Hätten Sie gedacht, dass diese deutsche Region ein aktives Erdbebengebiet ist?

Vor 75 Jahren erschütterte ein starkes Erdbeben die Gegend zwischen Euskirchen, Köln und Bonn. Seither überwacht die Erdbebenstation Bensberg die Region seismologisch. Am Montagmorgen wackelte es in Belgien.

Die malerische Altstadt von Euskirchen liegt in einer seismologisch aktiven Region. Foto: Adobe Stock
Die malerische Altstadt von Euskirchen liegt in einer seismologisch aktiven Region. Foto: Adobe Stock

Das vergleichsweise kurze, aber starke Beben vom 14. März 1951 bewies: Das Rheinland ist keine erdbebenfreie Region. Die geologische Struktur der Niederrheinischen Bucht und der angrenzenden Eifel gehört zu den aktivsten Erdbebengebieten Deutschlands.

Das Erdbeben von Euskirchen wurde allerdings im Rheinland selbst nicht instrumentell aufgezeichnet. Denn damals existierten keine modernen seismischen Messstationen in der Region.

Sensoren im Kölner Dom

Für die Seismologie im Rheinland wurde das Beben zum Wendepunkt. Ohne dieses Ereignis gäbe es die Erdbebenstation Bensberg, die heute dem Institut für Geologie und Mineralogie der Universität zu Köln angegliedert ist, vermutlich nicht. Sie entstand als direkte Folge des Bebens.

Moderne digitale Messnetze – mit Sensoren sogar im Kölner Dom – ermöglichen heute eine hochauflösende Registrierung selbst kleinster Erdbeben.

Das Beben hatte eine Magnitude von 5,1 oder 5,7, je nach verwendeter Magnituden-Skala. In Euskirchen und den umliegenden Orten kam es zu zahlreichen schweren Gebäudeschäden. Besonders stark betroffen war der Raum Euskirchen und Bad Münstereifel. Doch auch in Köln, Bonn und weit darüber hinaus war das Beben deutlich spürbar.

Diese Lücke gab den entscheidenden Impuls. Forschende erkannten, dass eine dauerhaft betriebene seismologische Beobachtung im Rheinland dringend notwendig war – sowohl für die Wissenschaft als auch für den Bevölkerungsschutz.

Noch in Kalifornien wurde das Beben registriert

Die nächsten deutschen Stationen in Karlsruhe und Göttingen lagen über 200 Kilometer entfernt. Dennoch war das Beben so stark, dass es die Registrierfedern der Stationen in Jena und Basel beschädigte. Sogar im 9000 Kilometer entfernten Pasadena in Kalifornien konnte das Beben noch aufgezeichnet werden.

Die wissenschaftliche Auswertung musste sich lokal zunächst auf Schadensberichte und Wahrnehmungen der Bevölkerung stützen. Erst aus der Verteilung der Schäden ließ sich das Epizentrum eingrenzen.

Um beim nächsten Beben über bessere Daten zu verfügen, setzte sich Martin Schwarzbach, damals Professor für Geologie an der Universität zu Köln, für den Aufbau einer eigenen Station ein.

Engmaschige Überwachung des Rheinlands

Aufgrund der wachsenden Industrie und ungünstigen geologischen Begebenheiten in der Stadt Köln wurde Bensberg als Standort gewählt, das heute ein Stadtteil von Kölns Nachbarstadt Bergisch-Gladbach ist. 1952 wurde der Grundstein gelegt, 1955 nahm die Erdbebenstation Bensberg die Arbeit auf. Seither registriert sie kontinuierlich die seismische Aktivität im Rheinland und der Umgebung.

Und die ist beträchtlich: Die Website des Instituts zeigt ständig die zehn letzten registrierten Erdbeben. Das jüngste geschah in den frühen Morgenstunden des 16. März in einer Tiefe von 13,7 Kilometern und hatte eine Magnitude von 3,2. Das Epizentrum lag in Jalmay im östlichen Wallonien.

Quelle: www.seismo.uni-koeln.de