Die Moor-Wende: eine gute Option zur CO2-Speicherung

Als Szenerie vieler Kriminal- und Fantasy-Filme haben Moore einen eher negativen Ruf. Die Landschaften erscheinen trostlos. Nebelschwaden schaffen eine gruselige Atmosphäre. Und im Matsch der Moore droht man zu versinken.

Moore - die natürlichen Klimaaktivisten
Moore - die natürlichen Klimaaktivisten

Für die Klima- und Umweltwissenschaft sind Moore jedoch etwas völlig anderes. Bei der Minderung von Flutschäden kommt ihr Schwammeffekt zum Tragen, denn Moore können große Wassermengen speichern und dadurch Überflutungen verhindern. Ihre Torfmoose können bis zum 40-fachen ihres Eigengewichts an Wasser aufnehmen.

Moore haben eine regulierende Wirkung auf den Nährstoffhaushalt und kühlen ihre Umgebung, was dem lokalen Klima zugutekommt.

CO2-Bindung

Die für den Kampf gegen den Klimawandel herausragende Eigenschaft der Moore ist jedoch ihre Fähigkeit, riesige Mengen an CO2 aufzunehmen und in Form von Kohlenstoff zu binden.

Moore sind einzigartige und seltene Ökosysteme. Obwohl sie nur etwa 3-4% der Landoberfläche unseres Planeten bedecken, enthalten sie bis zu einem Drittel des weltweiten Bodenkohlenstoffs. Dieser liegt etwa doppelt so hoch wie der Kohlenstoff, der in den Wäldern der Welt gespeichert wird.

Trotzdem wurde die Bedeutung von Mooren lange Zeit völlig übersehen. Besonders in Europa wurde der Großteil der Moore trockengelegt, und zwar für Torfabbau, Äcker, Weiden, Forste und Siedlungen.

Ein trockengelegtes Moor verliert jedoch seine positive Wirkung als Ökosystem.

Umdenken notwendig

Es gibt unterschiedliche Problemstellungen beim Umgang mit Mooren. In der Breite der Bevölkerung ist deren positive Wirkung auf das Klima weitgehend - wenn nicht sogar vollkommen unbekannt. Die mächtige Sprache der oft schaurigen Moorbilder zeigt offensichtlich ihre Wirkung.

In der Land- und Forstwirtschaft bot und bietet das Trockenlegen von Mooren fruchtbare und damit wertvolle Böden. Garten-Center freuen sich über preisgünstige Angebote von Torf als Grundmaterial für ihre Kunden.

Klima- und Naturschützer dagegen tun alles dafür, um die Wiedervernässung von Mooren mit großer Dynamik auf den Weg zu bringen. Eine weltweite Initiative, die dieses Ziel verfolgt, ist die Global Peatland Initiative, zu deren Gründungsmitgliedern auch das deutsche Greifswald Moor Centrum gehört.

Sie alle fordern ein völliges Umdenken beim Umgang mit Mooren, wenn wir deren Potenzial auf den Gebieten des Klima und Naturschutzes komplett ausnutzen wollen.

Notwendig dafür ist nicht nur eine globale Wiedervernässung in großem Stil, sondern auch neue Wege, Moore zu nutzen. Dies beinhaltet auch notwendige Milliarden-Finanzierungen für die Umstrukturierung.

Oder wie die Klimajournalistin Ann-Kathrin Büüsker schreibt:

Die Moor-Regionen stehen vor einem Strukturwandel, der dem des Kohleausstiegs gleicht.

Ich habe den Artikel von Frau Büüsker am Ende meines Textes verlinkt.

Trauriges Bild in Deutschland

In Deutschland liegen die verbliebenen Moore vor allem in fünf Bundesländern: Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Schleswig-Holstein und Bayern. Dort, wie auch in allen anderen Bundesländern sind jedoch fast alle Moorböden, nämlich 92 Prozent des ursprünglichen Bestandes entwässert.

Dabei wurde übersehen, dass die Trockenlegung von Mooren eine absolut klimaschädliche Wirkung hatte und hat. Statt der Speicherung von Kohlenstoff setzen sie im Zuge der Trockenlegung und danach große Mengen an Treibhausgasen frei.

Nach Angabe des Bundesumweltministeriums entspricht dies jährlich etwa 53 Millionen t an CO2-Äquivalente – und damit mehr als sieben Prozent der gesamten deutschen Emissionen.

