„‚Wir müssen uns auf Schlimmes einstellen‘ – Meteorologe warnt vor einer Wetterlage mit ernsten Gesundheitsgefahren

Ein blockierendes Hoch, tropische Nächte, steigende Luftfeuchtigkeit – Experten sehen eine wachsende Gefahr für Gesundheit und Kreislauf.


Über Mitteleuropa hat sich eine blockierende Hochdruckzone festgesetzt, die wie ein gigantischer Deckel wirkt. Sie verhindert, dass kühlere Luftmassen vordringen können, und zieht gleichzeitig glühend heiße Luft aus Nordafrika nach Deutschland. Diese Heißluftblase verharrt tagelang über uns und sorgt für Temperaturen von regional bis zu 40 °C. Selbst nachts fällt das Thermometer vielerorts nicht unter 22 bis 27 °C, vor allem in Städten mit dichter Bebauung. Die Folge: Böden, Straßen und Häuser kühlen kaum noch ab – ein Hitzestau, der sich Tag für Tag weiter aufbaut.

Tückische Kombination aus Hitze und Schwüle

Während zu Beginn der Hitzewelle die Luft noch vergleichsweise trocken ist, schleicht sich ab der Wochenmitte eine deutliche Zunahme der Luftfeuchtigkeit ein. Das macht die Hitze schwerer erträglich, denn der Körper kann seinen Temperaturhaushalt nur durch Schwitzen regulieren. Hohe Luftfeuchtigkeit behindert jedoch die Verdunstung des Schweißes, was den Wärmestress massiv verstärkt. Dadurch steigt die Gefahr von Überhitzung und Hitzeschlag – auch bei ansonsten gesunden Menschen. Besonders gefährdet sind ältere Personen, Kleinkinder, Menschen mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen sowie jene, die körperlich schwer arbeiten müssen.

Folgen für Gesundheit und Kreislauf

Diese Wetterlage kann den Kreislauf in kurzer Zeit an die Grenzen bringen. Tropische Nächte bedeuten, dass sich der Körper nicht mehr ausreichend erholen kann, was die Belastung für Herz und Blutdruck weiter erhöht. Symptome wie Schwindel, Erschöpfung, Kopfschmerzen und Bewusstlosigkeit treten häufiger auf. Auch die Gefahr einer Dehydrierung steigt rapide, wenn nicht regelmäßig Flüssigkeit zugeführt wird. In Kombination mit Schlafmangel durch nächtliche Hitze kommt es zu einer gefährlichen Dauerbelastung, die das Risiko für plötzliche gesundheitliche Komplikationen vervielfacht.

In den kommenden Tagen ist es für die Jahreszeit deutlich zu heiß. Das zeigt die aktuelle Karte mit den Temperaturanomalien.
In den kommenden Tagen ist es für die Jahreszeit deutlich zu heiß. Das zeigt die aktuelle Karte mit den Temperaturanomalien.

Sterblichkeit: Was uns die Vergangenheit lehrt

Ein Blick zurück zeigt, wie ernst die Lage ist: Sommer 2003 brachte in Deutschland 7.000 bis 8.000 zusätzliche Todesfälle, 2019 waren es rund 3.700. Auch wenn jede Hitzewelle ihre Eigenheiten hat, ähnelt die aktuelle Situation in Dauer, Intensität und Schwülegrad diesen Extremsommern. Bei einer Fortdauer von mehr als einer Woche mit Spitzenwerten nahe 40 °C und gleichzeitig hoher Luftfeuchtigkeit sind mehrere hundert bis über tausend hitzebedingte Todesfälle nicht ausgeschlossen. Der genaue Wert hängt stark von Präventionsmaßnahmen ab – etwa funktionierenden Hitzeplänen, ausreichender Pflege in Altenheimen und dem Verhalten jedes Einzelnen.

Was jetzt Leben retten kann

Die gute Nachricht: Ein Teil dieser Gefahr lässt sich abmildern. Wer ausreichend trinkt, körperliche Belastungen meidet und sich in kühle Räume zurückzieht, kann das Risiko deutlich reduzieren. Wichtig ist auch, gefährdete Personen aktiv zu unterstützen – etwa Nachbarn oder Verwandte, die alleine leben. Behörden und Gesundheitsdienste raten, Wohnräume abzudunkeln, Ventilatoren oder Klimageräte gezielt einzusetzen und auf frühe Anzeichen von Überhitzung zu achten. Denn eines ist klar: Diese Hitzewelle wird uns in Erinnerung bleiben – die Frage ist nur, wie hoch der Preis in Menschenleben sein wird.