12.000 Schritte am Tag: Jugendliche, die sich mehr bewegen, haben seltener psychische Probleme
Jugendliche, die täglich viele Schritte gehen, haben ein Jahr später weniger psychische Beschwerden. Eine große US-Studie zeigt nun, dass körperliche Aktivität und emotionale Widerstandsfähigkeit des Gehirns möglicherweise miteinander verbunden sind.

Schon ein zusätzlicher Schulweg zu Fuß, ein Fußballspiel im Park oder der Gang zum Laden könnte sich auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen positiv auswirken. Darauf deutet eine neue Studie hin, die das Bewegungsverhalten von 5515 US-amerikanischen Kindern und Jugendlichen beobachtet hat.
Die Untersuchung wurde vom Institute of Psychiatry, Psychology & Neuroscience des King’s College London und der University of Massachusetts Amherst durchgeführt. Die Teilnehmenden stammten von der Adolescent Brain Cognitive Development Study, der größten US-Untersuchung zur Entwicklung von Gehirn und Gesundheit im Kindesalter.
Für die Messung trugen die 11- bis 12-Jährigen drei Wochen lang sogenannte Fitbit-Geräte, also Fitnesstracker als Armbanduhr. Ein Jahr später wurde die psychische Verfassung der Kinder mithilfe eines Fragebogens ermittelt, der unter anderem Angst, depressive Stimmung und Verhaltensprobleme erfassen soll. Anschließend wurden die Angaben mit den täglichen Schrittzahlen verglichen.
Mehr Schritte, weniger Beschwerden
Dabei kam heraus, dass Jugendliche mit weniger als 5000 Schritten pro Tag die meisten psychischen Probleme hatten. Bei durchschnittlich etwa 8000 Schritten waren die Beschwerden geringer, während Teilnehmer mit mindestens 12.000 Schritten die niedrigsten Werte aufwiesen.
Je nach Körpergröße des Kindes entsprechen 12.000 Schritte grob 8 bis 9 Kilometern. Dagegen sind 8000 Schritte rund 5,5 Kilometer, 5000 Schritte nur noch 3,5 Kilometer.
Ein Schwellenwert, ab dem zusätzliche Bewegung keinen weiteren Zusammenhang mit einer besseren psychischen Gesundheit zeigte, wurde im untersuchten Bereich nicht gefunden. „Was auffällt, ist, dass dieser Nutzen in dem beobachteten Bereich nicht nachlässt, selbst bei den aktivsten Jugendlichen unserer Stichprobe“, sagt Dr. Divyangana Rakesh vom King’s College London.

Auch am Gehirn lässt sich die Wirkung ansatzweise erkennen. Jugendliche mit besonders vielen Schritten hatten in zwei Hirnregionen dickeres Gewebe, nämlich in jenen, die an Bewegung und Emotionsregulation beteiligt sind. Das könnte zumindest teilweise erklären, warum höhere Aktivität und bessere psychische Gesundheit zusammenhängen.
Keine besseren Schulleistungen
Dass die Schrittzahl auch mit schulischen Leistungen zusammenhängt, konnten die Forschenden nicht belegen. Die Ergebnisse sprechen also eher dafür, dass Bewegung, Gehirnentwicklung und psychisches Wohlbefinden zusammenhängen – und nicht, dass ein Vorteil in allen Lebensbereichen besteht.
„Es ist keine Alles-oder-nichts-Situation“, sagt Dr. Amanda Paluch von der University of Massachusetts Amherst. „Jugendliche müssen keine Spitzensportler sein, um davon zu profitieren.“ Denn 1000 bis 2000 zusätzliche Schritte täglich, egal von welchem Ausgangsniveau, seien mit einer besseren Gehirnstruktur und besseren Ergebnissen für die psychische Gesundheit verbunden – und dieser günstige Zusammenhang nehme von dort aus weiter zu.
Das Ziel sei, so Paluch, „realistische, nachhaltige Wege zu finden, sich mehr zu bewegen – durch alltägliche Gelegenheiten wie den Schulweg zu Fuß, aktives Spielen und Aktivitäten, die Kindern tatsächlich Spaß machen.“ Damit lassen sich die Vorteile unabhängig vom Ausgangsniveau eines Jugendlichen erreichen.
Begrenzte Aussagekraft
Die Aktivität wurde objektiv per Wearable erfasst und nicht über Selbstauskünfte. Dennoch kann die Beobachtungsstudie nicht beweisen, dass mehr Bewegung psychische Probleme auch wirklich unmittelbar reduziert. Zwar wurden frühere psychische Beschwerden in der Studie berücksichtigt – dennoch kann es sein, dass Jugendliche mit besserer sozialer und psychischer Ausgangslage von vornherein aktiver waren.
Auch die beobachteten Veränderungen im Gehirn waren vergleichsweise gering. Zudem gab es nur wenige Teilnehmer mit extrem hohen Schrittzahlen. Ob der Zusammenhang oberhalb des untersuchten Bereichs weiter anhält, bleibt daher offen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift JAMA Network Open veröffentlicht.
Artikelreferenz
Li, Q., Paluch, A., & Rakesh, D. (2026). Physical Activity and Adolescent Brain Structure, Mental Health, and Academic Outcomes. JAMA Network Open.