Diese Menge entspricht etwa der Emission der gesamten Stahlindustrie. Was aber verursacht diese negative Wirkung im Einzelnen?

Das besondere Ökosystem Moor

Wenn Pflanzen sterben, werden sie normalerweise von Bakterien, Pilzen oder kleinsten Tierchen abgebaut. Dabei wird der Kohlenstoff aus dem Pflanzenmaterial freigesetzt.

Bei Mooren ist dieser Prozess jedoch anders.

Dort wachsen vor allem Moose, Sauergräser und verschiedene Sträucher. Sterben sie ab, werden sie vom Wasser eingeschlossen und nur teilweise zersetzt. Grund dafür ist die Verdrängung von Luft und damit von Sauerstoff durch das Wasser. Sauerstoff ist jedoch notwendig, damit die Mikroorganismen die Pflanzen abbauen. Auch ist das Moorwasser extrem sauer, was die Mikroorganismen ebenfalls negativ beeinflusst.

Schaurig-schön und immens wichtig: die Moore der Welt
Schaurig-schön und immens wichtig: die Moore der Welt

Somit lagern sich die Pflanzenreste ab und werden vom Gewicht der nachwachsenden Pflanzen zusammengepresst. Schicht für Schicht entsteht Torf, in dem der Kohlenstoff der nicht zersetzten Pflanzen dauerhaft gebunden bleibt.

Nach Schätzungen wächst der Torf in einem funktionierenden Moor pro Jahr um einen Millimeter in die Höhe. Dies führt dazu, dass Torfschichten in alten Mooren mehrere Meter dick sind.

In den Torfschichten stecken Unmengen an Kohlenstoff. Senkt sich der Wasserstand jedoch ab, weil Entwässerungsgräben gebaut werden, dringt Luft in den Torf ein und aktiviert die Mikroorganismen.

Sie zersetzen das organische Material, der Moorboden sackt ab und der Kohlenstoff gelangt in Form von CO2 in die Atmosphäre. Damit wird das trockengelegte Moor zu einem Emittenten von CO2.

Neue Studie zeigt gute Initiativen

Eine neue internationale Studie "Bright spots in peatland conservation, rewetting and restoration", veröffentlicht in Ambio, zeigt neun Handlungsfelder und Initiativen, die bereits heute erfolgreich Moore schützen, wiedervernässen und nachhaltig nutzen.

Die zentrale Erkenntnis: Erfolgreicher Moorschutz hat viele Gesichter. Entscheidend sind die Zusammenarbeit von Wissenschaft, Politik und lokalen Gemeinschaften sowie der Mut, neue Wege zu gehen.

Beispiele dafür reichen von großflächigen Programmen der Wiedervernässung über gemeinschaftliche Renaturierungsprojekte.

Sie machen deutlich, dass Wiedervernässung und nachhaltige Nutzung von Mooren bereits heute funktionieren und wertvolle Beiträge zum Klima- und Biodiversitätsschutz leisten können.

Die Studie wurde gemeinsam von Forschenden der Universität Greifswald – Partner im Greifswald Moor Centrum und Mitgliedern des Sonderforschungsbereichs WETSCAPES2.0 – sowie dem Copernicus Institute of Sustainable Development an der Universität Utrecht geleitet.

Das Greifswald Moor Centrum

Die Universität Greifswald, die Michael Succow Stiftung, das Institut für Nachhaltige Entwicklung der Naturräume der Erde (DUENE e.V.) und die Stiftung Moorbibliothek arbeiten am Standort Greifswald als eigenständige Institutionen mit unterschiedlicher Expertise in Bezug auf Moore.

Das Greifswald Moor Centrum ist eine strategische Kooperation zwischen diesen vier Institutionen. Partnerübergreifende Aufgaben, Koordination, gemeinsame Datenbanken werden über den GMC e.V. organisiert.

Dazu gehören die weltweit größte Datenbank zu Verbreitung und Zustand der Moore sowie die umfangreiche Moorbibliothek.

Artikelreferenz

Ann-Kathroin Büüsker. Die Moor-Revolution.
Greifswald-Moor-Centrum. Datengrundlage Moore.
Greifswald-Moor-Centrum. Die Moor-Bibliothek.