Europa unter Klimadruck: Laut einem aktuellen Bericht führt extreme Hitze bereits zu mehr Todesfällen und Erkrankungen

Der Bericht „The Lancet Countdown 2026“ bestätigt, dass der Klimawandel bereits jetzt die Gesundheit in Europa beeinträchtigt, was sich in einer höheren Zahl von Todesfällen aufgrund von Hitzewellen, der Ausbreitung von Krankheiten und einer zunehmenden Belastung durch Umweltrisiken äußert.

Ein aktueller Bericht des „Lancet Countdown“ belegt anhand von Daten, wie sich die Hitze zunehmend auf Europa auswirkt, insbesondere auf das Gesundheitssystem. Die Zahl der durch Hitze verschlimmerten Todesfälle steigt stark an.
Ein aktueller Bericht des „Lancet Countdown“ belegt anhand von Daten, wie sich die Hitze zunehmend auf Europa auswirkt, insbesondere auf das Gesundheitssystem. Die Zahl der durch Hitze verschlimmerten Todesfälle steigt stark an.

Der „2026 Europe Report“ des „Lancet Countdown on Health and Climate Change“, der in der Fachzeitschrift „The Lancet Public Health“ veröffentlicht wurde, vereint die Arbeit von 65 Experten aus 46 Institutionen, um 43 Schlüsselindikatoren zu analysieren, die einen direkten Zusammenhang zwischen Klima und Gesundheit aufzeigen. Wie The Lancet angibt, handelt es sich um die bislang umfassendste Analyse darüber, wie sich die globale Erwärmung bereits auf das tägliche Leben von Millionen von Menschen in Europa auswirkt.

In rund 99,6 % der europäischen Regionen sind heute mehr hitzebedingte Todesfälle zu verzeichnen als in den 1990er Jahren, während das Dengue-Fieber-Risiko bereits um fast 300 % gestiegen ist. Hinzu kommt, dass sich Mücken mit steigenden Temperaturen immer weiter nach Norden ausbreiten.

Eine der auffälligsten Erkenntnisse ist der Anstieg der hitzebedingten Sterblichkeit. Dem Bericht zufolge und wie von Medien wie La Voz de Galicia berichtet, verzeichneten 99,6 % der europäischen Regionen zwischen 2015 und 2024 im Vergleich zu den 1990er Jahren einen Anstieg der auf Hitze zurückzuführenden Todesfälle. Im Jahr 2024 standen schätzungsweise 62.000 Todesfälle im Zusammenhang mit hohen Temperaturen, wobei Menschen über 65 und Säuglinge, die am stärksten gefährdeten Gruppen, besonders betroffen waren.

Sterblichkeitsrate aufgrund von hitzebedingten Todesfällen von 1990 bis 2021. Quelle: Lancet Countdown.
Sterblichkeitsrate aufgrund von hitzebedingten Todesfällen von 1990 bis 2021. Quelle: Lancet Countdown.

Spanien ist ein deutliches Beispiel für diesen Trend. Die Zahl der hitzebedingten Todesfälle stieg in jüngster Zeit auf 130 pro Million Einwohner und hat sich damit gegenüber den Werten der 1990er Jahre verdreifacht. Dieser sprunghafte Anstieg spiegelt nicht nur einen Temperaturanstieg wider, sondern auch eine stärkere kumulierte Hitzeexposition, die bei gefährdeten Bevölkerungsgruppen um 254 % in Personentagen zugenommen hat.

Mehr Hitze, längere Exposition: Der stille Wandel, der den Alltag verändert

Europe Health Net, das ebenfalls über die Ergebnisse berichtete, zeigt, wie der Klimawandel nicht nur Extremereignisse verstärkt, sondern auch die Dauer von Umweltbedingungen verändert. Die Pollensaison in Europa hat sich im Vergleich zu den 1990er Jahren um ein bis zwei Wochen verlängert, was zu einer erhöhten Allergenexposition und einer Verschlimmerung von Atemwegserkrankungen führt.

