Hitzefalle Hadsch: Gläubige geraten bei der Pilgerfahrt nach Mekka immer häufiger an die Belastungsgrenze
Eine neue Studie warnt vor der lebensbedrohlichen Hitze beim Hadsch. Besonders riskant werde die Lage etwa ab dem Jahr 2050. Wissenschaftler sehen die religiöse Praxis durch den Klimawandel gefährdet.

Extreme Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit gefährden laut einer neuen Studie bereits heute Millionen Hadsch-Pilger. Besonders während des Rituals in Arafat stoßen selbst gesunde Menschen an physiologische Belastungsgrenzen. Das zentrale islamische Glaubensereignis wird durch den Klimawandel zu einer ernstzunehmenden Gefahr für die Gesundheit.
Eine neue Untersuchung von Forschern aus Pakistan und Deutschland kommt zu dem Schluss, dass die Bedingungen während des Hadsch 2024 zeitweise lebensbedrohlich waren. Hitze und Luftfeuchtigkeit hätten Werte erreicht, bei denen der menschliche Körper seine Temperatur nicht mehr ausreichend regulieren könne.
Stundenlang lebensgefährliche Bedingungen
Die Wissenschaftler analysierten Temperatur- und Feuchtigkeitsdaten der Pilgerfahrt 2024 und kombinierten sie mit Klimamodellen für die kommenden Jahrzehnte. Das Ergebnis fällt alarmierend aus: Mehrere Stunden lang seien sogenannte Überlebensgrenzen überschritten worden – selbst für junge und gesunde Erwachsene.
„In dieser Zeitspanne kann der Körper keine sichere Kerntemperatur durch Schwitzen allein aufrechterhalten, sodass der Aufenthalt im Freien ohne Schatten lebensbedrohlich ist“, erklärt Studienleiter Atta Ullah von den Weather and Climate Services (WCS) Pakistan.

Besonders problematisch sei die körperliche Belastung während der Rituale. Lange Fußwege, dicht gedrängte Menschenmengen und fehlende Rückzugsmöglichkeiten verstärkten die Gefahr zusätzlich. Unter diesen Bedingungen kann der Körper schneller überhitzen, als er Wärme abgeben kann.
Ritual in Arafat hochriskant
Als kritischster Abschnitt der Pilgerfahrt gilt laut Studie der Tag von Arafat. Dabei verbringen die Pilger viele Stunden unter freiem Himmel auf der Ebene von Arafat, weitgehend ohne ausreichenden Schatten.
Schon heute seien Anpassungen sichtbar. So werde etwa der Sa’i – das rituelle Gehen zwischen Safa und Marwa – inzwischen teilweise in klimatisierten Innenbereichen durchgeführt. Auch in Mina seien zusätzliche feste Unterstände und Schutzbauten errichtet worden. Solche Maßnahmen könnten zwar die Sicherheit erhöhen, veränderten jedoch gleichzeitig die jahrhundertealte Pilgertradition.
Ab 2050 besonders gefährlich
Kurzfristig rechnen die Wissenschaftler zwar mit einer gewissen Entspannung, weil in den kommenden zwei bis drei Jahrzehnten der Hadsch kalenderbedingt in kühlere Jahreszeiten fällt. Dadurch dürften die Temperaturen während der Pilgerfahrt vorübergehend etwas niedriger liegen.
Ab etwa 2050 verschiebt sich jedoch der Hadsch erneut in die heißesten Sommermonate, wie die Berechnungen der Forschenden zeigen. Dann drohen noch extremere Bedingungen als heute.
Nach Einschätzung der Autoren reichen technische Anpassungen allein nicht aus. Zusätzliche Schattenflächen, Kühlanlagen oder organisatorische Maßnahmen könnten die Gefahr zwar verringern, aber nicht vollständig beseitigen.
Klimawandel verändert religiöse Praxis
Die Studie macht deutlich, dass der Klimawandel inzwischen auch religiöse Traditionen, die öffentliche Gesundheit und große Menschenansammlungen weltweit beeinflusst. Gerade der Hadsch sei dafür ein gutes Beispiel.
Die Forscher sehen deshalb dringenden Handlungsbedarf. Ohne konsequenten Klimaschutz könnten sich die Bedingungen weiter verschärfen. Die Sicherheit der Pilger und möglicherweise auch die traditionelle Hadsch-Praxis selbst seien bereits jetzt gefährdet.
Die Studie wurde auf der Generalversammlung 2026 der European Geosciences Union (EGU) vorgestellt, die vom 5. bis zum 8. Mai in Wien stattfand.
Quellenhinweis:
Ullah, A., Sadad, A., Saleh Khan, M., & Saeed, F. (2026): When Faith Meets Heat: Climate Change Risks During the Hajj Pilgrimage. EGU General Assembly, Vienna, Austria, 3–8 May 2026.
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