Zehn Grad über dem Mittel: Septemberhitze über Deutschland – dazu Sturmböen und Gewitter. Ist das schon das neue Normal?

Erst Graupelschauer, dann bis zu 32 Grad: Deutschlands Wetter bekommt scharfe Gegensätze. In der Atmosphäre direkt über Deutschland baut sich ein regelrechter Spannungsbogen auf mit ungewöhnlich warm-heißen und sehr feuchten Luftmassen an. Wo ihr Sonne genießen könnt und wann kräftige Böen drohen.

20 Grad – nicht auf eurer Terrasse, sondern in rund 1.500 Metern Höhe! Für Sonntag berechnet das Wettermodell diesen Warmluftvorstoß. Wie heiß wird es darunter? Entscheidend ist, wo die Sonne freie Bahn bekommt.
20 Grad – nicht auf eurer Terrasse, sondern in rund 1.500 Metern Höhe! Für Sonntag berechnet das Wettermodell diesen Warmluftvorstoß. Wie heiß wird es darunter? Entscheidend ist, wo die Sonne freie Bahn bekommt.

Graupel im September – und zwei Tage später bis zu 32 Grad? Diese Woche ist beides möglich, allerdings nicht überall. Während euch heute im Norden einzelne Gewitter überraschen können, kündigt sich für den Süden schon wider neue Hitze an.

Der Wärmeschub beginnt weit über unseren Köpfen: Subtropische Luft strömt heran, die in rund 1.500 Metern Höhe mit zehn Grad wärmer sein wird als für die Jahreszeit üblich.

Zehn Grad über dem Mittel: Was über euch heranzieht

Ein bisschen spätsommerlich? Diese Beschreibung greift zu kurz. Maßstab der Modellkarte ist nicht irgendein kühler Vortag, sondern das Mittel der Jahre 1990–2022 für dieselbe Jahreszeit und Höhenlage. Daran gemessen fällt die berechnete Wärme deutlich aus dem Rahmen. Der Kalender sagt September, die Luftmasse hält sich nicht daran. Wie viel davon bei euch am Boden ankommt, entscheiden allerdings auch Wolken, Sonne und Wind.

Sommerliche Aussichten – aber nicht für alle

Sommer für alle? Davon kann keine Rede sein. In Baden-Württemberg und Bayern erwarten euch am Donnerstag vielerorts 24 bis 28 Grad und längere Sonnenphasen.

In den nördlichen und zentralen Landesteilen braucht ihr dagegen häufiger die Regenjacke. Dort bremsen dichte Frontale-Wolken die Erwärmung; am Freitag stehen vielfach nur 18 bis 24 Grad hinter einer Kaltfront auf dem Thermometer. Während die einen noch einmal schwitzen, warten die anderen auf eine trockene Lücke.

Wenn der Schauer plötzlich weiß wird

Weiße Körnchen statt Regentropfen – und das Anfang September? Heute können euch in Teilen Nordwestdeutschlands kurze Gewitter mit Graupel überraschen.

Dahinter stecken tatsächlich Schneekristalle: In kalten Wolkenbereichen frieren unterkühlte Wassertröpfchen daran fest, bis kleine, krümelige Eiskügelchen entstehen.

Sie können trotz milder Temperaturen bis zum Boden gelangen. Das erinnert an Aprilwetter, ist aber kein Wintereinbruch. Während örtlich Graupel prasselt, könnt ihr in Bayern und Baden-Württemberg vielerorts Sonne und bis zu 26 Grad genießen.

Zwei windige Tage stehen bevor

Am Donnerstag frischt der Wind kräftig auf, am Freitag drohen regional Sturmböen. Zunächst erreicht der Südwest- bis Westwind über weiten Teilen Norddeutschlands Böen bis 60 Kilometer pro Stunde. An exponierten Nordseeküstenabschnitten wird es stellenweise stürmisch, auf dem Brocken sind Sturmböen möglich.

Nach einer vorübergehenden Abschwächung im Binnenland legt der Wind am Freitag erneut zu: Für den Nachmittag berechnet das ECMWF über Teilen Niedersachsens und angrenzender Regionen 60 bis 80 Kilometer pro Stunde. Gewitter können örtlich noch stärkere Böen bringen. Sichert deshalb lose Gartenmöbel und Sonnenschirme, bevor der Wind auffrischt.

Unsichtbarer Wasservorrat über Deutschland

Gleichzeitig erreicht feuchtere Luft Deutschland. Am Freitag zeigt die Feuchtekarte regional etwa 35 bis 45 Millimeter niederschlagbares Wasser.

Dahinter steckt der gesamte Wasserdampf vom Boden bis weit hinauf in die Atmosphäre. Würde er vollständig kondensieren, entspräche das 35 bis 45 Litern Wasser je Quadratmeter. Diese Zahl ist aber keine versprochene Regenmenge. Erst aufsteigende Luft macht daraus Wolken und Niederschlag; dessen Dauer und Zugbahn bestimmen, wie viel tatsächlich herunterkommt.

Manche Gärten bleiben trotzdem durstig

Die Regenprognose bis Freitagmittag zeigt für Schleswig-Holstein ungefähr 10 bis 25 Liter je Quadratmeter, örtlich mehr.

Viele Gärten in Bayern und Baden-Württemberg gehen dagegen nahezu leer aus. Reichlich Feuchtigkeit in der Atmosphäre bedeutet somit keineswegs überall ergiebigen Regen.

Unsichtbarer Wasservorrat über euren Köpfen: Für Freitag berechnet das ECMWF regional 35 bis 45 Millimeter niederschlagbares Wasser. Reichlich Feuchtigkeit für kräftige Regengüsse – doch wo wird daraus tatsächlich Regen, und welche Gärten bleiben trotzdem trocken?
Unsichtbarer Wasservorrat über euren Köpfen: Für Freitag berechnet das ECMWF regional 35 bis 45 Millimeter niederschlagbares Wasser. Reichlich Feuchtigkeit für kräftige Regengüsse – doch wo wird daraus tatsächlich Regen, und welche Gärten bleiben trotzdem trocken?

Septemberhitze: Schon das neue Normal?

Der Sommer lässt sich nicht einfach vom Kalender vertreiben: Nach einem kurzen Temperaturrückgang am Samstag stehen am Sonntag im Südwesten erneut rund 30 Grad auf dem Vorhersageplan.

Für Montag und Dienstag zeichnen sich örtlich sogar Spitzen bis 32 Grad ab. Ist das schon das neue Normal? Eine einzelne Wetterlage beantwortet diese Frage nicht.

Für euch bleibt entscheidend, wie schnell die nächste Front vorankommt: Sie bestimmt mit, wo sich die Hitze hält und wo Regen und Gewitter dazwischenfunken. Der genaue Verlauf zum Wochenwechsel bleibt unsicher.