Hinzu kommt die Zunahme von Hitzewarnungen. Demselben Bericht zufolge stieg die Zahl der Tage pro Jahr mit einem hohen Risiko für hitzebedingte Todesfälle zwischen 1991–2000 und 2015–2024 von 1 auf 4,3, was einem Anstieg von 318 % entspricht. Dieser Anstieg ist nicht einheitlich: In Westeuropa beispielsweise beträgt der Anstieg 450 %, was eine regionale Verschärfung des Phänomens widerspiegelt.

Die Auswirkungen sind auch im Alltag spürbar. Laut Daten des „Lancet Countdown“ haben die Stunden, in denen körperliche Aktivitäten im Freien mit Risiken verbunden sind, seit den 1990er Jahren um 88 % zugenommen. Dies hat konkrete Auswirkungen auf Gewohnheiten, Produktivität und Gesundheit, insbesondere in Branchen, die auf Arbeit im Freien angewiesen sind.

Krankheiten, die mit dem Klima umziehen: Europas neue Gesundheitskarte

Einer der wichtigsten Aspekte des Berichts ist die Ausbreitung klimabedingter Infektionskrankheiten. Das Risiko einer Dengue-Übertragung stieg in Europa im Zeitraum 2015–2024 im Vergleich zu 1981–2010 um 297 %, was auf die Ausbreitung der Tigermücke in Richtung Norden des Kontinents zurückzuführen ist.

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Hitzebelastungen, sowohl im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Klimawandels als auch im Vergleich zu einer Situation ohne diese zusätzliche Belastung. Quelle: Lancet Countdown.
Die Grafik zeigt die Entwicklung der Hitzebelastungen, sowohl im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Klimawandels als auch im Vergleich zu einer Situation ohne diese zusätzliche Belastung. Quelle: Lancet Countdown.

Dieser Wandel verändert die Gesundheitslandschaft Europas grundlegend. Krankheiten, die früher aus anderen Regionen eingeschleppt wurden, führen nun zu lokalen Ausbrüchen in Gebieten, in denen sie zuvor nicht endemisch waren. Den Indikatoren des Berichts zufolge hat sich das kombinierte Risiko für Dengue-Fieber, Chikungunya und Zika vervierfacht.

Gleichzeitig zeigt sich bei der Luftqualität ein gemischter Trend. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit der Verschmutzung durch Biomasse stieg im Jahr 2022 im Vergleich zu 2000 um 4 %, während die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Strom- und dem Verkehrssektor um 84 % bzw. 58 % zurückging, was die positiven Auswirkungen der Energiewende widerspiegelt, wenn auch mit neuen Herausforderungen im Zusammenhang mit den Energiekosten.

Was die Daten zeigen: Ein messbarer Wandel

Der besondere Wert dieses Berichts liegt in seiner quantitativen Grundlage. Es handelt sich hierbei nicht um Eindrücke, sondern um nachgewiesene Trends auf kontinentaler Ebene:

  • In 99,6 % der europäischen Länder ist ein Anstieg der hitzebedingten Todesfälle zu verzeichnen
  • Die Zahl der Hitzewarnungen stieg um 318 %
  • Das Dengue-Risiko stieg um 297 %
  • Die Hitzebelastung bei gefährdeten Bevölkerungsgruppen stieg um 254 %

In diesem Zusammenhang ist es entscheidend, Daten in Entscheidungen umzusetzen: Vorausschauendes Handeln ist nicht mehr nur eine Option, sondern ein unverzichtbares Instrument zur Risikominderung und zum Schutz der Gesundheit.

Quellenhinweis:

Romanello, M., et al. Lancet Countdown in Europe 2026 report on health and climate change. The Lancet Public Health (2026). https://www.thelancet.com/journals/lanpub/article/PIIS2468-2667(26)00025-3/fulltext

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