Unwetter: Führen das warme Mittelmeer und die kalte Polarluft zu Unwettern in Süddeutschland?

Kalte Polarluft strömt in der höheren Atmosphärenschicht von Norden Richtung Alpen im Süden Deutschlands. Zusammen mit dem warmen Mittelmeer könnte sich eine Unwetterlage entwickeln. Wie kritisch ist es?

Bild 1: Das Mittelmeer trägt die Sommerwärme mit 25 °C in Norditalien und wärmt die darüber liegenden Luftschichten auf.
Bild 1: Das Mittelmeer trägt die Sommerwärme mit 25 °C in Norditalien und wärmt die darüber liegenden Luftschichten auf.

Der Sommer neigt sich so langsam dem Ende zu und wird zunehmend vom Herbst abgelöst. Die aktuelle Großwetterlage führt dazu, dass kalte Polarluft aus dem Norden nach Deutschland transportiert wird und sorgt zumindest in großen Teilen Deutschlands zunächst für trockeneres Herbstwetter. Sollte sich diese kalte Polarluft jedoch über die Alpen bis zum Mittelmeer erstrecken, sind es genau die richtigen Zutaten für eine Unwetterlage.

Zutaten für eine Unwetterlage häufen sich: Jetzt kommt es auf die Polarluft an

Das Mittelmeer hat sich durch den Sommer auf 25 °C aufgeheizt (Bild 1) und wird auch in den kommenden Tagen dafür sorgen, dass die darüber liegende Luft weiterhin mild und feucht bleibt. An sich ist das für das deutsche Wetter in dieser Form nicht wirklich ein Problem, zusammen mit der sich nach Süden bewegenden Kaltfront (Bild 2) könnte sich potentiell jedoch eine Unwetterlage aufbauen.

Bild 2: Kalte Polarluft strömt aus Norden Richtung Süden und Alpen. Sollte die Kaltfront über die Alpen Richtung Genua ziehen, könnte dies eine Vb-Lage einleiten.
Bild 2: Kalte Polarluft strömt aus Norden Richtung Süden und Alpen. Sollte die Kaltfront über die Alpen Richtung Genua ziehen, könnte dies eine Vb-Lage einleiten.

Die Vb-Lage: Ein Tiefdruckgebiet könnte vermehrt Regen aus dem Süden über die Alpen nach Deutschland bringen

Schiebt sich die kalte Polarluft weiter Richtung Süden über das Mittelmeer bei Genua, so erhöht dies den vertikalen Temperaturunterschied in der Atmosphäre: eine warme Luftschicht befindet sich nahe der Oberfläche des Mittelmeeres und eine kältere Luftschicht befindet sich in ca. 1.5 km Höhe darüber. Diese Schichtung ist extrem instabil. Da die warme Luft eine geringere Dichte hat als die kalte Luft, tendiert sie dazu, nach oben zu steigen. In anderen Worten: Die Atmosphäre möchte den Temperaturunterschied ausgleichen und dies geschieht durch (ggf. explosionsartigen) Bewegungen der Luftschichten.

Diese Ausgleichsbewegung kann dazu führen, dass sich ein Tiefdruckgebiet über Genua und dem Mittelmeer entwickelt. Aktuell sehen wir solch eine Entwicklung, allerdings ist das Tiefdruckgebiet mit 1012 hPa noch sehr schwach (Bild 2).

Sollte sich dieses Tiefdruckgebiet jedoch verstärken, so könnte dies auch zu Unwettern geprägt durch Starkregenfälle in Deutschland führen. In der Vb-Lage bewegt sich das Tief von Genua aus in nördliche bis nord-östliche Richtung über Österreich und Tschechien. Sollte sich diese Zugrichtung leicht nach Westen verschieben, so ist Süddeutschland direkt betroffen.

Solch ein Tief bringt in der Regel starke Regenfälle mit sich, da es auf der Ostseite des Tiefs warme und feuchte Mittelmeerluft ansaugt und Richtung Norden transportiert (Tiefdruckgebiete rotieren auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn). Auf der Westseite wird die kalte Polarluft in den Süden transportiert und wirkt gewissermaßen als Motor des Tiefs und verstärkt es.

Es gibt Regenpotential in den Alpen mit Ausläufern nach Süddeutschland. Hauptsächlich betroffen ist bisher jedoch Österreich.
Es gibt Regenpotential in den Alpen mit Ausläufern nach Süddeutschland. Hauptsächlich betroffen ist bisher jedoch Österreich.

Um die Unwetterlage in Süddeutschland im Blick zu behalten, achten Sie also auf folgendes:

  • Verstärkt sich das Tiefdruckgebiet im nördlichen Mittelmeer bei Genua?
  • Wandert die kalte Polarluft in 850 hPa Höhe weiter Richtung Süden und verstärkt damit die Entwicklung des Tiefs?
  • Bewegt sich das Tiefdruckgebiet Richtung Norden / Nordosten?

Beantworten sie diese Fragen mit Ja, so erhöht sich das Potential für Unwetter in Süddeutschland in der kommenden Woche.

Mit dem bisherigen Vorhersage-Horizont können wir jedoch noch nicht sicher davon ausgehen, dass sich das Tief weiter verstärkt. Wir müssen also auf die weiteren Berechnungen der kommenden Woche warten.

Ich wünsche Ihnen ein unwetterfreies Wochenende an dem alles so abläuft wie berechnet.