Wegen El Niño ruft Kalifornien den Notstand aus: Doom-Marketing oder Klimarealität – ist Europa zu fatalistisch?
Kalifornien mobilisiert Behörden, Nationalgarde und Hochwasserschutz, bevor die erwarteten El-Niño-Stürme eintreffen. Während Kaliforniens Gouverneur wissenschaftliche Warnungen in konkrete Vorsorge übersetzt, stellt sich die Frage: Handelt Europa besonnen – oder wartet es fatalistisch auf die nächste Katastrophe? Die Pressemitteilung der kalifornischen Regierung lässt aufhorchen.

Kalifornien entscheidet sich für Vorsorge – trotz des politischen Gegenwinds aus dem eigenen Land. Der Kurs des Bundesstaates steht diametral zur Politik von Donald Trump.
Während der US-Präsident auf fossile Energien, weniger Umweltauflagen und „Energiedominanz“ setzt, hält Gouverneur Gavin Newsom an wissenschaftsbasiertem Klimaschutz und der Anpassung an Wetterextreme fest. Washington ging bereits gegen kalifornische Vorgaben für emissionsarme Fahrzeuge vor. Kalifornien wehrt sich mit Klagen und eigenen Gesetzen.
Dieser politische Gegensatz bleibt eine zusätzliche Hürde. Die Notstandserklärung wegen El Niño zeigt jedoch, dass der Bundesstaat nicht auf einen gemeinsamen Kurs der USA wartet.
Ein Notstand, bevor die Stürme kommen
Die Pressemitteilung der kalifornischen Regierung lässt aufhorchen. Noch bevor die erwarteten Winterstürme eintreffen, ruft Newsom den Notstand aus. Dadurch können Behörden schneller Material beschaffen, gefährdete Gemeinden vorbereiten und Schutzmaßnahmen ohne langwierige Verfahren umsetzen.
Sandsäcke, Pumpen und weitere Hochwasserausrüstung werden bereitgestellt. Caltrans positioniert Geräte für Verkehrslenkung, Straßensperrungen und Schneeräumung. Die Nationalgarde bereitet sich auf mögliche Hochwasser-, Rettungs- und Logistikeinsätze vor. Auch Warnungen vor Überschwemmungen, Evakuierungen und Stromausfällen sollen barrierefrei und mehrsprachig verbreitet werden.

„Wir warten nicht, bis die Stürme vor der Tür stehen“
„Wir warten nicht, bis die Stürme dieser Saison unmittelbar vor unserer Tür stehen“, sagt Caroline Thomas Jacobs, Direktorin des kalifornischen Katastrophenschutzes Cal OES.
Ihre Begründung klingt weder nach Resignation noch nach blindem Alarmismus. Behörden und örtliche Partner sollen mögliche Bedürfnisse erkennen, bevor die ersten schweren Schäden entstehen. Gemeinden und Einsatzkräfte benötigen Personal, Ausrüstung und klare Abläufe, um schnell reagieren zu können.
Auch Kaliforniens Minister für natürliche Ressourcen Wade Crowfoot begründet die frühe Mobilisierung deutlich: „Wir wissen, wie schwerwiegend diese durch den Klimawandel verstärkten Wetterextreme sein können.“
Warum Kalifornien gerade jetzt handelt
El Niño verstärkt sich über dem tropischen Pazifik. Nach den in der Pressemitteilung genannten Prognosen besteht eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 90 Prozent für ein sehr starkes Ereignis. Mit 75-prozentiger Wahrscheinlichkeit könnte es historische Stärke erreichen.
Kalifornien drohen wiederholter Starkregen, Sturm, große Schneemengen in den Bergen, Überschwemmungen, Erdrutsche, Schuttströme und Küstenhochwasser. Erste Überflutungen an der Küste wurden bereits mit El Niño in Verbindung gebracht.
Der Notstand bedeutet nicht, dass jede dieser Gefahren eintreten wird. Er schafft Handlungsmöglichkeiten für den Fall, dass sie eintreten.
I'm declaring a state of emergency to mobilize state resources for a potentially historic El Niño winter in California.
— Governor Gavin Newsom (@CAgovernor) September 21, 2026
With higher risks of heavy rain, flooding, and mudslides over the next several months, we're launching a whole-of-government effort to protect Californians. pic.twitter.com/nOcdVn8dwx
Was Bürger von ihren Politikern hören sollten
Gouverneur Gavin Newsom spricht über die Verantwortung des Staates gegenüber den Bürgern:
„Kalifornien ist am stärksten, wenn wir aufeinander achten. Darum geht es bei dieser Maßnahme: den Gemeinden die Unterstützung zu geben, die sie benötigen, den Einsatzkräften die Mittel für ihre Arbeit bereitzustellen und den Familien die Gewissheit zu geben, dass ihr Bundesstaat vorbereitet ist.
Wir bereiten uns frühzeitig auf diesen El Niño vor, weil jeder Mensch in Kalifornien das Recht darauf hat, in seinem Zuhause sicher, mit seiner Gemeinschaft verbunden und bei schweren Unwettern geschützt zu sein.“
Das sind Sätze, die Bürger von ihren Politikern hören sollten. Newsom verspricht Vorbereitung, Schutz und staatliche Handlungsfähigkeit. Die Bevölkerung soll darauf vertrauen können, dass Warnungen ernst genommen werden und Hilfe nicht erst organisiert wird, wenn Straßen bereits überflutet und Gemeinden von der Außenwelt abgeschnitten sind.
Artikelreferenz
Governor Gavin Newsom. (Sep 21, 2026). Governor Newsom proclaims state of emergency to bolster statewide El Nino preparedness, protect California.