Ein zusätzlicher Homeoffice-Tag könnte Millionen Liter Kraftstoff sparen
Ein zusätzlicher Tag im Homeoffice könnte den täglichen Kraftstoffverbrauch in Deutschland massiv senken. Das geht aus einer neuen Studie hervor. Gleichzeitig wünschen sich viele Beschäftigte genau diese Veränderung – wobei auch Unternehmen davon profitieren könnten.

Die Diskussion ums Homeoffice bekommt neuen Auftrieb: Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass sich bereits ein einziger zusätzlicher Heimarbeitstag pro Woche erheblich auf die Umwelt auswirken würde. Millionen Liter Kraftstoff ließen sich einsparen, während gleichzeitig Arbeitszufriedenheit und Effizienz zunähmen.
Grundlage dieser Erkenntnisse ist die 19. Befragungswelle der Konstanzer Homeoffice-Studie. Sie macht deutlich, wie stark das Pendelverhalten die Energiebilanz beeinflusst – und wie einfach sich dieser Faktor verändern ließe.
Einsparung durch weniger Pendeln
Derzeit fahren 64 Prozent der Beschäftigten, deren Tätigkeit grundsätzlich von zu Hause aus möglich wäre, mit dem Auto zur Arbeit. Gleichzeitig wünschen sie sich im Durchschnitt fast einen zusätzlichen Homeoffice-Tag pro Woche.
Und genau dieser Tag könnte entscheidend sein: Wenn Millionen Pendlerinnen und Pendler weniger unterwegs wären, würden entsprechend viele Fahrten entfallen – und damit auch ein erheblicher Anteil des Kraftstoffverbrauchs.
Die Studie untersucht auch den Zusammenhang zwischen Homeoffice und steigenden Energiekosten. So hält mit 62 Prozent die Mehrheit der Befragten mehr Heimarbeit angesichts hoher Preise für sinnvoll.
Unternehmen machen nicht mit
Dennoch bleibt die tatsächliche Anpassung begrenzt. Nur 20 Prozent haben ihr Verhalten entsprechend verändert. Der Grund liegt weniger in der fehlenden Bereitschaft, sondern vielmehr in strukturellen Hindernissen innerhalb der Organisationen.
„Wir haben hier ein seltenes Zusammentreffen von individuellen Wünschen, gesellschaftlichem Nutzen und betriebswirtschaftlichem Interesse“, sagt Studienleiter Florian Kunze, Professor für Organizational Behavior und Leiter des Future of Work Lab an der Universität Konstanz.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Ein Drittel der Beschäftigten gibt an, regelmäßig ins Büro zu kommen, ohne dass dies fachlich notwendig wäre. Jeder Fünfte hat sogar den Eindruck, dass viele Kolleginnen und Kollegen ihre Zeit dort eher absitzen. „Ein sinnvoll gestalteter dritter Homeoffice-Tag wäre keine Abkehr von Zusammenarbeit, sondern ein Gewinn an Effizienz – für Beschäftigte, Unternehmen und das Energiesystem“, erklärt Studienautor Kilian Hampel, Postdoc und Senior Research Fellow am Future of Work Lab der Universität Konstanz.
Führungskräfte werden flexibler
Ein wichtiger Faktor für die Zukunft hybrider Arbeit ist, wie sich Führungskräfte positionieren. Hier zeigt die Studie einen deutlichen Wandel, indem die Skepsis gegenüber Homeoffice spürbar abnimmt. Der Anteil derjenigen, die strengere Präsenzpflichten befürworten, hat deutlich abgenommen, von 33 Prozent im Jahr 2024 auf 22 Prozent. Auch Sorgen um Kommunikation haben sich im Vergleich zu früheren Erhebungen nahezu halbiert, von 43 Prozent im Jahr 2024 auf 23 Prozent.
Gleichzeitig bleibt die tatsächliche Präsenzpflicht auf niedrigem Niveau. Nur rund ein Fünftel der Beschäftigten (21 Prozent) berichtet von verschärften Regeln. Auffällig ist jedoch: Wer häufiger zur Anwesenheit verpflichtet wird, fühlt sich erschöpfter – ohne dass die Produktivität messbar steigt.
„Führungskräfte, die hybride Arbeit professionell gestalten, werden selbst zu Impulsgeber*innen einer modernen Arbeitskultur“, unterstreicht Kilian Hampel. „Organisationen, die krampfhaft versuchen, ihre Mitarbeitenden durch Zwang ins Büro zurückzuholen, müssen sich langfristig Gedanken um ihre Wettbewerbsfähigkeit machen.“
Klare Regeln führen zum Erfolg
Neben der grundsätzlichen Offenheit spielt die konkrete Umsetzung eine entscheidende Rolle. Die Studie zeigt, dass viele Unternehmen hier noch Nachholbedarf haben: In bis zu der Hälfte der Organisationen fehlen klare Leitlinien für hybrides Arbeiten. Dabei sind die Vorteile strukturierter Modelle eindeutig messbar: mehr Engagement, bessere Zusammenarbeit und höhere Produktivität.
„Es braucht klare Regeln und bewusst gestaltete Präsenzzeiten“, fasst Florian Kunze zusammen. „Unternehmen, die darin jetzt investieren, reduzieren nicht nur die Energiekosten für die Beschäftigten – sie stärken auch den Zusammenhalt und die Leistungsfähigkeit ihrer Teams.“ Das zeigt, dass Homeoffice nicht automatisch funktioniert, sondern aktiv gestaltet werden muss.
Quellenhinweis:
Kunze, F., & Hampel, K. (2026): Homeoffice in der Energiekrise: Pendeln, Effizienz und hybrides Arbeiten in Deutschland 2026. Konstanzer Homeoffice-Studie, Universität Konstanz.
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