Experten warnen: Flugzeugabstürze wegen Weltraumschrott
Weltraumschrott ist längst kein Sci-Fi-Szenario mehr, sondern ein unterschätztes Risiko am Himmel, vor dem nun sogar Experten warnen.

Fast täglich fällt etwas aus dem All zurück in die Erdatmosphäre. Meist verglüht der Müll in grell funkelnden Lichtspuren am Himmel, doch zunehmend bleibt nicht alles harmlos. Mittlerweile schlagen sogar Experten, weil der Weltraumschrott auch Flugzeuge treffen könnte und das Risiko dafür immer weiter ansteigt.
Wenn Weltraummüll nicht vollständig verbrennt
Viele kennen den Begriff Weltraummüll nur aus Spielfilmen, doch was steckt eigentlich wirklich dahinter? Bei den unsichtbaren Wrackteilen unseres eigenen Fortschritts handelt es sich um hunderttausende leere Raketenstufen, ausgediente Satelliten oder kleine Trümmerteile, die durch den Orbit kreisen. Ein bis zwei Mal pro Woche tritt ein Raumfahrzeug oder ein größeres Überbleibsel unkontrolliert in die Atmosphäre ein — und irgendwann fällt ein Teil dieses Weltraumschrotts genau dort, wo wir fliegen, leben und uns bewegen.
Das Fatale daran: Nicht alles verglüht vollständig. Manche Fragmente durchstehen den Eintritt in die Atmosphäre, rasen dann wie silbrige Geschosse durch große Höhen. Und genau dort kreuzen riesige Verkehrsflugzeuge aus aller Welt ihren Weg. In einer Studie im Fachmagazin Scientific Reports berichteten Forscher Anfang 2025 bereits, dass Weltraumschrott bei unkontrollierten Wiedereintritten etwa einmal pro Jahr in stark beflogene Lufträume fällt. Zum Beispiel über Europa oder Nordamerika. In diesen Regionen könnte die Wahrscheinlichkeit, dass Weltraummüll überhaupt in den Flugverkehrsraum gelangt, bis zu 26 Prozent im Jahr betragen.
Das Risiko steigt bis 2030 enorm an
Noch ist der Einschlag eines solchen Objekts mit einem Flugzeug sehr unwahrscheinlich, aber eben nicht ausgeschlossen. Eine frühere Analyse zeigte: Das Risiko, dass ein kommerzielles Passagierflugzeug von Weltraumschrott getroffen wird, könnte bis etwa 2030 bei 1 zu 1000 liegen. Sollte ein Trümmerteil ein Flugzeug wirklich treffen wären die Folgen alles andere als harmlos: Selbst kleinere Fragmente könnten bei großer Geschwindigkeit etwa Triebwerke beschädigen oder die Struktur eines Flugzeugs schwächen. Experten vergleichen die mögliche Wirkung solcher Fragmente mit einem Projektil, das mit extremer Wucht einschlägt.
Mehr Flugkörper bedeuten mehr Weltraummüll
Bereits jetzt zeigt die Realität, wie unsicher das Szenario sein kann: Als eine chinesische Raketenstufe des Typs „Langer Marsch 5B“ 2022 unkontrolliert über Europa abstürzte, reagierten die Behörden mit Flugverkehrs-Einschränkungen und Luftraumsperrungen. Es war ein Weckruf: Wenn auch nur wenige Minuten die Bahn eines schwerer Trümmerteils über dicht beflogenen Regionen schwenken, kann das transkontinentale Auswirkungen haben. Vor allem, da die Raumfahrt rasant wächst. Jeden Monat starten neue Satellitenkonstellationen, etwa für Internetnetze oder Erdbeobachtung. Mehr Flugkörper im Orbit bedeutet automatisch mehr potenziellen, unkontrollierten Müll, der irgendwann wieder herunterkommt. Während viele Satelliten verglühen, schafft es ein Teil davon tief genug, um durch den aktiven Luftraum zu fallen.
Deshalb suchen Wissenschaftler:innen und Raumfahrtbehörden nach Lösungen: Missionen wie die künftige ESA-DRACO-Mission sollen ab 2027 helfen, das Verhalten von Weltraumschrott besser zu messen und verstehen, wie sich einzelne Bauteile beim Wiedereintritt zerlegen. Diese Daten sind wichtig, um Vorhersagen für Flugrouten und Sicherheitsmaßnahmen zu verbessern.