Abholzung im Amazonasregenwald verschärft Extremwetter: Studie sagt dramatische Folgen voraus

Würde der Amazonasregenwald vollständig gerodet, nähmen Extremniederschläge, Hitzestress und Sturmereignisse deutlich zu. Das geht aus einer neuen Klimastudie hervor. Die Ergebnisse zeigen, wie empfindlich regionale Klimasysteme auf Waldverlust reagieren.

Wenn die Abholzung weiter fortschreitet, verändert sich der durchschnittliche Jahresniederschlag zwar kaum – extreme Wetterlagen werden aber deutlich zunehmen, so die wissenschaftliche Prognose. Bild: Ivars Utināns/Unsplash
Wenn die Abholzung weiter fortschreitet, verändert sich der durchschnittliche Jahresniederschlag zwar kaum – extreme Wetterlagen werden aber deutlich zunehmen, so die wissenschaftliche Prognose. Bild: Ivars Utināns/Unsplash

Der Amazonas-Regenwald erscheint aus der Luft wie ein endloser, tiefgrüner Teppich. Sein Ökosystem beherbergt zahllose Tier- und Pflanzenarten, viele davon kommen ausschließlich dort vor. Zugleich fungiert der Wald als gewaltiger Kohlenstoffspeicher und beeinflusst damit maßgeblich das globale Klimasystem. Doch der Druck wächst.

Rund ein Fünftel der Fläche ist bereits gerodet, und ein Stopp der Abholzung ist derzeit nicht absehbar. Die Folgen umfassen neben dem Verlust von Vegetation und Biodiversität auch gesundheitliche und wirtschaftliche Gefahren für die Bevölkerung.

Eine neue Studie des Max-Planck-Instituts für Meteorologie, der Universität Hamburg und des Institute of Science and Technology Austria hat nun untersucht, wie sich eine vollständige Entwaldung klimatisch auswirken würde. Die Forschenden arbeiteten mit einem Klimamodell in einer bisher ungewöhnlich feinen räumlichen Auflösung von fünf Kilometern.

Dabei kam heraus, dass sich der durchschnittliche Jahresniederschlag kaum verändern würde, extreme Wetterereignisse sich jedoch erheblich verschärfen. Solche Extreme könnten jedoch das ökologische Gleichgewicht dauerhaft destabilisieren.

Hohe Auflösung offenbart entscheidende Details

Geleitet wurde die Untersuchung von Dr. Arim Yoon und Dr. Cathy Hohenegger vom Max-Planck-Institut für Meteorologie. Bereits in einer früheren Arbeit hatten sie mithilfe globaler Simulationen gezeigt, dass die mittlere Niederschlagsmenge selbst bei kompletter Rodung überraschend stabil bliebe. Die neue Analyse reicht jedoch weiter.

Wenn die Bäume verschwänden, würden durch die mangelnde Luftfeuchtigkeit auch regenfreie Phasen zunehmen. Bild: Lightscape/Unsplash
Wenn die Bäume verschwänden, würden durch die mangelnde Luftfeuchtigkeit auch regenfreie Phasen zunehmen. Bild: Lightscape/Unsplash

Dank der hohen Modellauflösung lassen sich kurzfristige und kleinräumige Prozesse genau erfassen, etwa Gewitterzellen oder lokale Konvektion, die in gröberen Modellen verborgen bleiben. Gerade solche Details sind entscheidend, denn im Extremfall verändert sich nicht die Gesamtmenge des Regens, sondern dessen Verteilung im Zeitverlauf.

Mehr Wolkenbrüche – und mehr Trockenstunden

In einem Szenario vollständiger Entwaldung nehmen besonders heftige Regenfälle deutlich zu. Niederschlagsereignisse mit mehr als 50 Litern pro Quadratmeter und Stunde treten um 54 Prozent häufiger auf. Gleichzeitig steigt die Zahl niederschlagsfreier Stunden sogar um 173 Prozent. Es regnet also seltener – wenn es jedoch regnet, dann intensiver.

„Tropische Pflanzen sind eigentlich angepasst an relativ konstante Niederschläge und geringe Temperaturschwankungen. Wenn Extreme zunehmen, kann das die Erholung des Waldes sehr schwierig machen.“

– Dr. Arim Yoon, Max-Planck-Institut für Meteorologie, Erstautorin

Parallel dazu erhöht sich die Durchschnittstemperatur um nahezu vier Grad Celsius. Auch die Schwankungen zwischen Hitze und vergleichsweise kühleren Phasen werden stärker.

Hitzestress für Mensch und Natur

Die Vegetation leidet. Und auch für die Bevölkerung in der Region steigt die Belastung spürbar. Mehrere Hitzestress-Indizes zeigen eine deutliche Zunahme gesundheitsgefährdender Bedingungen.

Allein die sogenannte Kühlgrenztemperatur bleibt stabil, da die trockener werdende Luft den Temperaturanstieg teilweise kompensiert.

Die Gesamtsituation verschärft sich erheblich. Höhere Temperaturen, längere Trockenphasen und intensivere Starkregenereignisse erhöhen das Risiko für Ernteausfälle, Überschwemmungen und gesundheitliche Probleme.

Warum die Extreme zunehmen

Die physikalischen Ursachen liegen vor allem im veränderten Wasserhaushalt. Mit dem Verschwinden der Bäume nimmt der Feuchtigkeitstransport von der Vegetation in die Atmosphäre ab, die sogenannte Evapotranspiration. Weniger Feuchtigkeit bedeutet zunächst trockenere Bedingungen und weniger aufsteigende Luftströmungen. Dadurch nehmen regenfreie Phasen zu.

Kommt es jedoch durch großräumige Luftkonvergenz zu starken Aufwinden, fällt der Niederschlag umso intensiver aus. Gleichzeitig führt die reduzierte Verdunstung zu einer stärkeren Erwärmung der bodennahen Luft.

Auch die Windgeschwindigkeiten steigen. Zum einen fehlen die Baumkronen als natürliche Bremse, zum anderen verstärken Abwinde aus kräftigeren Gewitterzellen die Dynamik zusätzlich.

Warnsignal für die Zukunft

Die Studie macht deutlich, dass Durchschnittswerte allein kein vollständiges Bild liefern. Extreme Ereignisse bleiben in langfristigen Mittelwerten oft unsichtbar. Deshalb plädieren die Forschenden dafür, unterschiedliche Indikatoren heranzuziehen und Modelle mit sehr hoher Auflösung einzusetzen. Nur so lassen sich kurzfristige und lokale Klimarisiken realistisch erfassen.

Auch wenn das Szenario einer vollständigen Abholzung nur angenommen ist, verstehen die Autorinnen ihre Ergebnisse als klare Mahnung. Der fortschreitende Waldverlust im Amazonasgebiet könnte das regionale Klimasystem dauerhaft destabilisieren.

Quellenhinweis:

Yoon, A., Hohenegger, C., Bao, J., & Brunner, L. (2026): Extreme events in the Amazon after deforestation. Earth System Dynamics, 17, 167–179.