Wetterforscher spricht von "Polarwirbel-Rätsel": Kommt jetzt ein CSE-Schock im März?
Hoch über der Arktis braut sich etwas zusammen. Ein mögliches CSE könnte das März-Wetter in Deutschland überraschend verändern

Hoch über der Erde, in etwa 30 bis 50 Kilometern Höhe, beobachten Meteorologen derzeit aufmerksam die Stratosphäre, also eine Luftschicht über dem normalen Wettergeschehen. Dort kreist im Winter der sogenannte Polarwirbel, ein riesiges Tiefdrucksystem aus kalter Luft über der Arktis.
Seine Stärke entscheidet oft darüber, ob Europa eher mildes Westwindwetter oder kältere Luft aus Norden und Osten bekommt. Aktuelle Daten der japanischen Wetterbehörde zeigen, dass sich dieser Polarwirbel zuletzt wieder verstärkt hat – ein mögliches Zeichen für ein sogenanntes Cold Stratospheric Event (CSE).
Was ein CSE eigentlich ist
Ein Cold Stratospheric Event, kurz CSE, bedeutet eine ungewöhnliche Abkühlung der Stratosphäre über dem Nordpol. Sinkende Temperaturen führen dazu, dass der Polarwirbel schneller rotiert und stabiler wird. Man kann sich das wie einen kräftig angezogenen Kreisel vorstellen: Je stärker er sich dreht, desto stabiler bleibt er. Ein stabiler Polarwirbel sorgt meist dafür, dass die kalte Polarluft eingeschlossen bleibt und stattdessen häufiger milde Atlantikluft nach Deutschland strömt. Ein CSE gilt deshalb oft als Signal für wechselhaftes und eher mildes Frühlingswetter.
Hinweise in den Stratosphären-Daten
Die aktuellen Diagramme zeigen, dass die Temperaturen in etwa 10 Kilometern Höhe über dem Nordpol wieder fallen und gleichzeitig die Westwinde deutlich zunehmen. Genau diese Kombination gilt als klassisches Muster für ein entstehendes CSE. Besonders auffällig ist, dass sich die Werte nach einer zuvor unruhigen Phase stabilisieren. Meteorologen sprechen dann von einer Reorganisation des Polarwirbels, bei der sich die Zirkulation neu ordnet und wieder stärker wird. Solche Prozesse können innerhalb weniger Wochen das Wetter in Europa beeinflussen.
Warum der März betroffen sein könnte
Zwischen Stratosphäre und unserem Wetter am Boden besteht eine Art unsichtbare Verbindung. Veränderungen im Polarwirbel brauchen meist ein bis drei Wochen, bis sie sich nach unten durchsetzen. Genau deshalb schauen Experten jetzt besonders auf den März. Sollte sich das mögliche CSE bestätigen, könnte sich das Wetter relativ abrupt umstellen. Statt stabiler Hochdrucklagen wären dann eher Tiefs vom Atlantik, Wind, Regen und wechselhafte Temperaturen wahrscheinlich.
Nicht jede Prognose trifft ein
Allerdings gilt auch: Selbst ein deutliches CSE führt nicht automatisch zu einem bestimmten Wetter in Deutschland. Die Atmosphäre ist ein komplexes System, in dem viele Faktoren zusammenspielen. So können zum Beispiel Hochdruckgebiete über Skandinavien oder Veränderungen im Jetstream die Wirkung abschwächen oder sogar umkehren. Meteorologen sprechen deshalb eher von erhöhten Wahrscheinlichkeiten als von sicheren Vorhersagen.
Ein ungewöhnlicher Frühling möglich
Besonders spannend ist, dass ein stärkerer Polarwirbel im späten Winter oder frühen Frühling nicht alltäglich ist. Sollte sich das aktuelle Signal bestätigen, könnte der März eher typisches Atlantikwetter bringen statt frühe Frühlingswärme. Gleichzeitig bleibt die Lage dynamisch: Schon kleine Veränderungen in der Stratosphäre können große Auswirkungen haben. Das macht die kommenden Wochen meteorologisch besonders interessant – und möglicherweise überraschend für ganz Deutschland.