DWD: El Niño ist nicht relevant für Europa - zumindest klimatechnisch nicht!

Alle sprechen aktuell vom "Super-El-Niño" im Pazifik und über die Auswirkungen des Events. Welchen Einfluss hat das Event auf Europa? Der DWD findet dazu im Extremwetterkongress in Hamburg klare Worte.

Im Ost-Pazifik entwickelt sich ein El Niño Event. Die Wassertemperaturen sind dort aktuell außergewöhnlich hoch.
Im Ost-Pazifik entwickelt sich ein El Niño Event. Die Wassertemperaturen sind dort aktuell außergewöhnlich hoch.

Schon seit Mai prognostizieren die Klimamodelle sämtlicher Institute, darunter das des Deutschen Wetter Dienstes (DWD), ein El Niño Event für den kommenden Herbst. Solch eine Prognose ist per se nicht ungewöhnlich, da das Event alle 2-7 Jahre wiederkehrt.

Es ist also ein bekanntes Phänomen in unserem Klima und wird der sogenannten natürlichen, also nicht menschengemachten, Klimavariabilität zugeordnet. Das ungewöhnliche ist jedoch die Intensität der Prognose für den kommenden El-Niño.

El Niño Prognose für 2026 doppelt so stark wie 2023

Unter dem El-Niño Event versteht man eine Umkehrung der gewöhnlichen Temperaturverteilung des Oberflächenwassers im Pazifik. Im "Normalzustand" befindet sich wärmeres Wasser im Westpazifik und kälteres Wasser im Ostpazifik. Dieser Temperaturunterschied im Meer führt auch zu einem Temperatur- und Druckunterschied in der darüberliegenden Atmosphäre und treibt die sogenannte Walker-Zirkulation an.

Die Luft über dem warmen Wasser steigt in die höhere Atmosphäre auf, ein Tiefdruckgebiet entsteht und die beim Aufstieg abkühlende Luft sorgt für Wolken und Regenfällen im Westpazifik. Gleichzeitig wird die aufsteigende Luft durch kältere Luft aus dem Ostpazifik "ersetzt": die bekannten Trade-Winds entstehen und wehen von Südamerika Richtung Westen über den Pazifik. In diesem Zustand ist es somit (grob gesagt) feucht im Westpazifik und trocken im Ostpazifik sowie deren angrenzenden Küstengebiete.

Auswirkungen vom El Niño reichen weit über den Pazifik hinaus

Während eines El Niño Events dreht sich dieses Verhältnis um: das Warmwasser befindet sich im Ostpazifik, das kältere Wasser im Westpazifik. Dadurch verschieben sich die Regenereignisse und es kommt vermehrt zu Starkregen über Ecuador und Peru sowie Trockenheit über Teilen Asiens.

Dieser Shift im Wettersystem hat natürlich fatale Folgen für die Menschen, die an den Küstenlinien wohnen und beeinflusst auch die Agrarwirtschaft und generelle Ökonomie weit über die Küstenlinien hinaus. Zum Beispiel kann ein starker El Niño zu einer Trockenheit in Panama führen und den für den Welthandel wichtigen Panamakanal regelrecht austrocknen; mit schwerwiegenden Folgen für die globalen Lebensmittelpreise.

Europa ist nicht direkt vom El Niño betroffen

Häufig wird der El Niño wegen seiner verheerenden Auswirkungen als Click-Bait genutzt, um einen möglichen Einfluss auf Europa heraufzubeschwören. Aus klimatechnischer Perspektive gibt es jedoch keinen statistisch gesicherten Einfluss des El Niños auf das Klima in Europa.

Andreas Becker vom DWD unterstreicht dies in seiner Präsentation beim Extremwetterkongress in Hamburg (Stunde 08:06). Für Europa ist die Nordatlantik Oszillation der viel wichtigere und direktere Indikator, um Einflüsse auf das Wetter in und um Europa herum zu prognostizieren.

Dennoch räumt Becker ein: indirekte Auswirkungen vom El Niño auf Europa durch die Globalisierung des Handels ist nicht ausgeschlossen. Beim Event in 2023 konnte man die indirekten Auswirkungen in steigenden Lebensmittelpreisen beobachten. Da dieser El Niño doppelt so stark prognostiziert ist im Vergleich zu 2023 könnte sich dieser Effekt noch verstärken.

In Zeiten einer sowieso schon erhöhten Inflation und steigenden Zinsen, könnte dieses El Niño Event also nicht nur massiv die Populationen an den Küstenlinien beeinflussen, sondern auch indirekt über die Wirtschaft zu einer aktuellen Polykrise beitragen.

Klare Aussage des DWD: Runter mit den Treibhausgasen!

Trotz der Wichtigkeit und des starken Einflusses dieser natürlichen Klimavariabilität wie dem El Niño oder der Nordatlantik Oszillation bleibt die Kernmessage des DWDs beim Extremwetterkongress in Hamburg klar: Runter mit den Treibhausgasemissionen!

Die Hauptkomponenten für ein steigende, global Durchschnittstemperaturen und deren Folgen sind und bleiben die Emissionen. Die natürliche Klimavariabilität wirkt lediglich on-top zum menschengemachten Trend steigender Temperaturen.

Ich wünsche Ihnen eine Woche die ihrer eigenen natürliche Variabilität folgt.