungsrisiko in Zukunft erhöhen könnte.
Bienen spielen eine unverzichtbare Rolle, indem sie Pollen zwischen Blüten transportieren und so die Fortpflanzung zahlreicher Wildpflanzen und Nutzpflanzen ermöglichen. Wenn ihre Bestände zurückgehen, kann sich dies auf andere Arten auswirken, die landwirtschaftliche Produktion beeinträchtigen und die Vielfalt der Ökosysteme verringern.
Die Autoren weisen darauf hin, dass die Ergebnisse in anderen Gletscherregionen und bei unterschiedlicher Bienendichte repliziert werden müssen. Die Erkenntnis offenbart jedoch eine weniger sichtbare Dimension des Klimawandels. Auch ökologische Netzwerke werden neu geordnet, was möglicherweise neue Wege für die Ausbreitung von Krankheiten unter Bestäubern eröffnet.
Artikelreferenz
Andrea Ferrari, Giovanni Cilia, Matteo Conti, Bao Ngan Tu, Nora Khelidj, Gianalberto Losapio, Carlo Polidori. Unshared on the top: strong segregation of pathogen communities between western honey bees and wild bees in a retreating glacier foreland.